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Regenwald : Hilfe für die Urwaldriesen

  • -Aktualisiert am

Aussicht auf den Regenwald Bild: ZB

Durch Holzeinschlag leer geräumte Regenwälder zu regenerieren ist eine schwierige Angelegenheit. Ein Möbelkonzern und eine Holzschlagfirma versuchen es im malaysischen Teil von Borneo: Aus einer Million Schösslinge sollen neue Urwaldriesen wachsen.

          , Borneo. Auf den ersten Blick wähnt man sich in einem intakten Regenwald. Lianen, Schlingpflanzen und Jungbäume mit großen, dunkelgrünen Blättern bilden ein unwegsames Dickicht. Der schlammige Boden ist dicht mit braunem Laub bestreut. Doch die Markenzeichen des Dschungels von Borneo - die alles überschattenden Urwaldriesen - sind rar geworden; zu Tausenden wurden sie aus dem Wald gezogen. Tiefe, schlammige Schleifspuren zeugen vom ihrem Abtransport.

          Wie vielerorts in Südostasien wurden auch in Sabah, dem malaysischen Teil Borneos, in den 1970er und 80er Jahren die Wälder schonungslos ausgeschlachtet. Hier im Kalabakan Forest Reserve vollendete 1983 eine Feuersbrunst die Zerstörung. Statt stolzer Urwaldriesen dominieren heute schnell wachsende Macaranga-Bäume und Würgepflanzen den Wald. "Die Region wurde wirklich leer geräumt", sagt der Forstwirt David Alloysius, der die Zerstörung von Sabahs Wäldern seit seiner Kindheit miterlebt.

          Hilfe für die Riesen

          Dieser botanischen Wüstenei will ein vom Möbelkonzern Ikea finanziertes Projekt neues Leben einhauchen: In Zusammenarbeit mit der Holzfirma Innoprise Corporation sollen die verlorenen Baumarten auf 140 Quadratkilometern wieder aufgestockt werden. "Es ist unser erklärtes Ziel, der Natur ihre Vielfalt zurückzugeben", sagt Alloysius, der das Projekt leitet. Es entstand, als der schwedische Forscher Jan Falck, der auf Borneo den nachhaltigen Holzschlag erkundete, auf den Ikea-Gründer Ingvar Kamprad traf. Jenen interessierten die Nöte der Urwaldriesen, auch wenn die Firma kein Holz aus der Region verwendet. Mit einem Startkapital von 750 000 Dollar, gestiftet von schwedischen Ikea-Kunden, begann 1998 die Wiederaufforstung.

          Ohne menschliche Hilfe haben die Urwaldriesen Borneos kaum eine Chance. Fast alle gehören zur Familie der Flügelnussgewächse (Dipterocarpaceae) und können einen Stammumfang von bis zu sechs Metern und eine Höhe von bis zu 80 Metern erreichen; sie bilden die oberste Kronenschicht des ursprünglichen Tieflandregenwaldes. Natürliche Flügelnussgewächswälder - die Heimat der Orang-Utans - sind die artenreichsten Landökosysteme Südostasiens, aber auch die am stärksten bedrohten: In Malaysia musste bereits mehr als die Hälfte dieser Wälder den Motorsägen weichen. Zwischen 1985 und 2000 wurde mehr Holz aus Borneo herausgezogen als aus Afrika und dem Amazonas zusammen.

          Warten im Schatten

          Die spezielle Biologie der Flügelnussgewächse erschwert ihre natürliche Regeneration. Sie blühen nur alle zwei bis zehn Jahre in einem sogenannten Mastjahr, wenn synchron Bäume diverser Arten gewaltige Mengen von Samen freisetzen. Statt als Samen im Boden zu überdauern, wie bei Bäumen unserer Breiten, keimen die Nüsse binnen weniger Tage aus und verharren als armlange Sprösslinge im Schatten. Je nach Art können sie da mehrere Jahrzehnte warten, bis eine Lücke im Blätterdach genügend Licht zum Wachsen bietet. Ihre harten, dunkelgrünen Blätter, randvoll mit Phenolen und anderen für Fressfeinde unverdaulichen Substanzen, sind perfekt an die Wartezeit im Dunkeln angepasst.

          Intensiver Holzschlag, wie er in Sabah betrieben wurde, fügt den Flügelnusswäldern verheerenden Schaden zu. Er entfernt nicht nur die fortpflanzungsfähigen Bäume, zudem zerstören Bulldozer und fallende Bäume auch die Setzlingsbanken, aus denen die Riesen nachwachsen sollten. "Der Holzschlag löscht die Flügelnussgewächse so gut wie aus", erklärt Glen Reynolds, der die benachbarte Danum-Valley-Feldstation leitet. Es könne Jahrhunderte dauern, bis solch ein Wald nachwächst.

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