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Raubkatzen : Das Wandern ist des Löwen Lust

  • -Aktualisiert am

Von Afrika nach Hannover: Bei uns leben Löwen nur im Zoo Bild: dpa

In freier Natur leben immer weniger Löwen. Um ihren Schutz zu verbessern, haben Forscher sich jetzt mit der Verbreitungsgeschichte der Wildkatzen beschäftigt. Anscheinend sind sie mehrmals von Afrika nach Asien und Europa vorgedrungen.

          Als Wappentier ist der Löwe noch weit verbreitet, in freier Natur trifft man ihn aber immer seltener an. Um eine zuverlässige Basis für künftige Schutzkonzepte zu schaffen, vertieften sich Wissenschaftler um Ross Barnett von der University of Oxford in die Stammesgeschichte der imposanten Großkatzen. Gemeinsam mit Kollegen des University College London und der University of Adelaide studierten sie die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Löwen unterschiedlicher Herkunft.

          Knochen- und Gewebeproben aus zahlreichen Museen ermöglichten es ihnen, auch längst ausgestorbene Populationen in die molekulargenetischen Analysen einzubeziehen. Dabei stellte sich heraus, dass Löwen - ähnlich wie Menschen - anscheinend mehr als einmal aus Afrika nach Asien und Europa vorgedrungen sind.

          Weitläufige Verwandtschaft

          Fossilfunde deuten darauf hin, dass sich die ersten löwenartigen Großkatzen vor einigen Millionen Jahren in Ostafrika entwickelt haben. Während des Eiszeitalters drangen sie nach Asien und Europa vor und gewöhnten sich dort an ein kühleres Ambiente. Schließlich reichte das Verbreitungsgebiet der nördlichen Variante, auch als „Höhlenlöwe“ bekannt, von Europa über Sibirien bis nach Nordamerika. Nach dem Ende der letzten Eiszeit sind diese Tiere bald von der Erdoberfläche verschwunden. Die Erbsubstanz aus fossilen Knochen weist auf eine nur weitläufige Verwandtschaft mit jenen Löwen hin, die sich bis heute südlich der Sahara tummeln („Proceedings of the Royal Society“, Teil B, Bd. 273, S. 2119).

          Hat weiten Weg hinter sich: Löwe im Tierpark

          Anders verhält es sich mit den Löwen, die einst im südlichen Mittelmeergebiet und im südwestlichen Asien eine Heimat gefunden haben. Sie sind den afrikanischen genetisch überaus ähnlich, zeigen allerdings eine viel geringere genetische Vielfalt. Dass die Vorfahren der heutigen asiatischen Löwen aus Afrika eingewandert sind, scheint also noch nicht allzu lange her zu sein. Womöglich hatten sie sich erst vor wenigen zehntausend Jahren auf den Weg gemacht. Von dieser mutmaßlich zweiten Einwanderungswelle blieb der Norden offenbar ausgespart. Den dort alteingesessenen „Höhlenlöwen“ machten die Neuankömmlinge nie Konkurrenz. Sie breiteten sich über ein Gebiet aus, das einst von Griechenland und dem Nahen Osten bis nach Persien und Indien reichte.

          Kaum Kontakt unter den Populationen

          Derzeit existiert von ihnen außerhalb von Afrika nur noch eine winzige Population auf der indischen Halbinsel Kathiawar. In der Obhut zoologischer Gärten leben noch gut hundert weitere Löwen, die von indischen Vorfahren abstammen. Beträchtlich geschrumpft ist das Verbreitungsgebiet der eindrucksvollen Großkatzen freilich auch in Afrika. Die nordafrikanischen Berberlöwen mit ihrer üppigen dunklen Mähne wurden ebenso ausgerottet wie die noch stattlicheren Kaplöwen, die einst Afrikas Südspitze bevölkerten. Manche zoologischen Gärten präsentieren noch heute Löwen, die offensichtlich Kap- oder Berberlöwen unter ihren Vorfahren hatten. Unvermischt sind diese Varianten jedoch nirgends mehr zu finden.

          Die Schätzungen darüber, wie viele Löwen derzeit noch in freier Natur leben, klaffen weit auseinander. Manche Experten sprechen von weniger als 50.000, andere sogar von weniger als 20.000. Die Tiere verteilen sich auf mehrere Populationen, die untereinander kaum Kontakt haben. Denn nicht bloß lebensfeindliche Wüsten, hohe Gebirge und breite Flüsse setzten der Ausbreitung Grenzen. Da sich Löwen nur in Steppengebieten zu Hause fühlen, bilden dichte Wälder wie im Kongobecken ebenfalls eine Barriere. Von der so entstandenen Vielfalt einen Großteil zu erhalten ist das Ziel künftiger Schutzkonzepte.

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