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Raffinierte Fledermäuse : Der Samen ist zum Fressen da

  • -Aktualisiert am

Auch die Fledermaus lässt es sich schmecken und verdaut die Samen. Bild: dpa

Früchte laden zum Verspeisen ein. Ihre Samen oft mehr. Jedenfalls ist das bei Fledermäusen so: Sie verspeisen mehr als 85 Prozent der Proteine, Fette und Kohlenhydrate, die in den Samen stecken.

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          Bunt gefärbt oder verlockend duftend, laden Früchte zum Verspeisen ein. Als Gegenleistung für so eine Mahlzeit werden die Samen üblicherweise ein stückweit verschleppt, so dass die Sämlinge fern der Mutterpflanze heranwachsen können. Manche Fledermäuse, die sich an den Früchten des Waldes gütlich tun, haben diesen fairen Deal allerdings aufgekündigt. Dass sie sich die Samen schmecken lassen, anstatt sie auszusäen, entdeckten Insa Wagner, Elisabeth Kalko und Marco Tschapka von der Universität Ulm.

          In den Regenwäldern von Panama studierten sie die Ernährungsgewohnheiten der Großaugen-Fledermaus (Chiroderma villosum). Wie etliche andere labt sich diese Fledermaus an den Früchten tropischer Feigenbäume. Erstaunlich ist jedoch, dass sie fast eine Stunde lang an einer einzigen Feige herumkaut. Gewöhnlich sind Fledermäuse viel schneller mit so einem Happen fertig, denn der süße Saft ist rasch herausgepresst.

          Nahrhafte Feigensamen

          Die faserigen Überreste werden ausgespuckt. Etliche Samen werden aber auch mit dem Saft verschluckt und kommen mit Überresten der Verdauung unversehrt wieder zum Vorschein. Was durch den Darm der Großaugen-Fledermaus gewandert ist, enthält dagegen nur sehr wenig intakte Feigensamen.Die meisten werden zerkaut und verdaut.

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          Gemeinsam mit Jörg Ganzhorn von der Universität Hamburg fand Insa Wagner heraus, dass sich die Fledermaus mehr als 85 Prozent der Proteine, Fette und Kohlenhydrate einverleibt, die in den Samen stecken. Kein Wunder, dass sie gerade jene Feigenarten bevorzugt, deren Fruchtfleisch besonders viele Samen birgt. Da sie sich im Laufe der Evolution diese zusätzliche Nährstoffquelle erschlossen hat, braucht die Großaugen-Fledermaus nur wenige Feigen, um satt zu werden.

          Dass sie nicht mehr so weit herumflattern muss wie andere Fruchtfresser, spart Energie und mindert das Risiko, unterwegs hungrigen Fressfeinden zu begegnen. Das Nachsehen hat freilich der Feigenbaum, der seine flatterhaften Gäste durchfüttert, ohne sich dafür gute Dienste einzuhandeln.

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