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Pflanzen für Kenner : Von wegen lila Veilchen

  • -Aktualisiert am

Das Garten-Stiefmütterchen blickt auf eine lange Geschichte zurück und ist in unzähligen Hybridformen aus verschiedenen Wildarten gezüchtet worden. Bild: Josh Westrich

Die Gattung Viola steht symbolisch für eine Farbe, die sie meist gar nicht hat. Das ist nicht das einzige Missverständnis.

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          Selbst ambitionierte Gärtner kennen meist nur drei: das Duftveilchen, das Hornveilchen und das Stiefmütterchen. Dabei ist die Gattung Viola aus der Familie der Veilchengewächse äußerst umfangreich. Sie umfasst rund fünfhundert Arten, die überall dort vorkommen, wo ein gemäßigtes Klima herrscht. Es gibt ein- bis zweijährige Vertreter, aber auch ausdauernde Kräuter oder Halbsträucher unter ihnen. Einige davon sind weit verbreitet, andere äußerst selten und nur regional vertreten; die Art Viola athois beispielsweise soll nur auf dem heiligen Berg Athos auf der griechischen Halbinsel Chalkidiki vorkommen.

          Sonja Kastilan

          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ist in der Literatur oder in alten Kräuterbüchern vom Veilchen die Rede, ist meist das sogenannte Duft- (oder März-)-Veilchen Viola odorata gemeint. Es stammt aus dem Mittelmeerraum, hat sich bei uns aber schon im Mittelalter angesiedelt und wächst, wo man es lässt, gern im Halbschatten auf nicht zu trockenen Böden. Es breitet sich durch Rhizome aus und bringt im Frühjahr, aber manchmal auch noch im Herbst die bekannten Blüten hervor, die zwittrig und selbstbefruchtend sind. Daneben bildet die Pflanze auch sogenannte kleistogame Sommerblüten, die unscheinbar sind und sich gar nicht erst öffnen, was jede Fremdbestäubung verhindert. Ameisen sorgen für die weitere Verbreitung des Samens.

          Alle übrigen heimischen Veilchenarten, wie das Rauhaarige Veilchen V. hirta oder das Hügel-Veilchen V. collina, duften weniger stark oder gar nicht. Der Volksmund hat sie unter dem Namen „Hundsveilchen“ zusammengefasst. Untereinander bilden Veilchenarten zahllose Bastarde, die sich im Einzelnen schwer auseinanderhalten lassen.

          Verzwickte Namen

          Das Garten-Stiefmütterchen, das ebenfalls zu den Veilchen zählt, blickt auf eine lange Entstehungsgeschichte zurück. Die wichtigste Ausgangsart war wohl das Wilde Stiefmütterchen V. tricolor, das bevorzugt auf Dünen und Magerwiesen wächst. Eine besonders großblütige Unterart (botanisch exakt V. tricolor subsp. subalpina Gaud.) kam schon früh in die Gärten und wurde „Freisamkraut“ genannt, weil es angeblich gegen Krämpfe und Hautausschläge („Freisam“) half. Der Botaniker Tabernaemontanus erwähnt die Pflanze um 1590 herum als „Dreyfaltigkeitsblume“, weil sie gleichzeitig blau, gelb und weiß blühe. In späteren Abhandlungen tauchen Formen auf, die nahelegen, dass auch Abkömmlinge des Großblütigen Acker-Stiefmütterchens (V. arvensis Murray subsp. megalantha Nauenb.) kultiviert wurden. In der Schweiz kam das rein gelb blühende Sudeten-Stiefmütterchen hinzu (V. lutea Huds.).

          Um 1810 herum begann man in England in größerem Maßstab mit der Zucht von Hybriden, bei der zusätzlich das Altai-Stiefmütterchen (V. altaica Ker-Gawl.) eingekreuzt wurde. Bald war die Sache so unübersichtlich, dass der schwedische Botaniker Veit Brecher Wittrock vorschlug, die ganze Sippschaft Violae × hortenses grandiflorae zu nennen, um anzudeuten, dass viele wilde Eltern am Werk gewesen waren. Zumal man sich auf dem Kontinent daran gemacht hatte, die englischen Stiefmütterchen noch zu verbessern. Französische Gartenbaubetriebe experimentierten unter anderem mit dem Langsporn-Veilchen (V. calcarata) und dem Olympischen Veilchen. In Deutschland war es der „Stiefmütterchen-Vater“ Robert Hesse, der in Quedlinburg die Grundlage für die Sorte ’Pirnaer Winterblühende‘ legte. Noch mehr Vielfalt brachten in den 1920er Jahren die Brüder Roggli, die in Hilterfingen am Thuner See die berühmten ’Schweizer Riesen‘ züchteten.

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