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Parasiten : Ein neuer Bienenmilbentöter

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Bedroht von Parasiten: Fleißige Honigbiene bei der Arbeit

Bedroht von Parasiten: Fleißige Honigbiene bei der Arbeit Bild: AP

Die gefährliche Milbe „Varroa destructor“ hat durch den Befall der Honigbiene bereits Millionenschäden in Deutschland angerichtet. Jetzt hat der Bundesrat erlaubt, die Schädlinge mit Oxalsäure zu bekämpfen.

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          Schon einmal, vor drei Jahren, hatte sich der Bundesrat mit der Milbe „Varroa destructor“ beschäftigt, einem der schlimmsten Feinde von „Apis mellifera“ - der Honigbiene. Der kleine Parasit schiebt sich zwischen die Bauch- oder Rückenschuppen seines Wirts, durchbohrt ihn und saugt das Blut, die Hämolymphe. Ein Bienenvolk, das von der bis Mitte des vorigen Jahrhunderts noch unbekannten Varroa-Milbe befallen wird, stirbt unweigerlich ab. Die Schäden sind gewaltig, Schätzungen gehen von 15 Millionen Euro im Jahr allein in Deutschland aus.

          Nicht nur die Honigproduktion ist betroffen. Bienen bestäuben einen großen Teil der Nutz- und Wildpflanzen, die ohne die Insekten keine Früchte trügen. Zwar wurden gegen den Parasit Akarizide eingesetzt, die Varroa-Milbe bildete gegen einige der chemischen Substanzen aber inzwischen Resistenzen. Wie verheerend der Schädling ist, zeigte sich vor dreieinhalb Jahren: Damals überlebten 35 Prozent aller deutschen Bienenvölker den Winter 2002/2003 nicht. „Varroa destructor“ war allerdings nicht die einzige Ursache des großen Bienentods.

          Naturstoff aus Gemüse wie Spinat und Rote Beete

          Im Sommer 2003 stimmte der Bundesrat einer Verordnung zu, die eine Milchsäurebehandlung von Bienenvölkern im Spätherbst oder Winter empfiehlt - also in der brutfreien Zeit. Die fünfzehnprozentige Säure wird dabei direkt auf die mit den Tieren besetzten Waben gesprüht. Die Behandlung zeigte Erfolge, genauso wie der Einsatz des Naturstoffs Thymol, den schon die Ägypter verwandten: Sie nutzten den Thymianbestandteil wegen seiner bakteriziden und fungiziden Eigenschaften, um damit ihre Mumien zu konservieren.

          Ende vergangener Woche hat sich der Bundesrat abermals mit der Plage befaßt. Dieses Mal ging es um Oxalsäure. Das ist ebenfalls ein Naturstoff, der in Gemüse wie Spinat, Rhabarber und Rote Beete, aber auch in Tee, Kakao und sogar im Honig vorkommt. Maßgeblich an der Entwicklung und Zulassung von Oxalsäure als Tierarzneimittel für alle EU-Staaten beteiligt war das Institut für Biologie/Neurobiologie der Freien Universität Berlin. „Das Interesse der Pharmaindustrie war zu gering“, sagt die an der FU zuständige Wissenschaftlerin Eva Rademacher. „Bienen sind ein zu kleiner Markt.“ Daher hätten sich verschiedene Institute zusammengeschlossen und für die Zulassung des Tierarzneimittels gesorgt - ein ganz und gar nicht normaler Vorgang.

          Resistenzen sind unwahrscheinlich

          Mit Zustimmung des Bundesrats können deutsche Imker Oxalsäure nun legal als Tierarzneimittel noch in diesem Herbst einsetzen. Die als Milbenbekämpfungsmittel besonders vielversprechende Substanz wird direkt auf die Bienen und ihre Waben geträufelt. Wie sie wirkt, ist nicht genau geklärt. Nach Angaben von Eva Rademacher sterben die Milben wohl durch den Kontakt mit der Oxalsäure. Möglicherweise übersäuere auch die Hämolymphe der Bienen, was die Parasiten abtöte.

          Das Schöne an dem Arzneimittel sei, daß Resistenzen bei der „Varroa destructor“ unwahrscheinlich seien, sagt Eva Rademacher, die im Februar dieses Jahres für ihre Arbeit mit dem Apisticus-Preis der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet wurde. Trotzdem töte die Oxalsäure aber nur gut 95 Prozent der Schädlinge ab. „So überleben zwar die Bienenvölker. Die Imker müssen aber wohl auf Dauer mit der Milbe zurechtkommen.“

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