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Paradies-Schmuckbaumnatter : Fliegen statt schlängeln

  • -Aktualisiert am

„Chrysopelea paradisi” kann mehr als zehn Meter in horizontaler Richtung fliegen Bild: Jake Socha, National Geographic Society

Ohne Flügel fliegen? Das ist kein Problem für die Paradies-Schmuckbaumnatter. Mit einer raffinierten Sprungtechnik gelangt sie im Gleitflug von Ast zu Ast.

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          Die Paradies-Schmuckbaumnatter beherrscht eine extravagante Art der Fortbewegung. Wenn diese zierliche Schlange in den Regenwäldern ihrer südostasiatischen Heimat durch die Baumkronen streift, bewegt sie sich zwar meistens in dem für ihresgleichen typischen Kriechgang. Sie kann aber auch im Gleitflug von Ast zu Ast gelangen. Diese Fähigkeit ist ihr nicht anzusehen, denn Schmuckbaumnattern fliegen ganz ohne Flügel. Auch dass sie keine Beine hat, wirkt sich offenbar nicht sonderlich nachteilig aus. Wie John Socha von der University of Chicago unlängst herausgefunden hat, schafft die Schlange nämlich trotzdem einen kraftvollen Absprung.

          Während eines Forschungsaufenthalts in Singapur ließ der Biologe einige Vertreter der Paradies-Schmuckbaumnatter (Chrysopelea paradisi) einfangen und im Zoologischen Garten der Stadt einquartieren. Für die Flugversuche wurde dort ein Gerüst errichtet, von dem sich die zierlichen Schlangen bereitwillig in die Tiefe stürzten. Videokameras registrierten in zehn Meter Höhe jede Bewegung auf der Startrampe. Bisweilen ließen sich die Tiere einfach von dem dort waagerecht angebrachten Zweig herabgleiten und begannen dann mit schlängelnden Bewegungen, die den freien Fall abbremsten. Doch meist vollführten die Schmuckbaumnattern vor dem Abflug merkwürdige Verrenkungen, die bisher bei keiner anderen Schlangenart beobachtet wurden.

          Raffinierte Sprungtechnik

          Wie Socha im „Journal of Experimental Biology“ (Bd. 209, S. 3358) berichtet, lassen die Tiere zunächst ihren Vorderkörper herabhängen, wobei sie den Kopf nach oben strecken, so dass sie eine J-förmige Gestalt annehmen. Da sich ihr Körper an der Biegung zur Seite dreht, kommen dort die Muskeln ins Spiel, die gewöhnlich für seitliches Schlängeln zuständig sind. Die Schlange nutzt die kräftigen Muskelpakete dazu, sich blitzartig aufzurichten und gleichzeitig vorwärts zu schnellen. Schließlich löst sie sich von dem Ast und beginnt ihren Gleitflug.

          Mit dieser raffinierten Sprungtechnik kann die Schmuckbaumnatter sich nicht nur auf einen etwas höher gelegenen Ast hinaufschwingen, sondern auch weitere Strecken im Gleitflug zurücklegen, als wenn sie sich einfach fallen ließe. Bei einem Sprung aus zehn Meter Höhe fliegt sie mehr als zehn Meter in horizontaler Richtung. Damit schneidet sie ähnlich gut ab wie Flughörnchen und Flugbeutler, kleine Säugetiere, die zwischen Vorder- und Hinterbeinen eine breite Hautfalte ausspannen. Flugdrachen der Gattung Draco stützen ihre seitlichen Hautlappen hingegen durch entsprechend verlängerte Rippen. Mit dieser Konstruktion gleiten sie noch weiter als die Schlange, die ihre Rippen nur ein wenig spreizen kann, um den Körper abzuflachen. Wenn Schmuckbaumnattern schwungvoll starten, haben sie vermutlich trotzdem eine Chance, sich solche Beutetiere zu schnappen. Muss die Schlange aber selbst ihr Heil in der Flucht suchen, scheint es ratsam, auf solch einen Absprung zu verzichten, denn die Vorbereitungen kosten oft mehr als zwei Sekunden. Umstandslos vom Ast herabgleiten und in den Kronenraum abtauchen kann eine Schmuckbaumnatter dagegen in Bruchteilen einer Sekunde.

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