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Gifte von Tieren und Pflanzen : Nicht immer nur ein Spiel des Zufalls

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Wehrhaftes Stacheltier

Und damit nicht genug. Unabhängig von den Schlangen sind die Warane im Laufe der Evolution auf denselben Trick gekommen. Doch nur die in Afrika und Asien heimischen blieben bei der Natrium-Kalium-Pumpe, der Herzglykoside wenig anhaben können. Warane, die vor langer Zeit nach Australien ausgewandert sind, haben den Austausch der Aminosäuren wieder rückgängig gemacht. Das konnten sie sich ungestraft leisten, denn bis vor kurzem gab es in Australien keine giftigen Kröten. Erst im Jahr 1935 wurde in Queensland die amerikanische Aga-Kröte angesiedelt. Sie sollte dort auf Zuckerrohrplantagen schädliche Insekten in Schach halten.

Seitdem ist diese vermehrungsfreudige und wanderlustige Kröte in Australien auf dem Vormarsch. Ein Desaster für die alteingesessene Tierwelt: Von Insekten bis zu Fröschen vertilgen die bisweilen zwei Kilogramm schweren Aga-Kröten alles, was Australiens Fauna als Beute zu bieten hat. Für Warane und andere einheimische Tiere, denen so eine fette Kröte als verlockende Beute erscheint, ist deren Gift dagegen oft tödlich.

Ehe sich die Urahnen aller Kröten mit Herzglykosiden wappnen konnten, mussten auch sie ihre Natrium-Kalium-Pumpe entsprechend umrüsten. Sonst hätten sie sich selbst vergiftet. Wie bei den Reptilien, die Kröten nachstellen, veränderten sich zwei der zwölf Aminosäuren in der fraglichen Schlaufe. Wo man bei Waranen und Schlangen gewöhnlich Leucin findet, plazierten die Kröten jedoch Arginin. Eine andere Aminosäure - die neunte statt wie bei den Reptilien die zehnte - wurde durch Asparaginsäure ersetzt.

Erstaunlicherweise zeichnet sich die Natrium-Kalium-Pumpe des Igels durch dieselben Veränderungen aus. Igel sind nicht nur dafür bekannt, sich gerne mal Kröten schmecken zu lassen. Anschließend verteilen sie das Krötengift, vermischt mit Speichel, oft eifrig auf ihren Stacheln. Derart mit einer chemischen Waffe kombiniert, wird die mechanische Abwehr noch wirksamer.

Die chemische Waffe des Monarchfalters

Nagetiere vergreifen sich zwar nur selten an Kröten oder gar an Igeln. Gegen Herzglykoside gefeit zu sein ist für sie trotzdem wichtig. Schließlich verspeisen sie oft Pflanzen, die solche Giftstoffe enthalten, oder Insekten, die sich von giftigen Pflanzen ernähren. Von der Natrium-Kalium-Pumpe des Igels unterscheidet sich diejenige von Ratten und Mäusen dadurch, dass anstelle der neunten die letzte Aminosäure der Zwölferschlaufe durch Asparaginsäure ersetzt wurde. Diese Nagetier-Version findet sich seltsamerweise auch bei dem in Südamerika weitverbreiteten Pfeiffrosch Leptodactylus latrans, auf dessen Speiseplan unter anderem Kröten stehen. Amphibien und Säugetiere haben für ihr Giftproblem also zweimal exakt dieselbe Lösung gefunden, obwohl ihre Vorfahren schon vor 330 Millionen Jahren getrennte Wege gegangen sind.

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