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Neukaledonische Krähe : Raffinierter Werkzeuggebrauch

  • -Aktualisiert am

Den Menschenaffen mindestens ebenbürtig: Clevere Krähen Bild: ddp

Immer wieder überraschen Raben und Krähen die Forschung mit ihrer hohen Intelligenz. Mit einer verzwickten Aufgabe haben neuseeländische Wissenschaftler es jetzt bewiesen: Krähen sind ebenso schlau wie Menschenaffen.

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          Rabenvögel gelten als erstaunlich klug. Das trifft insbesondere auf die Neukaledonische Krähe zu. Sie ist bekannt dafür, raffinierte Werkzeuge zu fabrizieren. Wenn sie in Löchern und Spalten nach Beute sucht, nimmt sie gern Pflanzenteile zu Hilfe, um die Reichweite ihres Schnabels zu vergrößern. Anders als der Spechtfink auf den Galapagos-Inseln, der zu diesem Zweck Kaktusstacheln benutzt, greift die Neukaledonische Krähe (Corvus moneduloides) nur selten auf gebrauchsfertige Produkte zurück.

          In den Regenwäldern Neukaledoniens schneidet sie sich strapazierfähige Sonden meist aus den breiten Blättern von Schraubenpalmen zurecht. Auch wenn es gründlich nachzuhaken gilt, weiß sie sich zu helfen. So haben Forscher der University of Auckland beobachtet, wie die Vögel einen gegabelten Zweig in mehreren Arbeitschritten zu einem kunstvollen Haken umgestalteten.

          Ebenso gut wie Menschenaffen

          Aber nicht nur bei der Herstellung, sondern auch bei der Verwendung von Werkzeugen zeigen sich die Neukaledonischen Krähen verblüffend findig. Wenn nötig, manipulieren sie sogar ein Werkzeug gezielt mit einem zweiten. Das haben kürzlich Wissenschaftler um Alex Taylor und Russell Gray von der University of Auckland herausgefunden. Wie sie in der Zeitschrift „Current Biology“ berichten, lösten die Vögel einschlägige Aufgaben mindestens ebenso gut wie Menschenaffen in vergleichbaren Testsituationen.

          Die Forscher hatten einige Krähen gefangen und ein paar Tage lang in einer geräumigen Voliere einquartiert. Nach einer Eingewöhnungszeit wurde den Tieren ein verlockendes Stück Fleisch präsentiert, das jedoch außer Reichweite in einem engen Loch steckte. In der Nähe lag zwar ein stabiles Stöckchen, aber ein viel zu kurzes. Ein zweites Stöckchen, lang genug, die Mahlzeit aus dem Loch herauszustochern, war in einem vergitterten Kasten so plaziert, dass der Vogel es nicht einfach mit dem Schnabel packen konnte.

          Lösung ohne Versuch und Irrtum

          Drei von sieben Krähen meisterten die knifflige Situation auf Anhieb. Mit dem kurzen Stöckchen fischten sie das lange zwischen den Gitterstäben heraus und angelten sich dann mit diesem angemessenen Werkzeug die Belohnung. Drei weitere Vögel versuchten ebenso prompt, mit dem kurzen Stöckchen das taugliche Werkzeug zu ergattern. Zunächst scheiterten sie aber bei dem Versuch, das lange Stöckchen zu sich heranzuziehen und zwischen den Gitterstäben hindurchzufädeln. Nur eine einzige Krähe probierte erst einmal, mit dem bequem erreichbaren, aber zu kurzen Stöckchen an das begehrte Futter zu gelangen.

          Offenbar hat es die Neukaledonische Krähe im Allgemeinen nicht nötig, sich durch Versuch und Irrtum an die Lösung einer Aufgabe heranzutasten. Anscheinend kann sie ihren Weg zum Ziel planen. Auch in Primatenkreisen ist diese Strategie keineswegs selbstverständlich. Die japanischen Rotgesichtsmakaken zum Beispiel, bekannt für ihre Erfindung, Süßkartoffeln in Salzwasser zu waschen, zeigen sich eher begriffsstutzig. Bei entsprechenden Tests stocherten sie anfangs immer mit dem gerade verfügbaren Werkzeug nach der Belohnung. Erst nach vielen vergeblichen Versuchen lernten sie allmählich, sich mit einem kurzen Stöckchen ein längeres zu angeln.

          Erfahrungen auf neue Situationen anwenden

          Nur Menschenaffen erwiesen sich den Neukaledonischen Krähen in etwa als ebenbürtig. Offenbar können beide ihre vorherigen Erfahrungen mit Werkzeugen mühelos auf eine neue Situation übertragen, auch wenn diese einen experimentellen Charakter hat. Bei langjährigen Freilandstudien in den Regenwäldern von Neukaledonien haben die neuseeländischen Forscher jedenfalls noch nie beobachtet, dass sich eine Krähe mit einem Werkzeug ein anderes verschafft.

          Vermutlich machen die Vögel in ihrer natürlichen Umgebung von dieser Fähigkeit gar keinen Gebrauch. Schließlich mangelt es ihnen dort niemals an pflanzlichen Werkstoffen, aus denen sie sich bei Bedarf ein passendes Werkzeug zurechtbasteln können.

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