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Neues Verbrauchersiegel : Wollt ihr den Tierschutz?

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Die Frage, warum trotz neunzig Prozent grundsätzlicher Zustimmung in der Bevölkerung nur etwa zehn bis zwanzig Prozent der Konsumenten deutliche Kaufsignale ausstrahlen, ist bislang nicht geklärt. Die zugrundeliegende Frage allerdings, wie viele Konsumenten tatsächlich mitmachen würden, wird sich demnächst beantworten lassen, da mehrere Tierschutzorganisationen, insbesondere der Deutsche Tierschutzbund und Vier Pfoten, in Anlehnung an die „Welfare Quality“-Daten Tierschutzlabel für Fleisch und Fleischprodukte entwickelt haben, die seit einigen Wochen im Einzelhandel zur Etikettierung von Geflügel- und Schweinefleisch genutzt werden. In ihrem Tierschutzbericht 2011 erklärte die Bundesregierung, dass die Tierschutzlabel den Verbraucher in die Lage versetzen sollen, besonders tierschutzgerecht erzeugte Produkte zu erkennen und bewusste Kaufentscheidungen zu treffen. Mittelbar soll die Tierschutzkennzeichnung zu einer Verbesserung des Tierschutzes in der Nutztierhaltung beitragen. Den Erzeugern soll die Tierschutzkennzeichnung die Möglichkeit bieten, dem Verbraucher die Einhaltung eines höheren als des gesetzlichen Mindesttierschutzstandards im EU-Binnenmarkt glaubwürdig zu kommunizieren und damit die Nachfrage nach so produzierten Erzeugnissen zu bedienen und dabei den aufgrund der getätigten Investitionen erforderlichen höheren Preis zu erzielen. Die Einhaltung der über den gesetzlichen Vorgaben liegenden Tierschutzstandards wird von den Tierschutzorganisationen regelmäßig überprüft. Klar ist aber auch: Wenn die Label-Produkte jetzt nicht gekauft werden, wird das Angebot wieder verschwinden.

Handelspolitisches Thema

Dies wäre nicht nur ein Rückschlag für die Tiere, sondern auch für die Landwirte. Denn angesichts der fortschreitenden Liberalisierung des Welthandels ist der Tierschutz ein wichtiger werdendes handelspolitisches Thema, bei dem sich ökonomische, ethische, tiergesundheitliche, produktionstechnische und juristische Fragestellungen überschneiden. Für den Landwirt gibt es daher gute Gründe, im Bereich Tierhaltung und Fütterung auf eine andere Qualität zu setzen als bisher. Die deutsche Nutztierhaltung hat in den vergangenen Jahren eine beeindruckende Entwicklung vollzogen. Während Europa mittlerweile weltgrößter Netto-Importeur von Fleisch ist, wurde die Nutztierhaltung hierzulande deutlich ausgeweitet und Deutschland zum Netto-Exporteur. Die gegenwärtige Konkurrenzfähigkeit der deutschen Nutztierhaltung auf dem Weltmarkt ist jedoch ein fragiles Gut. Das gilt insbesondere für Fleisch. Staaten wie Russland, Brasilien und China bauen derzeit ihre Mastkapazitäten aus und könnten in Zukunft selber exportieren und Druck auf die EU ausüben.

In dieser Situation stellen paradoxerweise die investitionsintensiven Tierschutzlabel eine Chance für die deutsche Landwirtschaft dar. Die „Economies of scale“ hatten den Nebeneffekt, mit immer größeren Einheiten immer größere Probleme für die Nutztiere und die Umwelt mit sich zu bringen. Wenn es den Landwirten nun gelänge, dieser unerbittlichen Logik zu entkommen und beim Konsumenten „Made in Germany“ mit der Garantie einer höheren Prozessqualität, einer stärkeren Berücksichtigung der Verbraucherwünsche zu verknüpfen, könnten sie sich selbst eine Nische schaffen.

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