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Neue Seuche : Überwintert der Erreger im Fötus von Haustieren?

  • -Aktualisiert am

Bild: dapd

Fast alle Bundesländer verzeichnen Fälle des Schmallenberg-Virus bei Schafen, Ziegen und Rindern. Jetzt ist die erste Studie über die neue Krankheit erschienen.

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          Jeden Nachmittag um vier Uhr ist es so weit: Ein Team aus Tierseuchenexperten aktualisiert die Deutschlandkarte, auf der alle bisherigen Fälle des Schmallenberg-Virus verzeichnet sind. Die Karte ist auf der Website des Friedrich-Loeffler-Instituts abzurufen. Täglich wird sie um ein paar rote, blaue oder grüne Punkte ergänzt. Im Moment sind es meist rote, an manchen Tagen kommen mehr als zwanzig auf einmal hinzu. Nur wenige blaue und grüne sind zu sehen; sie stehen für Rinder und Ziegen. Die vielen roten Punkte hingegen stehen für Schaf-Betriebe, auf denen mit dem Schmallenberg-Virus infizierte Lämmer zur Welt kamen. Die neugeborenen Tiere sind schwer fehlgebildet und meistens nicht lebensfähig. Sie haben versteifte Gelenke und drastische Gehirnschäden: Ganze Areale fehlen, etwa das Kleinhirn; Wasserköpfe sind häufig. Fast alle deutschen Bundesländer sind inzwischen von der Krankheit betroffen, die bis vor einem Vierteljahr noch unbekannt war.

          Das Muster der Punkte auf der virtuellen Karte wird sich vermutlich bald ändern. Genaue Vorhersagen wagt man beim Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems noch nicht. Aber man hält es für möglich, dass bald viele blaue Punkte auftauchen werden, die Betriebe mit Rindern symbolisieren. Hinter diesen Meldungen könnten dann Geburten von schwerkranken Kälbern stehen.

          Ein unbekanntes Virus

          Bis zu dieser Prognose war es ein langer Weg, seit im Spätsommer 2011 die ersten Blutproben von erkrankten Tieren aus Nordrhein-Westfalen nach Riems geschickt worden waren. Damals waren zunächst Rinder mit Symptomen wie Milchrückgang und Fieber aufgefallen. Veterinäre und Landwirte dachten, die Blauzungenkrankheit sei wieder ausgebrochen, jene Tierseuche, die 2006 aus Afrika nach Nordeuropa eingeschleppt worden war, aber durch Impfungen völlig verdrängt werden konnte.

          Die Blutproben landeten im Labor von Martin Beer, dem Leiter des Instituts für Virusdiagnostik, einer der Einrichtungen des Friedrich-Loeffler-Instituts. "Wir haben zunächst ein Standardprozedere durchgeführt, mit dem wir abklären, ob eine der gängigen Rinderkrankheiten vorliegt, etwa Maul- und Klauenseuche", sagt Beer. Dann testeten die Wissenschaftler auch auf Viren, die nicht in Europa vorkommen, etwa RiftValley-Fieber-Virus. Doch auch diese Vergleiche verliefen negativ. Auch auf eine bakterielle Erkrankung oder eine Intoxikation ergab sich kein Hinweis.

          Ein Schnipsel Virusgenom

          Die Wissenschaftler haben das Verfahren, das ihnen schließlich weiterhalf, in einer Publikation im Fachmagazin "Emerging Infectious Diseases" beschrieben, die jetzt online vorab erschienen ist (doi: 10.3201/eid1803.111905). Sie nutzten zunächst die sogenannte Metagenom-Sequenzierung: Man sequenziert das gesamte Genom, das in der Probe vorliegt; auf Riems wird dafür das Gerät 454 Genome Sequencer FLX der Firma Roche eingesetzt. "Dabei findet man vor allem viel Rinder- und Bakteriengenom", erklärt der Veterinärmediziner Beer. "Wenn man aber Glück hat, erwischt man dann auch einmal einen Schnipsel Virusgenom."

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