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Naturkatastrophen : Am Strand holt euch die Welle

  • -Aktualisiert am

Die jüngste Flut war nicht die letzte Flut Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Unter Naturkatastrophen haben vor allem die Armutsgebiete der Erde zu leiden. Mit relativ einfachen Präventivmaßnahmen ließen sich dort große Fortschritte in der Sicherheit erzielen. Doch es mangelt an Risikobewußtsein.

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          Wirbelstürme, Hochwasser und Dürreperioden schlagen scheinbar immer häufiger und heftiger zu. Am stärksten betroffen sind die Ärmsten der Welt. Rund 96 Prozent der Todesopfer stammen aus Entwicklungsländern. Naturkatastrophen entziehen dort regelmäßig vielen Tausenden die Lebensgrundlage. Die resultierenden wirtschaftlichen Schäden erschweren zusätzlich eine nachhaltige Entwicklung dieser Regionen. Maßnahmen zur ersten Hilfe und zum Wiederaufbau sind unbestritten notwendig.

          Ebenso wichtig, aber stark vernachlässigt sind effektive Mittel zur Prävention. Zuzuschreiben ist diese Nachlässigkeit unter anderem einem offenkundig nach wie vor wenig ausgeprägten Risikobewußtsein, wie ein internationales Symposion gezeigt hat, das die Münchener Rück Stiftung kürzlich unter dem Titel „Worldwide Disaster Prevention - Awareness is the key“ veranstaltet hat.

          Vielfältige Möglichkeiten zur Vorsorge

          Die Möglichkeiten zur Vorsorge seien vielfältig, wenn man sich klarmache, daß der Mensch selbst die Auswirkungen eines Naturereignisses beeinflusse, sagte Salvano Briceno, Direktor des Strategieprogramms für Katastrophenvorsorge der Vereinten Nationen. Die Lage der Wohngebiete spielt ebenso eine Rolle wie die Stabilität von Krankenhäusern. Nach dem Erdbeben in Pakistan etwa sind schon mehr Menschen durch den Mangel an medizinischer Versorgung infolge zerstörter Kliniken gestorben als durch die direkten Folgen des Erdbebens, kritisierte Briceno. Von zentraler Bedeutung seien außerdem Bildung und Erziehung. Schon Kinder sollten lernen, wie man Gebäude sicherer baut, welche Gefahren durch einen Tsunami drohen und wie man sich im Unglücksfall richtig verhält. Aber auch Kommunen müssen sich besser präparieren, indem sie etwa Medikamentenvorräte anlegen.

          Frühwarnsysteme können Leben retten, denn sie ermöglichen den Betroffenen, sich rechtzeitig auf die Katastrophe vorzubereiten, sagte Thomas Schaef, Experte für Katastrophenvorsorge bei der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ). Deshalb unterstützt die GTZ in Kooperation den Aufbau eines einfachen und von vielen Experten als vorbildlich angesehenen Flutwarnsystems am Buzi in Mocambique. Das Land gilt als eines der ärmsten der Welt und wird regelmäßig von Naturkatastrophen heimgesucht.

          Für die Überwachung messen die von den Überschwemmungen betroffenen Menschen im Einzugsgebiet des Flusses an strategischen Punkten die Menge der Tagesniederschläge. Gleichzeitig werden die Pegel des Flusses kontrolliert. Eine zentrale Koordinierungsstelle sammelt die Daten und kann eine Warnung aussprechen, wenn kritische Werte überschritten werden. Mit Flaggen und Megaphonen wird die für den Notfall geschulte Bevölkerung informiert und evakuiert. Damit vor Ort in Prävention investiert wird, müssen entsprechende Anreize geschaffen werden, sagte Christoph Bals, Geschäftsführer von Germanwatch. Etwa indem beim Geldeinsatz für Entwicklungsprogramme systematisch Präventionsaspekte berücksichtigt werden. Vorsorge sollte als Teil der Armutsbekämpfung verstanden werden.

          „Mikroversicherungen“ als Lösung?

          Ein wichtiges Instrument könnten sogenannte „Mikroversicherungen“ speziell für arme Menschen sein. In einem auf der Konferenz vorgestellten Projekt aus Indien wird etwa Kleinbauern die Versicherungssumme gezahlt, wenn die Regenmenge unter ein bestimmtes Maß sinkt. Die Betroffenen können sich dann schnell neues Saatgut kaufen. Diskutiert wurde auch die Einrichtung eines Fonds durch die Geberländer, der gegen nicht versicherbare Katastrophen wie steigende Meeresspiegel absichert.

          Zusätzlich könnte ein solcher Fonds auch als Rückversicherung von Versicherungsinitiativen vor Ort dienen. Seine Nutzung könnte zumindest teilweise von der Umsetzung entsprechender Vorsorgemaßnahmen abhängig gemacht werden. Damit erhoffen sich die Experten eine ähnliche Entwicklung, wie sie die Einführung der Brandversicherung in den Industrieländern in Gang gesetzt hat. Weil der Abschluß der Versicherung an spezielle Sicherheitsvorkehrungen geknüpft wurde, sank die Feuergefährdung enorm. Erste Initiativen für Mikroversicherungen gibt es außer in Indien auch in anderen Regionen. Bisher ist allerdings noch unklar, wie erfolgreich dieses Konzept sein wird.

          Zu den diskutierten Strategien gehört die Schaffung von Netzwerken zwischen lokaler Bevölkerung, Regierung und den Hilfsorganisationen. Die Zusammenarbeit müsse verbessert werden, damit unterschiedliche Ansätze und Maßnahmen in Entwicklungsprogrammen und nationalen Strategien gebündelt werden können, sagte Schaef. Noch immer würden mögliche Synergien durch eine mangelnde Kooperation verschenkt. Als wesentlich für den Erfolg aller Vorsorgeprojekte wurde freilich gesehen, daß die Bevölkerung vor Ort deren Notwendigkeiten erkennt und sie als sinnvolle Ergänzung ihres Lebens erlebt.

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