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Meteorologie : La Niña bringt Kälte und Fluten

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Die Verteilung der Wassertemperatur-Anomalien am 15. Dezember 2010, gemessen vom amerikanischen Aqua-Satelliten. Die Skala reicht von minus fünf Grad (dunkelblau) bis plus fünf Grad (dunkelrot). Bild: Nasa

Die Abkühlung des Wassers im östlichen Pazifik hat weltweite Auswirkungen. Wie die Daten des amerikanischen Aqua-Satelliten vor Augen führen, sind sie derzeit besonders drastisch.

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          Dichtes Schneetreiben legt vor Weihnachten den Verkehr in Mitteleuropa und den Britischen Inseln lahm, ein Blizzard paralysiert zwischen den Jahren die nordamerikanische Ostküste, und das australische Queensland meldet auf einer Fläche von der Größe Deutschlands und Frankreichs zusammen Land unter. Obwohl dieser Winter noch jung ist, hat er schon viele Wetterrekorde gebrochen. Ob das, wie schon vielfach voreilig vermutet wurde, eine Folge des Klimawandels ist, sei dahingestellt. Die wahre Ursache findet sich auf der anderen Seite des Globus, nämlich im tropischen Pazifik. Was auf einer Karte dieses Ozeans mit den Temperatur-Anomalien als riesige blaue Pfeilspitze erscheint, ist die stärkste“ seit fünfzig Jahren. Blau bedeutet, dass dort die Temperatur des oberflächennahen Meerwassers zwischen zwei und vier Grad kühler als im langjährigen Durchschnitt ist – und als Folge schlägt das Wetter Tausende Kilometer vom tropischen Pazifik entfernt Kapriolen.

          Was geschieht gerade über dem Stillen Ozean? Ähnlich wie das wechselnde Kräftespiel zwischen dem Azorenhoch und dem Islandtief die Großwetterlage über dem Nordatlantik bestimmt, gibt es auch im tropischen und subtropischen Pazifik ein Kräftemessen zweier recht stabiler Wetterphänomene. Der Westküste des nördlichen Südamerika ist fast immer ein Gebiet hohen Luftdrucks vorgelagert, während die andere Seite des Stillen Ozeans von Gebieten niedrigen Luftdrucks regiert wird. Als Folge weht in einem breiten Band ein ständiger Wind von Ost nach West. Als Nordostpassat macht er sich nördlich, als Südostpassat südlich des Äquators bemerkbar. Wie stark der Wind weht, hängt von der jeweiligen Intensität der beiden Wettersysteme an den gegenüberliegenden Seiten des Pazifiks ab. Ist beispielsweise das Hochdruckgebiet vor Südamerika über lange Zeit recht kräftig, weht der Wind stärker als bei schwächeren Luftdruckgegensätzen.

          Der östliche Wind allein reicht aber nicht aus, das Wettergeschehen zu bestimmen. Es ist vielmehr seine Wechselwirkung mit dem Meerwasser. Ein stetig wehender Wind ist nämlich in der Lage, Meeresströmungen anzutreiben. Über den endlosen Weiten des Stillen Ozeans werden diese von Wind getriebenen Strömungen nicht von Landmassen abgelenkt. Als Folge strömt dort ständig Wasser von Ost nach West. Weil der Wind als Treibkraft wirkt, ist auch diese Strömung von den Luftdruckgegensätzen zwischen Ost- und Westpazifik abhängig. Bei starken Intensitätsunterschieden ist der Strom stärker als bei schwächeren Lagen.

          Ist der Strom stark, gelangt zunächst mehr warmes oberflächennahes Wasser aus der Nähe Südamerikas in den zentralen und westlichen Pazifik. Ausgeglichen wird dieser Verlust dadurch, dass vor Südamerika kälteres, nährstoffreiches Wasser aus größeren Meerestiefen an die Oberfläche aufsteigt. Wenn Wind und Strömungen dieses kühlere Wasser dann quer über den Pazifik treiben – wie auf der Karte in Blau zu sehen –, sprechen die Meteorologen von einem La-Niña-Ereignis. Das Pendant dazu ist El Niño, der immer dann auftritt, wenn die östlichen Winde und Strömungen schwächer sind und deshalb das Wasser vor der südamerikanischen Küste insgesamt wärmer wird.

          Von den Wassertemperaturen der tropischen Ozeane hängt es wiederum ab, wie viel Wärmeenergie der Wettermaschine in der Troposphäre zugeführt wird. Bei kühleren Wassertemperaturen, also während einer La-Niña-Episode, gelangt weniger Wärme in die Atmosphäre als während einer wärmeren El-Niño-Phase. Weil der Pazifik als größter Ozean der wichtigste Energielieferant für die Troposphäre ist, machen sich diese Unterschiede weltweit im Wettergeschehen bemerkbar.

          Die abgebildete Karte der Wassertemperatur-Anomalien ist aus einem Vergleich der kurz vor Weihnachten von Messgeräten auf dem amerikanischen Aqua-Satelliten aufgenommenen Daten mit den langjährigen Mittelwerten in dieser Region entstanden. Dabei stellte sich heraus, dass der tropische Pazifik in den vergangenen fünfzig Jahren noch nie in einem derart großen Gebiet so kühl war wie jetzt.

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