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Mensch und Affe : Sind sie denn nicht wie wir?

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Während die Haltung von Orang-Utans & Co. in Zoos für Tobias Deschner verhandelbar ist, kennt der Primatenforscher bei einem anderen Thema kein Pardon: „Die Hauptübeltäter sind nicht die Zoos, sondern private Halter von Menschenaffen. Das ist in Deutschland nach wie vor erlaubt. So etwas darf im 21. Jahrhundert einfach nicht mehr okay sein.“ Um die Tiere wunschgemäß abrichten zu können, werden sie im Alter von wenigen Wochen von ihrer Mutter getrennt. Eines der schlimmsten Verbrechen, die man ihnen antun könne, sagt Deschner. Die Affen werden trainiert und zur Schau gestellt, sie lernen Fahrrad fahren, eine Kamera zu bedienen und allerlei Kunststücke vorzuführen.

Nach Menschen die intelligentesten Wesen auf dem Planeten

Vor allem Schimpansen ereilt dieses Schicksal. Die Trennung von der Mutter und das artfremde Aufwachsen lassen die Tiere verhaltensgestört werden. „Ein solcher Schimpanse kann keine vernünftigen Beziehungen zu anderen Menschenaffen aufbauen, er hat jegliche Kommunikationsfähigkeit dafür verloren oder gar nicht erst gelernt“, sagt Tobias Deschner. Er ist Mitglied im Vorstand der Gesellschaft für Primatologie, die sich entschieden dafür einsetzt, dass keine Menschenaffen mehr in Privathand gelangen.

Solange es dafür keine juristische Basis gibt, versuchen es Deschner und seine Kollegen mit Appellen an den gesunden Menschenverstand. Sie schreiben die Leute an und erklären, weshalb diese Form der Haltung den Tieren schadet. Die weitaus meisten, sagt Deschner, reagieren gar nicht oder mit Herablassung. So wie der Chef eines deutschen Textilunternehmens, das einen Schimpansen zunächst in einem Werbespot auftreten ließ und inzwischen zum Maskottchen gemacht habe. Oder Stefan Raab, der in „TV total“ mit Schimpansenkindern knutschte. „Wir stoßen meist auf keinerlei Verständnis, den Leuten geht es um Kommerz, nicht um das Wohlbefinden der Tiere“, sagt Deschner. Die starke Ähnlichkeit mit einer anderen Art löst beim Menschen offenbar nicht zwangsläufig Mitleid aus.

Clever, schlau, gewieft - die Wissenschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten in vielen Untersuchungen zeigen können, dass die Menschenaffen, je nach Definition, zu den intelligentesten Wesen auf diesem Planeten gehören. Es ist nicht einmal ausgeschlossen, dass der Orang-Utan im Zoo Barcelona sich gar nicht über den Zaubertrick mit der Kastanie kaputtlacht. Vielleicht amüsiert er sich nur über diesen Menschen, der allen Ernstes glaubt, er könne einen wie ihn mit derart billigen Kunststücken beeindrucken.

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