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Mensch und Affe : Sind sie denn nicht wie wir?

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Um den Orang-Utans gerecht zu werden, müssen sich die Pfleger ständig was Neues einfallen lassen

Zudem scheinen sie über ein gewisses Raum-Zeit-Gedächtnis zu verfügen. In freier Wildbahn wurden die Tiere dabei beobachtet, wie sie an einem Baum mit unreifen Früchten vorbeikamen, dann wochenlang in anderen Ecken umherstreiften und schließlich zu jenem Baum zurückkehrten, als dessen Früchte reif waren. Sind Orang-Utans also in unserem Sinne intelligent? „Da streiten sich die Wissenschaftler ja bis heute, wie Intelligenz gemessen wird. Aber man kann mit Sicherheit sagen, dass die Orang-Utans die kreativsten unter den Menschenaffen sind“, sagt Manfred Niekisch. Die Pfleger im Frankfurter Zoo verbringen deshalb auch einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit damit, die Tiere zu beschäftigen. Das Futter wird in aufwendig konstruierten Apparaturen versteckt, die Affen müssen knobeln und tüfteln, um an Weintrauben, Haferflocken, Äpfel oder Rosinen zu gelangen. Die Herausforderung für die Pfleger besteht darin, sich immer wieder neue Spiele einfallen zu lassen, denn den Orangs wird schnell langweilig.

Einer, der die Frage, ob Menschenaffen in den Zoo gehören oder nicht, als ziemlich großes Dilemma begreift, ist der Freilandforscher Tobias Deschner vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Einerseits, sagt der Biologe, profitierten Forscherkollegen von der Möglichkeit, sich in Zoos mit den Affen zu beschäftigen und ihr Verhalten zu beobachten. Zudem erfüllten die Tiere eine Rolle als Botschafter für ihre Artgenossen. Ein Argument, das Tierschützer nicht gelten lassen: Aus jedem Dokumentarfilm könne man mehr lernen als durch die Beobachtung eines Menschenaffen im kargen Zoogehege, lautet die Standardreplik. Deschner aber findet, die Besucher könnten sich ein besseres Bild machen von Lebewesen, die sie sonst wahrscheinlich nie zu Gesicht bekommen würden. Vielleicht fühlen sie sich auch eher motiviert, sich zu engagieren und für den Erhalt der afrikanischen und asiatischen Urwälder zu spenden.

Private Halter sind die größten Übeltäter

„Andererseits ist uns allen klar, dass, sobald wir Menschenaffen in Zoos halten, wir damit auch in Kauf nehmen, dass ihnen etwas fehlt“, sagt Tobias Deschner. Ein Weg könnte daher sein, eine Wenn-dann-Lösung anzustreben. Wenn ein Zoo Menschenaffen halten will, muss er gewisse Bedingungen erfüllen. Sich zum Beispiel an strengen Richtlinien orientieren und nachweisen, dass er sich dafür einsetzt, dass die Tiere im Freiland nicht aussterben. „Hier sind die amerikanischen Zoos deutlich weiter als wir“, sagt Tobias Deschner, „die haben oft eigene Programme, mit denen sie sich am Schutz der Menschenaffen in freier Wildbahn beteiligen.“

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