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Mensch und Affe : Sind sie denn nicht wie wir?

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Neben viel Platz stehen den Orang-Utans reichlich Klettermöglichkeiten zur Verfügung. Die Pfleger gehen grundsätzlich nicht auf die Anlage, wenn die Tiere dort sind. „Das ist viel zu gefährlich. Selbst wenn die Orang-Utans das als freundschaftlichen Kontakt werten würden, genügt ein Schulterklopfen von ihnen, und das Schlüsselbein ist kaputt“, sagt Niekisch. Orang-Utans können mit einem Händedruck mühelos eine Kraft von 140 Kilogramm erzeugen, starke Menschen schaffen um die 60 Kilogramm. Die Erklärung dafür liegt in ihrer Lebensweise: Sie sind die schwersten baumlebenden Säugetiere. Um ihr Eigengewicht von locker 100 Kilogramm von Ast zu Ast wuchten zu können, brauchen sie enorme Kraft. Deshalb liegt die Masse der Arme bei den Orang-Utans bei rund 15 Prozent des Körpergewichts, während es beim Menschen lediglich sechs bis acht Prozent sind. Orang-Utans sind dennoch eher gemütlich. Aggressiv reagieren sie meist nur dann, wenn sie sich angegriffen fühlen, dann aber kann der Schaden groß sein.

Wer hat schon Lust auf Intelligenztests?

Orangs beeindrucken nicht nur durch ihre Stärke, sondern auch durch ihren Einfallsreichtum. Sie sind aufmerksame Beobachter und lernen dabei Techniken, die sie später anwenden. Gerne in einem unbeobachteten Moment. So berichten Forscher aus Auffangstationen in Indonesien immer wieder davon, dass die Tiere nachts auch komplizierte Schließmechanismen ihrer Zellen öffnen, ein wenig draußen herumspazieren und wieder zurückkommen. Sie wollen gar nicht fliehen, sondern sind einfach neugierig und probieren gern Dinge aus. Mit Werkzeugen gehen sie dabei mindestens so geschickt um wie Schimpansen. Versuche haben gezeigt, dass Orang-Utans in der Lage sind, sich spontan und zielgerichtet ein Utensil für eine bestimmte Aktion zu basteln. Wenn sie beispielsweise einen besonders langen Stock brauchen, um an Futter zu gelangen, erfassen sie das schnell und besorgen sich das nötige Teil.

Dennoch ging man lange Zeit davon aus, Orang-Utans seien nicht besonders schlau. Im Zoogehege sitzen gerade die älteren Tiere häufig phlegmatisch in einer Ecke. Auf Intelligenztests mit ambitionierten Forschern haben sie selten Lust. Dass sich ein sehr wacher Geist hinter der hohen Stirn verbirgt, haben Wissenschaftler und vor allem Tierpfleger erst nach und nach erkannt. Denn Orangs lassen sich nicht gerne etwas beibringen, sie bevorzugen das Prinzip „Learning by doing“. Ob das geschieht, indem sie eine Situation erst beobachten und dann handeln, das Problem also durch Nachdenken lösen, oder ob ihre Sturheit und das wiederholte Ausprobieren zum Erfolg führen - darüber gibt es nach wie vor verschiedene Auffassungen. Sicher ist: Ihre Pfleger wissen unzählige Geschichten zu berichten über nachts abgeschraubte Abdeckungen, freigelegte Kacheln und Türen, deren Schlösser mit passgenau zurechtgekauten Holzstücken geöffnet werden.

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