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Mensch und Affe : Sind sie denn nicht wie wir?

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Die internationale Initiative Great Ape Project (GAP) will unter anderem das Recht auf Leben und den Schutz der individuellen Freiheit für alle Mitglieder der Familie der Menschenaffen erwirken. Die Idee geht auf das Buch „Menschenrechte für die großen Menschenaffen“ zurück, das 1993 von den Philosophen Paola Cavalieri und Peter Singer herausgegeben worden ist. Darin fordern 34 Autoren - darunter auch Jane Goodall und Richard Dawkins -, die großen Menschenaffen in Ethik und Rechtsprechung mit einzubeziehen. Unter anderem Neuseeland hat darauf reagiert und schon 1999 die „nicht humanen Hominiden“ im Tierfürsorgegesetz stärker geschützt. Seither dürfen Experimente an Gorillas, Orang-Utans, Bonobos und Schimpansen nur noch dann durchgeführt werden, wenn die Ergebnisse ihnen selbst zugutekommen.

Nur wenige Zoos sind menschenaffenwürdig

Schutz der individuellen Freiheit bedeutet aber auch: Menschenaffen haben in Zoos nichts zu suchen. Diese Meinung vertritt vehement Colin Goldner. Der Psychologe und Wissenschaftsjournalist leitet das GAP in Deutschland. Vergangenes Jahr hat er unter dem Titel „Lebenslänglich hinter Gittern“ eine Studie veröffentlicht, mit der er viele deutsche Zoodirektoren gegen sich aufgebracht hat. Gemeinsam mit Kollegen hat er drei Jahre lang die hiesigen Zoos untersucht, darunter die 38, in denen Menschenaffen gehalten werden. Sein Fazit: Die allermeisten dieser Primaten hausen menschenaffenunwürdig in zu kleinen Gehegen und unter katastrophalen Bedingungen. Nur wenige Zoos, darunter die in Leipzig, Frankfurt oder München, bemühten sich ernsthaft um Verbesserungen.

Für diejenigen Orang-Utans und Gorillas, die heute in Zoos leben, ist das der einzige Weg. Denn für sie kommt die Forderung nach Freiheit zu spät. Die Zootiere sind heute allesamt Nachzuchten, haben also nie einen echten Urwald gesehen. Wilderte man sie aus, würden sie nicht lange überleben. Zoos, in denen es keine Menschenaffen gibt, könnte es also frühestens in einigen Jahrzehnten geben, wenn das letzte der in Gefangenschaft lebenden Tiere gestorben wäre. Bis dahin, so der Wunsch Goldners, müsse man den Tieren ein artgerechtes Leben mit ausreichend Freiraum ermöglichen.

Viel Platz, Rückzugs- und Klettermöglichkeiten

„Extrem stark, extrem gefährlich, mit einem Mordsgebiss“ - so beschreibt der Frankfurter Zoodirektor Manfred Niekisch die Menschenaffen, die ihm besonders ans Herz gewachsen sind. In seinem Zoo leben zurzeit zwei erwachsene Orang-Utan-Weibchen und zwei männliche Jungtiere. Unter Berücksichtigung des Europäischen Erhaltungszuchtprogrammes würde man die Gruppe gerne demnächst erweitern: um ein weibliches und ein männliches erwachsenes Tier; das Männchen soll ein Zuchtbuchtier sein - Alter und Genetik müssen passen. Niekisch ist ein großer Fan der Orang-Utans und trotzdem der Meinung, dass man sie problemlos in Zoos halten kann. „Wir tun alles dafür, dass es ihnen gutgeht“, sagt der international angesehene Naturschutzexperte und verweist auf Charly, den die Frankfurter im Oktober 2014 mit 57 Jahren einschläfern mussten - in freier Wildbahn werden Orang-Utans im Durchschnitt 35 Jahre alt. Die Frankfurter Ponginen haben ein riesiges Gehege mit Rückzugsräumen. Das ist wichtig, weil sie von Natur aus Einzelgänger sind. Sie lassen sich zwar in Gruppen halten, gehen aber auch gerne ihre eigenen Wege. An zwischenafflichen Beziehungen ist die zwischen Mutter und Kind die intensivste, sagt Niekisch, die könne bis zu zehn Jahre halten.

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