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Mensch und Affe : Sind sie denn nicht wie wir?

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In Gefangenschaft fällt es nicht schwer, Menschenaffen einzelne Gesten beizubringen. Trainiert man zum Beispiel einen Schimpansen darauf, dass er Futter bekommt, wenn er eine bestimmte Gebärde macht, lernt er das recht schnell. Bringt man ihn dann aber zurück in seine Gruppe und wiederholt das Ganze vor seinen Artgenossen, passiert - nichts. Obwohl die anderen Tiere sehen, dass der Gestenmacher mit einer Nascherei belohnt wird, imitieren sie ihn nicht. „Dabei wäre das die ideale Gelegenheit, um etwas durch einfaches Nachmachen zu lernen“, sagt Katja Liebal. Stattdessen habe man beobachtet, dass die Tiere vor allem solche Dinge voneinander lernen, die sie selbst entwickeln. „Wenn ein Affe eine neue Verhaltensweise an den Tag legt und merkt, dass ein anderes Tier darauf wie gewünscht reagiert, dann wird er dieses Verhalten zunehmend ritualisieren und in sein Repertoire aufnehmen.“

Wer kommuniziert, pflegt in der Regel auch sozialen Umgang. Das gilt auch für Menschenaffen, allerdings in Maßen und unter stets neuen Bedingungen. Ausschlaggebend sind meist Hierarchien und freundschaftliche oder familiäre Bindungen. Sind die nicht gegeben, wird gern auch kurzer Prozess gemacht. So sind Schimpansen Artgenossen aus anderen Sippen gegenüber sehr aggressiv. Konkurrenten werden da auch schon mal schlicht ermordet. Bonobos hingegen sind extrem harmoniebedürftig. Für eine Kuscheleinheit oder Sex treten sie sogar Futter an gruppenfremde Tiere ab.

Menschenrechte für Menschenaffen?

An der FU Berlin hat Liebals Kollegin Kathrin Kopp untersucht, wie prosozial, also hilfsbereit, sich Orang-Utans beim Verteilen von Futter verhalten. Dafür hat sie Orang-Utans Dinge zum Fressen gegeben, die nicht ohne weiteres teilbar sind, einen Kürbis etwa oder eine Ananas. So waren die Tiere gezwungen zu interagieren. Während Schimpansen dafür bekannt sind, immerhin zu tolerieren, wenn ihnen ein Gruppenmitglied Fressen wegnimmt, zeigen sich Orang-Utans großzügiger: Sie akzeptieren nicht nur den Futterklau, sondern bieten anderen Tieren aktiv etwas von ihrem Futteranteil an, darunter mitunter auch gute Happen. Wer bei der Verteilung begünstigt wird, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, zum Beispiel dem Rang, dem Verwandtschaftsgrad oder einer freundschaftlichen Beziehung. Es ist durchaus plausibel, dass diese Freigebigkeit durchdacht ist und als sozialer Kitt oder auch als eine Form von Bestechung fungiert.

Sie planen und fühlen, sie kommunizieren und denken, ganz zu schweigen von der genetischen Ähnlichkeit - das alles sind Argumente, die Tierrechtler und in jüngerer Zeit auch Wissenschaftler ins Feld führen, wenn sie Grundrechte für die großen Menschenaffen fordern: Wesen, die dem Menschen in ihren kognitiven, affektiven und sozialen Fähigkeiten derart ähneln, müssten auch ähnlich wie Menschen behandelt werden.

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