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Mensch und Affe : Sind sie denn nicht wie wir?

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Ich zeig dir, was ich meine

Um die Menschenaffen besser verstehen zu können, erforschen Liebal und ihre Kollegen vor allem die Gesten von Schimpansen. Sie vergleichen sie zum Beispiel mit den Gesten von Kleinkindern, die noch nicht sprechen können. Das stellte sie schon definitorisch vor Probleme: Eine Geste ist ein absichtliches, gerichtetes kommunikatives Verhalten. Woher aber will man wissen, welche Handbewegung eines Schimpansen intendiert und welche reiner Zufall ist? Dem schwierigen Studiendesign zum Trotz machten die Wissenschaftler eine interessante Entdeckung: Menschliche Kleinkinder nutzen Gesten vor allem, um auf sich oder Dinge aufmerksam zu machen: „Guck mal, hier bin ich!“, „Guck mal, das da!“ Die Schimpansen hingegen bedienen sich der Gesten vor allem, wenn es um Handlungen geht: Sie zeigen, dass sie spielen wollen, signalisieren dem Gegenüber, dass es weggehen soll, oder nutzen Handzeichen beim Teilen von Futter. Sie sind also ganz pragmatisch orientiert.

Dass Großaffen auf komplexe Weise miteinander kommunizieren, ist lange bekannt. Ihr Repertoire an Gesten ist beträchtlich. Allerdings sind die Gebärden bisher nur bei Tieren näher untersucht, die in Gefangenschaft leben. Anne Russon vom Glendon College und Kristin Andrews von der York University in Toronto haben Beobachtungen ausgewertet, die sie im Laufe von fast zwanzig Jahren bei Orang-Utans auf Borneo gemacht hatten. Sie kommen zu dem Schluss, dass die Affen sich aus einem Fundus von Pantomimen bedienen, um ein Anliegen zu verdeutlichen, das zunächst nicht verstanden wird. Doch weil sie ausgewilderte Orang-Utans beobachteten und der Großteil der Gebärden einem menschlichen Gegenüber galt, lässt auch das keine stichhaltigen Rückschlüsse auf die Verwendung von Gesten bei frei lebenden Orang-Utans zu. Einige Experten vermuten sogar, dass in Gefangenschaft lebende Menschenaffen deutlich mehr gestikulieren als solche in Freiheit - sie haben schließlich mehr Zeit, müssen sich nicht vor Feinden in Acht nehmen oder Nahrung suchen. Dem widerspricht eine Untersuchung zweier schottischer Wissenschaftler: Im vergangenen Jahr haben Catherine Hobaiter und Richard Byrne von der Universität St. Andrews in Current Biology eine Arbeit veröffentlicht, für die sie die Gebärden von Schimpansen im Urwald von Uganda auf Video aufgenommen und analysiert hatten. Sie kamen auf insgesamt 66 Gebärden, welche die Primaten zur Kommunikation nutzten.

Man kann den Affen in Gefangenschaft vieles beibringen. In freier Wildbahn lernen sie anders.

Wie aber lernen Affen Gesten? Und können wir diese Gesten nutzen, um mit den Affen zu kommunizieren? Oder ihnen unsere Gesten beibringen? Auch dieser Frage sind bereits viele Forscher mit verschiedenen Methoden nachgegangen. Sie imitierten die Laute von Schimpansen in der Annahme, dass ihre Kommunikation ähnlich wie die des Menschen über eine Art Sprache funktioniere. Sie brachten ihren Schützlingen ein Portfolio an Gesten bei, mit denen diese dann um etwas bitten, auf Fragen des Menschen reagieren oder sich ausdrücken konnten. In den neunziger Jahren machte vor allem das Gorillamädchen Koko Schlagzeilen, das an die tausend englische Begriffe in Gebärdensprache ausdrücken konnte. Vorausgegangen war dieser Leistung jahrelanges Training. Es blieb ein singulärer Erfolg. Denn auch wenn die Schimpansenforscherin Jane Goodall bereits in den siebziger Jahren berichtete, dass Schimpansen Gesten nutzen - wie diese erworben werden, wissen Forscher bis heute nicht.

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