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Mensch und Affe : Sind sie denn nicht wie wir?

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Die großen Menschenaffen sind unsere engsten heute lebenden Verwandten. Evolutionsbiologisch stehen sie uns zwar deutlich ferner als jener gemeinsame Vorfahre, der vor sechs bis acht Millionen Jahren gelebt haben muss, denn sie haben sie eine ähnlich lange Geschichte der Anpassung an ihre spezifischen Lebensräume hinter sich wie der Homo sapiens. Taxonomisch jedoch gehören sie wie wir zur Familie der Menschenartigen, der Hominidae. Neben Menschen (Gattung Homo) gibt es Schimpansen und Bonobos (Gattung Pan), Gorillas (Gattung Gorilla) sowie Orang-Utan (Gattung Pongo). Wie die Gibbons, auch „kleine Menschenaffen“ genannt, besitzen sie keinen Schwanz, und ihre vorderen Gliedmaßen sind länger als die hinteren. Orang-Utans nutzen das zum Klettern, Gorillas, Bonobos und Schimpansen bewegen sich lieber auf allen vieren über den Boden.

Auch Affen führen Kriege

Unser nächster Verwandter ist der Schimpanse. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass er bis zu 99,4 Prozent über dieselben Erbinformationen verfügt wie wir - so viel Übereinstimmung wie mit keinem anderen Menschenaffen. Vor knapp vier Jahren erst haben Wissenschaftler am britischen Sanger Institute das Genom eines Gorillas entziffert und dabei entdeckt, dass uns diese Gattung näher steht als bisher gedacht - die Genome stimmen zu 98 Prozent überein. Und: 15 Prozent des menschlichen Genoms sind näher an dem des Gorillas als am Schimpansengenom. „Wir haben herausgefunden, dass Gorillas viele genetische Veränderungen mit dem Menschen gemein haben, darunter die Entwicklung des Gehörs“, sagte Chris Tyler-Smith, Mitautor der Studie.

Die hohe genetische Ähnlichkeit allein sorgt noch nicht für verwandtschaftliche Gefühle. Viel mehr ist es das in den vergangenen Jahrzehnten beobachtete Verhalten der Affen, das den Schluss nahelegt: Die sind eigentlich wie wir. Im positiven wie im Negativen. Denn Menschenaffen verfügen nicht nur über Sozialstrukturen, benutzen Werkzeuge oder kommunizieren miteinander. Schimpansen zum Beispiel führen auch Kriege und bringen Artgenossen um, wenn es sein muss.

Als Katja Liebal zum ersten Mal Orang-Utans beobachtete, wurde ihr klar, dass die Grenzen zum Menschen nicht so klar gezogen werden können, wie sie mancher gerne ziehen würde. „Da war ein Gefühl der Verbundenheit, das ich bis heute immer wieder bei meiner Arbeit erlebe“, sagt die Professorin, die derzeit an der Freien Universität Berlin in der vergleichenden Entwicklungspsychologie forscht. Heute kann sie die Affen besser einschätzen als zu Beginn ihrer Untersuchungen vor gut 15 Jahren. Allerdings würde sie nicht so weit gehen, zu behaupten, die Tiere zu verstehen. „Gerade Orang-Utans sind mir oft noch ein Rätsel. Da passiert viel im Stillen, sie beobachten intensiv und überraschen einen dann mit der Art und Weise, wie sie auf etwas reagieren oder handeln.“ Deutlich expressiver seien Schimpansen. Bei ihnen könne man recht gut einschätzen, ob ein Tier gleich mit der Fellpflege oder zu spielen anfängt oder es gar zu einer Auseinandersetzung kommt.

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