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Mensch-Tier-Beziehung : Der Mensch ist der Katze herzlich wurscht 

  • -Aktualisiert am

Wurscht: Was der Mensch so treibt, interessiert nicht nur diese Katze.... überhaupt nicht Bild: dpa

Katzen kümmern sich nicht darum, ob ihr Halter geht: Sie fühlen sich offenbar völlig unabhängig - anders als Hunde. Das erbrachte ein psychologischer Test, der sonst zeigt, ob Kleinkinder an ihrer Mutter hängen.

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          Bindungsforschung ist zu einem Trendfach avanciert. Immer mehr Biologen, Psychologen und Mediziner wenden sich der Frage zu, ob frühe Bindungserfahrungen für das spätere Schicksal eines Menschen entscheidend sein können, ob etwa eine instabile Bezugsperson, die zu einer Bindung nicht fähig gewesen ist, ein Kleinkind so verunsichert, dass spätere psychische Störungen hiermit in Zusammenhang stehen könnten.

          Nachdem „Human Animal Studies“, die Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung, ebenfalls zu einem populären wissenschaftlichen Bereich wurde, war der Weg nicht weit bis zu einer Kombination beider Themen: Machen auch Tiere Bindungserfahrungen? Binden sie sich so an Menschen, wie sich Menschen aneinander binden? Kann man wie bei Menschen auch unter Tieren unterschiedliche „Bindungstypen“ ausmachen? Das sind Fragen, mit denen sich Wissenschaftler zunehmend beschäftigen. Und nicht nur Wissenschaftler. Auch die Futter-, Veterinärpharma- und Zubehörindustrie ist daran interessiert herauszufinden, wie Bindungsprozesse das Tier-Halter-Verhältnis formen. So gibt es bereits Hinweise darauf, dass Halter, die selbst Schwierigkeiten mit Bindungen haben, ihre Hunde so verunsichern, dass die Tiere verhaltensauffällig werden.

          Keine sichere Bindung?

          Alice Potter und Daniel Simon Mills von der University of Lincoln in Großbritannien haben jetzt zumindest für Katzen eine ziemlich grundsätzliche Antwort auf die Frage nach tierischer Bindungsfähigkeit gefunden: In der Fachzeitschrift „PLOS One“ schreiben die beiden britischen Forscher, dass Katzen keine klaren Zeichen einer sogenannten „sicheren Bindung“ an ihre Halter zeigen. Damit unterscheiden sie sich deutlich von Hunden, bei denen in vergleichbaren Tests bereits gezeigt werden konnte, dass sie sich an ihren Haltern orientieren, bei ihnen Zuflucht suchen, sie in ungewohnten Situationen nicht gehen lassen wollen, kurz: Dass sie an ihren vertrauten Halter gebunden sind.

          Wurscht! Bilderstrecke

          Potter und Mills rekrutierten zwanzig Katzenhalter und ihren Vierbeiner. Die Paare wurden einer Testsituation ausgesetzt, die in der Psychologie als „Ainsworth Strange Situation Test“ bekannt ist. Entwickelt wurde der Test in den siebziger Jahren von der amerikanischen Entwicklungspsychologin Mary Ainsworth. Sie bat Mütter mit deren Kleinkind und einer anderen Person in einen Raum und ließ die Mutter nach kurzer Zeit den Raum verlassen. Manche Kinder weinten, liefen zur Tür, suchten die Mutter, freuen sich über deren Rückkehr. Sie gelten als „sicher gebunden“. Andere erstarrten oder spielten einfach weiter. Je nachdem, wie ein Kind reagiert, ordnet man es seit Ainsworth’ Studien einem von vier Bindungstypen zu: sicher gebunden, unsicher-vermeidend, unsicher-ambivalent oder desorganisiert. Wie ein Kind sich verhält, hängt davon ab, wie es seine Mutter oder seine Hauptbezugsperson bisher erlebt hat: Beschützend, verlässlich? Oder selbst ambivalent, manchmal gar bedrohlich aggressiv?

          Mehr Miauen

          Einem Ainsworth-Test setzten Potter und Mills nun auch die zwanzig Hauskatzen aus. Dabei variierten sie den klassischen Test insofern, als die Katzen den Raum nicht nur mit ihrem Besitzer, sondern teilweise auch allein mit einer fremden Person betraten, die sich dann wieder trennte und den Raum verließ. Zwar miauten die Katzen etwas mehr und intensiver, wenn ihr Halter den Raum verließ, als wenn der Fremde ging. Doch sonst konnten die Forscher keine Hinweise darauf finden, dass Katzen ähnlich wie „sicher gebundene“ Kleinkinder an ihrem Halter hängen. Die Tiere blieben nicht nahe bei ihrem Besitzer, sie freuten sich auch nicht überschwänglich, wenn er zurückkehrte. Zwei Katzen wurden aus der Wertung ausgeschlossen, weil sie sich die ganze Zeit über versteckten.

          Ihre Beobachtungen hätten nichts damit zu tun, ob Katzen ihre Besitzer liebten, trösten die Studienautoren Katzenfreunde. Die Katze sei nun einmal ein unabhängiges Tier, heißt es im Fazit der Studie – sogar in ihren sozialen Beziehungen. Sie brauche keine anderen, die ihr ein Gefühl von Sicherheit geben. Allerdings räumen Potter und Mills ein, dass hiermit noch nicht das letzte Wort im Hinblick auf das Band zwischen Mensch und Katze gesprochen sei. In Zukunft brauche man andere Versuchsmethoden, die besser an die Psyche der Katze angepasst seien.

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