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Meeresbiologie : „Moby-Dick“ auf Raubzug

  • -Aktualisiert am

Buckelwale sind akrobatische Springer Bild: AP

Bei ihrer Jagd nutzen die Bartenwale ein effizientes Filtersystem und eine raffinierte Fangtechnik. Energie sparen, so lautet dabei das oberste Prinzip.

          Die großen Bartenwale wurden einst nicht nur gejagt, um Berge von Fett und Fleisch heimzubringen. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten es die Walfänger auch auf die namengebenden Barten abgesehen, mit denen die Wale ihre Nahrung aus dem Wasser filtern. Diese dünnen, am Rand ausgefransten Hornplatten lieferten als sogenanntes Fischbein biegsame Gerüste für die Korsetts und Reifröcke der Damenwelt. Wie sie ihre ursprüngliche Aufgabe als Filterapparat erfüllen, interessierte damals kaum jemanden. Das hat sich glücklicherweise geändert. So hat vor kurzem Alexander J. Werth vom Hampden-Sydney College in Virginia verschiedenartige Barten in einem Strömungskanal getestet (“The Journal of Experimental Biology“, Bd. 216, S. 1152). Dabei fand er heraus, dass sich benachbarte Barten eng miteinander vernetzen, um effiziente Filter zu bilden. Wie viel dann in den beweglichen Maschen aus Keratinfasern hängenbleibt, variiert je nach Strömungsrichtung und Strömungsgeschwindigkeit.

          Die von Werth untersuchten Barten stammten zum einen von gestrandeten Buckelwalen, zum anderen von Grönlandwalen, die an der Küste von Alaska erlegt worden waren. Dort darf die indigene Bevölkerung einige dieser raren Bewohner des Nordpolarmeers fangen, denn zwischen Alaska und Sibirien tummeln sich schätzungsweise wieder acht- bis neuntausend Grönlandwale. Im Nordatlantik, wo die Walfänger ihnen einst besonders eifrig nachgestellt haben, sind es noch immer nur einige hundert Exemplare. Dass es Grönlandwale nie sonderlich eilig haben, machte sie zu einer leichten Beute, und einen satten Gewinn versprachen allein schon die bis zu vier Meter langen Barten.

          Filterplatten aus Kreatin

          Ein Bartenwal trägt auf jeder Seite seines Oberkiefers mehr als dreihundert dieser quer stehenden Platten aus Keratin. Sie müssen ständig nachwachsen, weil sie von der daran entlangscheuernden Zunge allmählich abgenutzt werden. Dabei zerfasert der innere Rand zu einem Fransensaum. Beim Grönlandwal, der sich von winzigen Ruderfußkrebschen ernährt, sind die Fransen doppelt so lang, aber nur halb so dick wie beim Buckelwal. Dieser hat es vor allem auf größere Krebstiere abgesehen und plündert mitunter auch Heringsschwärme. Bei solchen Beutetieren dürften die Barten des Buckelwals ihren Zweck durchaus erfüllen. Bei einem Test mit kaum millimetergroßen Plastikkügelchen - die typische Größe von Ruderfußkrebsen - filterten sie allerdings nur halb so viele heraus wie die Barten des Grönlandwals.

          Barten eines des Grauwals, ausgestellt im Natural History Museum in London

          Ein effizientes Filtersystem

          Vorbeiströmendes Wasser bringt den Fransensaum derart in Bewegung, dass sich mit zunehmender Strömungsgeschwindigkeit immer größere Lücken zeigen. Durchlässiger wird das Spalier der Barten trotzdem nicht. Da sich die biegsamen Fransen benachbarter Barten übereinanderlegen, wird das flexible Netz insgesamt sogar engmaschiger. Erst wenn die Fransensäume allzu sehr durcheinanderwirbeln, tun sich Löcher auf, die kleine Partikel leichter hindurchschlüpfen lassen. Im Strömungskanal arbeiteten die getesteten Barten am besten bei einer Fließgeschwindigkeit von einem dreiviertel Meter pro Sekunde. Das entspricht ziemlich genau der Geschwindigkeit von Grönlandwalen, die mit weit aufgesperrtem Maul durch Schwärme von Ruderfußkrebschen schwimmen.

          Technische Randbedingungen

          Ein so gemächliches Tempo ist nichts für den Typ von Bartenwalen, zu dem Buckel-, Finn- und Blauwal zählen. Auffallend stromlinienförmig, preschen diese sogenannten Furchenwale regelrecht in Schwärme von Beutetieren hinein, wobei sie ihr Maul nur kurzzeitig weit aufreißen. Allerdings scheint die Geschwindigkeit, mit der das hineingeströmte Wasser wieder abfließt, ganz ähnlich zu sein wie beim Grönlandwal. Die Filterwirkung der Barten hängt aber auch von dem Winkel ab, den die Barten zur Strömung einnehmen. Welchen Weg das Wasser durch das geräumige Maul nimmt, ist im Detail noch nicht geklärt. Vielleicht, so hofft Werth, wird es künftig gelingen, passende Sensoren an den Lippen eines Wals zu befestigen oder gar im Inneren des Mauls.

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