https://www.faz.net/-gwz-t3kg

Mauereidechse : Kein Verlaß auf Eidechsen

  • -Aktualisiert am

Eidechsen galten bisher als Sackgasse für Erreger von Infektionskrankheiten. Doch Vorsicht: Die Reptilien mindern zwar die Gefahr der Übertragung von Borrelien, doch andererseits tragen sie zur ihrer Verbreitung bei.

          2 Min.

          Die von Zecken übertragenen Borrelien, die Erreger der gefürchteten Lyme-Krankheit, können sich in verschiedenen Tieren verstecken. Beliebte Wirte sind kleine Nager und Vögel. Saugt eine Zecke Blut etwa an einer von den Bakterien infizierten Maus, nimmt sie die Borrelien auf und kann sie später an ein menschliches Opfer weitergeben.

          Geradezu mit Wohlgefallen blicken Borrelienforscher auf beiden Seiten des Atlantiks indessen auf Eidechsen. Diese Reptilien gelten nämlich als Sackgasse im Infektionsgeschehen. Eine infizierte Zecke kann die Bakterien zwar auf Eidechsen übertragen. Die Borrelien vermögen sich in diesem Wirt aber nicht zu vermehren, so daß andere Zecken, die das Reptil zu einer Blutmahlzeit aufsuchen, nicht zu potentiellen Überträgern werden. Doch der gute Ruf der Eidechsen ist nun dahin. Sie können nämlich durchaus zur Verbreitung von Borrelien beitragen, wie Dania Richter und Franz-Rainer Matuschka, Parasitologen an der Charite in Berlin, herausgefunden haben.

          „Gute“ und „schlechte“ Tiere

          Borrelien sind alles andere als eine einheitliche Bakteriengruppe. Neben der Art Borrelia burgdorferi im engen Sinne, dem „klassischen“ Erreger der Lyme-Krankheit, kennt man inzwischen eine ganze Reihe weiterer Arten, nicht zuletzt aufgrund von Untersuchungen der Berliner Forscher. Für Rätselraten sorgt seit einigen Jahren die Art Borrelia lusitaniae. Man hat diesen sonst vor allem im Mittelmeerraum verbreiteten Erreger lokal begrenzt auch bei Zecken nördlich der Alpen gefunden, konnte aber über seinen natürlichen Wirt nur spekulieren. Wären etwa Vögel das Reservoir, müßte er weiter verbreitet sein. Auf eine erste heiße Spur stießen die Berliner Borrelien-Jäger schließlich an einer Stelle im Elsaß. Ein Viertel aller dort eingesammelten Zecken war mit Borrelia lusitaniae infiziert - und am Untersuchungsort tummelten sich auffällig viele Eidechsen.

          Im vergangenen Jahr haben sich Richter und Matuschka auch mehrere Stellen in Baden-Württemberg vorgenommen, darunter einen Weinberg unweit von Heilbronn. Dort, an einem Südhang, gab es ebenfalls viele Eidechsen und gleichzeitig auch viele Zecken. Wie sich herausstellte, wurde durch die Reptilien tatsächlich die Gefahr für Menschen verringert, sich mit einer in hiesigen Gefilden verbreiteten Borrelienart zu infizieren. In den Zecken, die an Zaun- und Mauereidechsen gesaugt hatten, fand sich praktisch keine der geläufigen Arten. Dafür aber waren die Blutsauger von Borrelia lusitaniae befallen („Applied and Environmental Microbiology“, Bd.72, S.4627). Eidechsen sind demnach „gute“ Tiere, weil sie das Risiko mindern, sich durch Zeckenstiche eine Infektion mit den hierzulande weit verbreiteten Arten von Borrelien einzuhandeln. Andererseits sind sie „schlecht“, ist es doch anscheinend ihnen zuzuschreiben, daß eine mediterrane Borrelienart auch nördlich der Alpen zur Gefahr werden könnte.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ministerpräsident Mateusz Morawiecki war am Mittwoch im Land unterwegs und äußerte sich auf Anfrage nicht.

          EuGH verhängt Strafe für Polen : „Um schweren Schaden abzuwenden“

          Eine Million Euro am Tag muss Polen bezahlen, solange die politisch besetzte Disziplinarkammer am obersten Gericht des Landes fortbesteht. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden. Warschau spricht von „Erpressung“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.