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Mars-Missionen : Werden die Marsmaschinen auf der Suche nach Leben fündig?

Leben auf dem Mars, Leben im All - eine elektrisierende und deshalb auch unausrottbare Idee, die mit den Mars-Missionen einen gewaltigen Konjunkturschub bekommt. Selten war die Gelegenheit für Astrobiologen so günstig.

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          Die ersten Bilder, die der amerikanische Marsroboter "Spirit" von seinem verkarsteten und öden Landeplatz im Gusev-Krater gesendet hat, verlangen unserer Phantasie einiges ab. Nach Zeugnissen ehemaliger Wasservorkommen soll der schwerfällige Kundschafter da draußen suchen. Eigentlich aber soll er natürlich Spuren von extraterrestrischem Leben finden, genauso wie sein maschineller Mitstreiter "Opportunity", der Ende Januar auf dem roten Planeten abgesetzt werden soll. Eine Aufgabe, die auch der offenkundig glücklosen europäischen Marssonde "Beagle 2" zugedacht war, die noch immer als verschollen gilt.

          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Leben auf dem Mars, Leben im All - eine elektrisierende und deshalb auch unausrottbare Idee, die an Tagen wie diesen einen gewaltigen Konjunkturschub bekommt. Selten schienen die Astrobiologen ihrem Ziel so nah, selten genug war die Gelegenheit so günstig. Nur viermal, bei elf Versuchen bisher, ist wissenschaftliches Gerät auf dem roten Planeten abgesetzt worden. Nie zuvor aber war man so gut vorbereitet.

          Welche Techniken und Analyseverfahren?

          Schon die Frage jedoch, die man sich zu Beginn der Missionen gestellt hat, nämlich wie - also mit welchen Techniken und Analyseverfahren - man Lebensspuren entdecken und nachweisen könnte, ist Gegenstand vieler der ebenso unausweichlichen Debatten zum Thema. Denn in der Tat ist die These von außerirdischem Leben nach wie vor eine rein hypothetische. Nirgendwo hat man Anzeichen von Leben gefunden. Wenig tröstlich, was australische Astrophysiker vor kurzem in der Zeitschrift "Science" (Bd. 303, S. 59) über die Ergebnisse ihrer Computersimulationen berichtet haben: daß sich bei der Entwicklung unserer Milchstraße ein gewaltiges Arsenal von Planeten gebildet haben könnte, die sich als potentieller galaktischer "Lebensraum" eigneten. Dieser enthält demnach bis bis zu einem Zehntel der Sterne in der Milchstraße - theoretisch. Denn zum einen sind die physikalischen Randbedingungen solcher Simulationen alles andere als geklärt, zum anderen hat man noch nie einen solchen erdähnlichen Planeten in diesem "galaktischen Lebensraum" (galactic habitable zone) dingfest gemacht.

          Beweis für Lebenstauglichkeit steht aus

          Selbst der Nachbarplanet Mars, dem man in dieser Hinsicht wegen seiner wärmeren und wasserreichen kosmischen Vergangenheit am meisten zutraut, ist den Beweis der Lebenstauglichkeit bisher schuldig geblieben. Als amerikanische Forscher 1996 einen mehr als vier Milliarden Jahre alten Marsmeteoriten aus der Antarktis geborgen und darin Überreste fossiler "Nanobakterien" gefunden zu haben glaubten, schien der Optimismus der Exobiologen fast grenzenlos. Inzwischen aber haben Geochemiker und Geophysiker durch die künstliche Herstellung im Labor die mögliche anorganische Herkunft solcher wurmartigen, kohlenstoffhaltigen Gebilde gezeigt.

          Die Vermutung der Kritiker hat sich jüngst mit einem Bericht spanischer und australischer Forscher in "Science" (Bd. 302, S. 1194) erhärtet. Die Wissenschaftler "enttarnten" die vermeintlich ältesten, rund dreieinhalb Milliarden Jahre alten, wurmartigen Cyanobakterien aus Westaustralien ("Warrawoona") als Irrtum, indem sie ganz ähnliche, aber ganz und gar unlebendige geologische Strukturen mit organischen Hüllen in dem Kieselgestein auf vergleichsweise simplem chemischem Wege synthetisierten. Ergo: Die schiere Ähnlichkeit, also die Morphologie, und die organische Beschaffenheit sind als Nachweis für irdisches Leben gewiß nötig, aber nicht hinreichend. Das ist der neue Maßstab für alle Marsmissionäre und Marsenthusiasten dieser - und aller kommenden - weltraumseligen Tage.

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