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Mammute : Große Freunde des Eises

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Schulterhöhe an die vier Meter und ein Gewicht von sechs Tonnen und mehr: Natürliche Feinde musste das Wollhaarmammut kaum fürchten. Bild: ROBB KENDRICK/National Geographi

Vor viertausend Jahren starben die letzten Mammute aus. Hat der Mensch sie auf dem Gewissen? War das Klima schuld? Vom Aufstieg und Untergang der Eiszeitriesen.

          Paläontologie ist normalerweise kein unappetitliches Fachgebiet: Fossilien stinken in aller Regel nicht. Für Eugen Wilhelm Pfizenmayer, Kustos am Zoologischen Museum in St. Petersburg, wurde die Feldarbeit im Sommer 1901 jedoch zum olfaktorischen Härtetest. Pfizenmayer und seine Begleiter waren an den Beresowka-Fluss in Sibirien gereist, um die Überreste eines eiszeitlichen Wollhaarmammuts zu bergen. Ein einheimischer Jäger hatte es im Jahr zuvor nach einem Erdrutsch entdeckt. „Schon eine ganze Weile, bevor ich den Mammutkadaver erblickte, traf ein Geruch, der überhaupt nicht angenehm war, meine Nase. Er ähnelte den Dämpfen, die aus einem schlecht gehaltenen Pferdestall kommen, stark gemischt mit Aasgeruch“, beschrieb Pfizenmayer später seine Wahrnehmung.

          Bald darauf standen die Expeditionsteilnehmer vor dem verwesenden Ziel ihrer langen Reise. Der vermutlich rund 35.000 Jahre zuvor verstorbene Bulle hatte sich in der sibirischen Kühltruhe mit Haut, Haar und Weichteilen erhalten; Kopf und Rücken ragten aus dem oberflächlich angetauten Boden, der Rest steckte noch im eisigen Untergrund. Die Forscher errichteten eine beheizbare Blockhütte über dem Tier und machten sich an die wenig appetitliche Aufgabe, den gefrorenen Kadaver freizulegen und für den späteren Abtransport in handlichere Stücke zu zerteilen. An den freiliegenden Teilen hatten sich bereits Wölfe zu schaffen gemacht, ansonsten war das Mammut in erstaunlichem Zustand, den Pfizenmayer so beschrieb: „Solange das gut erhaltene Fleisch noch gefroren war, sah es recht appetitlich aus und war von dunkelroter Farbe wie gefrorenes Rindfleisch oder Pferdefleisch, nur grobfaseriger. Aber sobald es auftaute veränderte es sein Aussehen völlig. Es wurde schlaff und grau und gab einen widerwärtigen, stinkenden, ammoniakähnlichen Geruch von sich, der alles durchdrang.“

          Einhorn, Drache oder Sintflutopfer?

          Der Bulle war offenbar in ein Eisloch gefallen oder einen Abhang hinabgestürzt und hatte sich tödliche Verletzungen zugezogen. Dafür sprachen Brüche im rechten Vorderbein und in der Gegend des Beckens. Im Maul steckte noch Gras - ein Hinweis auf einen schnellen Tod des Tieres, das bald darauf im Schlamm eines kurzen eiszeitlichen Sommers versunken sein musste.

          Die Bergung dauerte bis tief in den Winter. Per Rentierschlitten und Transsibirische Eisenbahn gelangten die Überreste nach St. Petersburg, wo sie heute als Präparat im Zoologischen Museum zu bestaunen sind. Das Beresowka-Mammut war bis dato der am besten erhaltene Fund dieser eiszeitlichen Elefanten-Spezies, die fast eine halbe Million Jahre lang die Fauna der nördlichen Erdhalbkugel prägte. Die Funde ihrer Stoß- und Backenzähne sowie Knochen hatten die Phantasie der Menschen schon immer angeregt: Sie wurden Fabeltieren wie Drachen und Einhörnern zugeschrieben, später auch Elefanten, welche die Sintflut gen Norden geschwemmt habe. Erst gegen Ende des 18. Jahrhundert setzte sich die Erkenntnis durch, dass die Funde von einem ausgestorbenen Urzeitelefanten von der Größe heutiger Elefanten stammen mussten, dem der Göttinger Naturforscher Johann Friedrich Blumenbach 1799 seinen wissenschaftlichen Namen gab: Mammuthus primigenius.

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