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Magnetsinn der Vögel : Verpeilte Rotkehlchen

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Rotkehlchen orientieren sich im Dunkeln mit Hilfe ihres Schnabels. Dort sitzt vermutlich der Magnetsinn. Bild: Rainer Wohlfahrt

Jungvögel müssen sich vor ihrem ersten Vogelzug auf ihren genetisch angeborenen Kompass verlassen können, sonst verfliegen sie sich. Das haben Versuche gezeigt, in denen man mit magnetischen Pulsen den Magnetsinn von Rotkehlchen störte.

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          Wie Zugvögel ihre oft spektakuläre Navigationsleistung vollbringen, gibt Biologen immer noch Rätsel auf. Heiß debattiert wird vor allem die Orientierung am Magnetfeld der Erde. Zwar weiß man dank des Frankfurter Zoologen Wolfgang Wiltschko schon seit rund fünfzig Jahren von der Existenz eines Magnetsinns, aber ständig tauchen neue Fragen auf. Wie es scheint, verfügen viele Vögel nicht nur über eine Art Kompass, sondern sie legen auch eine magnetische Landkarte an, die ihnen fernab der eigentlichen Route bei der Orientierung hilft.

          Barbara Helm und Richard Holland vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell haben nun Rotkehlchen, die sich auf den Weg zum Winterquartier machten, eingefangen und einem künstlichen magnetischen Puls ausgesetzt. Später ließen sie die mit kleinen Radiotransmittern ausgerüsteten Vögel wieder frei. Dabei zeigte sich, dass erfahrene Tiere in ihrer Orientierung beeinträchtigt waren, vor allem jene, die innerhalb von zehn Tagen starteten. Jungvögel indessen, die zum ersten Mal zu ihrem Winterquartier aufbrachen, ließen sich nicht von der angepeilten Richtung abbringen.

          Jungvögel ohne Kompass

          Wie die Wissenschaftler im „Journal of the Royal Society Interface“ (doi: 10.1098/rsif.2012.1047) ausführen, stehen die Ergebnisse im Einklang mit dem Konzept einer magnetischen Karte. Diese dürfte durch den Magnetpuls unbrauchbar geworden sein. Die ausgewachsenen Rotkehlchen, so vermutet Holland, „mussten sich deshalb auf andere Umweltinformationen verlassen und verflogen sich dann“. Die Jungvögel verfügten noch nicht über eine derartige Karte, und daher blieb der störende Magnetpuls bei ihnen wirkungslos. Es dominierte das genetisch vorgegebene Zugverhalten. Dieses ist zwar unempfindlich gegen den magnetischen Puls, kann die Tiere aber ebenfalls im Stich lassen. Das haben andere Forscher beobachtet, als sie Zugvögel an einen weit entfernten, unbekannten Ort verfrachteten. Erfahrene Tiere schlugen trotzdem, wohl mit Hilfe der magnetischen Landkarte die passende Richtung ein, während sich die Jungvögel verflogen.

          Wo liegt der Magnetsinn?

          Die Bedeutung des Magnetsinns für die Orientierung von Vögeln ist schon in der Vergangenheit eindrucksvoll belegt worden. „Unser Versuch ist aber etwas anderes“, betont Barbara Helm, „weil er gezielt die Karte stören soll, nicht den Kompass, und dies an freifliegenden Wildvögeln, die ja theoretisch auch andere Umweltinformationen nutzen könnten.“ Auch die jüngsten Ergebnisse vermögen freilich nicht über ein grundlegendes Manko hinwegzutäuschen: Die Zoologen wissen immer noch nicht mit Sicherheit, wo das Sinnesorgan sitzt, mit dem die Vögel das Magnetfeld der Erde wahrnehmen.

          Auch die Beschaffenheit und Funktionsweise sind umstritten. Es scheint zwei Arten von Magnetsinn zu geben. Vor allem für den Kompass könnten Photorezeptormoleküle im Vogelauge, sogenannte Cryptochrome, maßgeblich sein. Was das Anlegen einer magnetischen Karte betrifft, werden ferromagnetische Partikeln im Oberschnabel oder neuerdings im Gleichgewichtsorgan des Innenohres als heiße Kandidaten gehandelt.

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