https://www.faz.net/-gwz-8bcjk

Lebensraum Ameisennest : Zu Hause in der Höhle des Löwen

  • -Aktualisiert am

Die Raupen des Schwarzfleckigen Ameisenbläulings werden von Ameisen aufgezogen. Bild: David Simcox, Centre for Ecology and Hydrology

Wer nistet sich schon gern bei Ameisen ein? Einige Insektenarten tun das und sogar freiwillig. Dabei bilden sich recht ungewöhnliche Wohn- und Lebensgemeinschaften.

          Ameisen sind bekanntlich wehrhaft - sich und ihr Nest wissen sie energisch zu verteidigen. Häufig attackieren sie auch andere Insekten, um sie als Beute heimzutragen. Doch manche Insekten wagen sich sozusagen in die Höhle des Löwen: Im Schutz eines Ameisenvolks wachsen sie heran, ernähren sich von diversen Abfällen, lassen sich von den Arbeiterinnen füttern oder vergreifen sich sogar an den Ameisen und ihrer Brut. Zu diesen aggressiven Untermietern zählen die Raupen des Schwarzfleckigen Ameisenbläulings (Maculinea arion), von der „International Union for Conservation of Nature“ (IUCN) auf der Roten Liste der gefährdeten Arten plaziert. Im Sommer flattert dieser rare Falter mancherorts auch hierzulande auf Almen und anderen kargen Wiesen herum. Dort verteilen die Weibchen ihre Eier auf den Blüten von Thymian oder Oregano (Origanum vulgare), auch Dost oder Wilder Majoran genannt.

          Wie aber sorgt der Schwarzfleckige Ameisenbläuling dafür, dass sein Nachwuchs auf die passende Art von Ameisen trifft? Offenbar hat er einen besonderen Riecher für Pflanzen, in deren Wurzelraum sich Ameisen der Gattung Myrmica häuslich eingerichtet haben. Das haben Wissenschaftler um Dario Patricelli und Francesca Barbero von der Universität Turin herausgefunden.  Gemeinsam mit Christoph Crocoll von der Universität Kopenhagen, Jonathan Gershenzon vom Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie in Jena und Jeremy Thomas von der University of Oxford studierten sie die Interaktionen zwischen Pflanzen, Ameisen und Ameisenbläuling.

          Ein Käfer wird zur Ameisenkönigin

          Wie sich herausstellte, setzen Oreganopflanzen auf chemische Verteidigung: Werden ihre Wurzeln bei emsigen Bauarbeiten gestutzt, so aktivieren sie vier spezielle Gene, um die Synthese von Carvacrol anzukurbeln. Dieses ätherische Öl ist wie Thymol und andere ein Teil des Buketts, das dem Oregano sein köstliches Aroma verleiht. Für Ameisen, die im Untergrund leben, kann Carvacrol dagegen tödlich sein. Ameisen der Gattung Myrmica sind allerdings gefeit gegen dieses pflanzliche Insektizid. Wenn sie ihm ausgesetzt werden, steigern sie die Produktion von Proteinen, die Carvacrol unschädlich machen.

          Sich ungestraft im Wurzelraum von Oreganopflanzen einnisten zu können hat für die Myrmica-Ameisen vermutlich den Vorteil, dass sie dort nicht mit anderen Ameisen konkurrieren müssen. Sie gehen jedoch das Risiko ein, indirekt weibliche Ameisenbläulinge auf sich aufmerksam zu machen. Auf der Suche nach einem Platz für ihre Eier bevorzugten die getesteten Falter die Oreganopflanzen mit Ameisennest. Als ebenso attraktiv erwiesen sich Pflanzen ohne Ameisen, auf denen die Forscher synthetisches Carvacrol verteilt hatten. Dass sich die Ameisenbläulinge an diesem Duft orientieren, verbessert die Überlebenschancen ihrer Raupen. Unbeeindruckt von dem chemischen Arsenal des Oreganos, nagen die Bläulingsraupen zunächst an den Blüten. Nach ein paar Wochen krabbeln sie von der Pflanze herunter. Sie treffen dann früher oder später auf eine Ameise aus dem nahen Ameisennest, der sie das Sekret ihrer Honigdrüse präsentieren können.

          Weitere Themen

          Fördert schlechte Luft psychische Erkrankungen?

          Smog und Psyche : Fördert schlechte Luft psychische Erkrankungen?

          Smog hat offenbar einen stärkeren Einfluss auf die Psyche als gedacht und verursacht psychische und neurologische Erkrankungen. Das zeigt eine amerikanische Studie, die Gesundheitsdaten aus den Vereinigten Staaten und Dänemark ausgewertet hat. Doch es gibt Zweifel an den Ergebnissen.

          Topmeldungen

          Premierminister bei Merkel : Johnson beharrt auf Ende des Backstops

          Johnson und Merkel zeigen sich optimistisch – dennoch belegt der Backstop die Schwierigkeiten des Treffens. Schon vorher hatten Finanzminister und Bundespräsident dem Premier die kalte Schulter gezeigt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.