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Lebenskreislauf : Wie Elefanten den Baumbestand bewahren

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Familientreffen: Afrikanische Elefanten sind Gruppentiere Bild: George Wittemyer, UC Berkley

Wie im Prozellanladen: Wenn ein Dickhäuter Nahrung erntet, muss nicht selten ein ganzer Baum dran glauben. Doch das macht das Rüsseltier schnell wieder gut: Vertreter der Jochblattgewächse sind auf den grauen Riesen angewiesen.

          Hungrige Elefanten sind nicht zimperlich. Um an Laub und Früchte zu gelangen, brechen sie mitunter dicke Äste ab oder reißen gar ganze Bäume um. Man tut den Dickhäutern aber unrecht, wenn man sie nur als lebende Bulldozer und Waldzerstörer betrachtet. Denn Elefanten ernten nicht nur großzügig, sie säen auch freigebig. Wenn sie die Früchte des Waldes verzehrt haben, hinterlassen sie mit den Überresten ihrer Verdauung eine Fülle keimfähiger Samen. Manche Baumarten des afrikanischen Regenwalds scheinen gar darauf angewiesen zu sein, dass ihre Samen von Elefanten verschleppt werden.

          Dass tatsächlich nur auf diesem Weg eine neue Baumgeneration heranwachsen kann, haben kürzlich Wissenschaftler um Fred Babweteera vom Budongo Forest Project in Uganda und Peter Savill von der University of Oxford beobachtet. Die beiden Forscher studierten in drei vergleichbaren Waldgebieten Ugandas die Sprösslinge von Balanites wilsoniana, einem Vertreter der Jochblattgewächse. In den Regenwäldern Ostafrikas ist dieser stattliche Baum ebenso verbreitet wie im Westen des Kontinents. Mit seinem weit ausladenden Geäst ragt er hier wie dort bis in die oberste Kronenschicht. Seine gelbbraunen Früchte fallen reif zu Boden, wo sie einen aufdringlich hefeartigen Duft verströmen.

          Weniger Bäume in Antilopenreichen Gebieten

          Davon angelockt, lassen sich Elefanten das saftige Fruchtfleisch schmecken. Die fast faustgroßen Samen, die sich in der Frucht verbergen, sind deshalb oft zahlreich in den Dunghaufen zu finden. Andere Waldbewohner scheinen die Früchte von Balanites wilsoniana dagegen zu verschmähen. Wie sich mit Kamera-Fallen nachweisen ließ, vergreifen sich Ducker-Antilopen allerdings gerne an den Sämlingen. Wo sich diese kleinen Huftiere zahlreich tummeln, sind Jungpflanzen von Balanites erwartungsgemäß rar. Nach mehrjährigen Bäumchen suchten die Wissenschaftler dort vergeblich, wie sie in der Zeitschrift „Biological Conservation“ (Bd. 134, S. 40) berichten.

          Erklär mir die Welt: Ein Elefant und sein Junges

          Wo Antilopen und andere Wildtiere gründlich dezimiert sind, wachsen unter dem Kronendach der Elternbäume zwar Sämlinge in großer Zahl, aber nur vereinzelt auch größere Schösslinge. Fernab von artgleichen Bäumen waren die Sämlinge ausschließlich in einem Nationalpark zu finden, von den untersuchten Gebieten das einzige, das noch etliche Elefanten beherbergt. Nur in diesem Wald entdeckten die Forscher auch eine Vielzahl junger Bäume unterschiedlicher Größe. Die Zukunft von Balanites wilsoniana ist dort offenbar gesichert. Wo keine Elefanten mehr umherstreifen, scheint diese Baumart dagegen langfristig zum Aussterben verurteilt, weil Nachwuchs ausbleibt.

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