https://www.faz.net/-gwz-vz2n

Leben im Wasser : Seeotter lieben es gemütlich

  • -Aktualisiert am

Ein zwei Monate alter Baby-Seeotter in einer Aufzuchtstation Bild: AP

Fast den ganzen Tag verbringen Seeotter im Wasser. Doch im Vergleich zu den Robben, die schon vor mehreren Millionen Jahren im Wasser lebten, fehlen den Seeottern Teile der körperlichen Ausstattung für das kühle Nass. Deshalb brauchen sie sehr viel Energie und ruhen lange.

          2 Min.

          Seeotter sind die einzigen Vertreter der Marderfamilie, die den größten Teil ihres Lebens schwimmend zubringen. Häufig bereits im Wasser geboren, tummeln sie sich dort in Begleitung des Muttertieres vom ersten Lebenstag an. In dieser Hinsicht sind die Seeotter im Wasser mehr zu Hause als jede Art von Robben.

          Doch während sich die Urahnen der Robben schon vor mehr als 50 Millionen Jahren im Meer herumtrieben, sind die Otter erst vor etwa zwei Millionen Jahren dorthin vorgedrungen. Kein Wunder also, dass den Seeottern manches von der Ausstattung fehlt, mit der sich Robben im Laufe der Stammesgeschichte für einen maritimen Lebensstil gewappnet haben.

          Seeotter gönnen sich lange Ruhepausen

          Beim Seeotter mit dem wissenschaftlichen Namen Enhydra lutris sind nur die Hinterbeine zu Flossen umgestaltet. Seine Vorderpfoten ähneln indessen denen eines Fischotters (Lutra lutra). Außerdem müssen die Seeotter ohne jene dicke Speckschicht auskommen, die den Robben als Energiereserve dient und sie vor allzu großen Wärmeverlusten bewahrt. Stattdessen verlassen sie sich notgedrungen auf ihr dichtes Fell, das reichlich Luft speichert.

          Diese Isolierschicht schützt zwar vor Kälte, verleiht den Seeottern aber zusätzlichen Auftrieb. Dass dadurch das Abtauchen zum Meeresgrund erschwert wird, lässt auf einen hohen Energieumsatz schließen. Doch wie Wissenschaftler um Laura C. Yeates von der University of California in Santa Cruz unlängst herausgefunden haben, hält sich der tägliche Energiebedarf in Grenzen ("Journal of Experimental Biology", Bd. 210, S. 1960). Zwar müssen die Seeotter beim Schwimmen und Tauchen viel Energie aufwenden, aber zum Ausgleich gönnen sie sich lange Ruhepausen.

          Hoher Energieaufwand

          Um abschätzen zu können, wie viel Stoffwechselenergie die Nahrungssuche kostet, wurden zwei zahme Seeotter darauf trainiert, unter eine kleine Plastikkuppel zu schwimmen. Wenn sie dort auftauchten, ließ sich die ausgeatmete Luft einfangen und analysieren. Ob die Tiere am Boden ihres Bassins nach Muscheln oder nach Krabben suchten - stets erwiesen sich die Tauchgänge als ausgesprochen kostspielig.

          Gemessen an der Körpergröße war der Energiebedarf etwa doppelt so hoch wie bei anderen Meeressäugern. Wie Beobachtungen an der kalifornischen Küste zeigen, verbringen die Tiere in freier Wildbahn allerdings nur etwa ein Drittel des Tages mit aktivem Schwimmen und Tauchen.

          Pfoten erleichtern die Nahrungssuche

          Anscheinend zahlt es sich aus, dass die Seeotter ihren Mahlzeiten nicht lange hinterherjagen müssen. Oft werden wenig mobile, aber gut gepanzerte Beutetiere wie Muscheln und Schnecken, Seeigel und Krabben vom Meeresgrund an die Oberfläche geholt. Während sich Robben mitunter vergeblich mit sperrigen Fischen plagen, ist ein Seeotter nicht auf mundgerechte Happen angewiesen. Auf dem Rücken liegend hält er die Schalentiere mit den Pfoten fest und bearbeitet sie mit seinem kräftigen Gebiss. Wenn sich die Schale als zu widerstandsfähig erweist, knackt er sie mit einem Stein, um dann mit seinen flinken Pfoten den nahrhaften Inhalt hervorzuholen.

          Je nach Wassertemperatur konsumieren die Seeotter täglich eine Nahrungsmenge, die bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts ausmacht. Das ist zwar eine stattliche Ration, aber es gilt auch zu bedenken, dass sie meist weniger als dreißig Kilogramm wiegen, also von recht zierlicher Gestalt sind. Indem sie bis zu zwölf Stunden am Tag regungslos an der Wasseroberfläche dösen, kompensieren sie die außergewöhnlichen Anstrengungen bei der Nahrungssuche.

          Weitere Themen

          Ein 3D-Display aus der Zukunft

          Akustische Levitation : Ein 3D-Display aus der Zukunft

          Ein Bildschirm mit dreidimensionalem Bild, das man hören und anfassen kann – wovon Technologiebegeisterte bislang nur träumten, ist jetzt in einer ersten Version an einer britischen Universität entstanden.

          Topmeldungen

          Notstand ausgerufen : In Venedig wächst die Wut

          Mehr als 80 Prozent der Stadt stehen zwischenzeitlich unter Wasser, die Bewohner sind entsetzt – und sauer auf die Politik: Diese gibt zwar jetzt Millionen Soforthilfe, habe beim Hochwasserschutz aber komplett versagt und stattdessen rücksichtslos den Tourismus gefördert.

          Altmunition im Meer : Sprengstoff im Fisch

          1,6 Millionen Tonnen Munitions- und Sprengstoffreste werden in der deutschen Nord- und Ostsee vermutet. Sie lösen sich langsam auf – und belasten schon jetzt stellenweise Tiere und Pflanzen.
          Der Stoff, aus dem sich viel mehr als eine leckere Suppe kochen lässt: Hokkaido-Kürbis

          Leckeres aus Kürbis kochen : Hitze tut ihm richtig gut

          Die Kürbissaison ist auf ihrem Höhepunkt angelangt. Aber was anstellen mit den Riesenbeeren? Köche sagen: in den Ofen schieben. Wir stellen ein Rezept von Johann Lafer vor und eines, das auf Paul Bocuse zurückgeht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.