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Läuse : Das Vermächtnis der Plagegeister

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Zu Hause auf Rinde und welkem Laub: die Staublaus Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die DNS bringt es an den Tag: Läuse sind gleich zweimal entstanden. Amerikanische Wissenschaftler fanden dies bei der genetischen Analyse von 113 verschiedenen Läusearten heraus.

          Von der Stechmücke bis zur Bettwanze - etliche Insekten erweisen sich als Plage für Mensch und Tier. Unter all diesen Parasiten sind die Läuse die einzigen, die zeitlebens anhänglich bleiben. Nicht selten gedeihen sie nur auf einer bestimmten Art von Opfern und bestimmten Körperregionen. So bevölkert die Kopflaus nur das Kopfhaar des Menschen. Scham- und Achselhaare indessen sind der Tummelplatz der Filzlaus. Das Gefieder eines Vogels teilen bisweilen mehr als ein halbes Dutzend Läusearten untereinander auf.

          Anders als bislang angenommen sind die Plagegeister mit diesem speziellen Lebensstil im Laufe der Evolution mehr als einmal entstanden. Das zeigte Kevin Johnson vom Illinois Natural History Survey mit molekulargenetischen Analysen. Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität von Hokkaido in Sapporo und der University of Glasgow hat er 21 verschiedenartige Läuse und 113 Arten von Staubläusen studiert.

          Urvater Staublaus

          Die Untersuchungen konzentrierten sich auf den Bauplan für Ribosomen, jener zelleigenen Maschinerie, die für die Produktion von Proteinen zuständig ist. Zunächst mit der Polymerase-Kettenreaktion vieltausendfach vervielfältigt, ließ sich ein zugehöriger Abschnitt der DNS genau sequenzieren. So konnten die Forscher Unterschiede in der Reihenfolge der DNS-Bausteine aufspüren, die Rückschlüsse auf verwandtschaftliche Beziehungen erlaubten.

          Der daraus abgeleitete Stammbaum bestätigt, daß die Läuse allesamt aus Staubläusen hervorgegangen sind. Diese zarten kleinen Insekten leben auf Rinde und welkem Laub sowie unter Steinen, in Höhlen und Kellerräumen. Kein Wunder, daß sie sich in feuchtem, modrigem Ambiente besonders wohl fühlen. Schließlich stehen neben einzelligen Algen vor allem Pilzfäden und -sporen auf ihrem Speiseplan.

          Parasiten: eine große Familie

          Dem molekularen Stammbaum der Staubläuse entspringen allerdings zwei separate Gruppen von parasitischen Läusen (“Proceedings of the Royal Society of London“, Teil B, Bd. 271, S. 1771). Zu der einen zählen die eigentümlichen Elefantenläuse, die sich - ähnlich wie Zecken - mit ihrem rüsselförmig verlängerten Kopf in die Haut von Elefanten und Warzenschweinen bohren. Daneben umfaßt diese Abstammungslinie all die mobileren Blutsauger, die neben vielerlei anderen Säugetieren auch Menschen heimsuchen. Und schließlich gehören auch sogenannte Haarlinge und Federlinge dazu, Parasiten mit beißenden Mundwerkzeugen, die Blut zwar keineswegs verschmähen, sich aber vor allem an Haut, Haaren und Federn vergreifen.

          Ähnlich ernährt sich auch eine zweite Gruppe von Läusen und Federlingen, die offenbar unabhängig von der ersten entstanden ist. Als nächste Verwandte dieser ebenfalls weit verbreiteten Parasiten von Vögeln und Säugetieren entpuppt sich eine Familie harmloser Staubläuse, die Liposceliden. Vertreter dieser flügellosen, oft kaum einen Millimeter großen Tierchen finden sich unter den Rindenschuppen von Baumstämmen sowie in Vogel- und Hummelnestern. Als sogenannte Bücherläuse huschen sie aber auch übers vergilbte Papier, wenn verstaubte Bücher und muffige Aktenordner doch wieder einmal aufgeschlagen werden.

          Ahnenforschung unter der Lupe

          Die Verwandtschaftsverhältnisse von Parasiten sind stets ein heikles Forschungsterrain, weil spezifische Eigenarten oft mehr über die Anpassung an diesen Lebensstil verraten als über gemeinsame Vorfahren. Um verborgene Gemeinsamkeiten zwischen den Bücherläusen und der zweiten Gruppe von parasitischen Läusen zu entdecken, muß man die winzigen Insekten daher ganz genau unter die Lupe nehmen. Erste Ergebnisse deuten tatsächlich darauf hin, daß sich die mutmaßliche Verwandtschaft durch anatomische Merkmale untermauern läßt.

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