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Fischerei : Aus diesem Netz gibt es kein Entrinnen

  • -Aktualisiert am

Schollen und andere Fische in einem Fangnetz vor der Küste Englands Bild: dapd

Die Fischereireform der Europäer begann zu greifen, da droht sie schon wieder zu scheitern: Die jungen Fische werden weiter nicht geschont.

          Europas Meere sind überfischt - diese Erkenntnis hat sich festgesetzt, auch weil Umweltorganisationen und Wissenschaftler sie unablässig wiederholt haben. Und dies zu Recht, wie Studien immer wieder gezeigt haben. Immer noch sind laut Europäischer Kommission 41 Prozent der Bestände im Nordostatlantik überfischt, im Mittelmeer gar über 80 Prozent. „Die Überfischung in Europa bleibt ein großes Problem, die Bestände haben schwer gelitten“, sagt Boris Worm, Fischereibiologe von der kanadischen Dalhousie-Universität in Halifax. Allerdings habe sich die Lage etwas geändert. „Es gibt vermehrt auch positive Nachrichten.“

          Es sind Nachrichten von schonenden Schleppnetzen, neuen Flotten mit Öko-Siegeln und teils wieder erstarkten Beständen. In der westlichen Ostsee ist die wichtige Heringspopulation in gutem Zustand, in der Nordsee gibt es wieder viel Kabeljau und sehr viele Schollen. Teils haben Fischer so viele Plattfische gefangen, dass der Preis in den Keller fiel. Insgesamt stimmen die vollen Netze die Branche aber euphorisch: „EU-Fischerei wird immer nachhaltiger“, meldete das „Fischmagazin“ Anfang des Jahres. Von einer „Nachhaltigkeitswende“ ist immer wieder die Rede; denn „die europäischen Fischbestände entwickeln sich langfristig positiv, die Populationen wachsen und die Sterblichkeit sinkt“, wie der Branchendienst schrieb.

          Bessere Fanglage

          Hintergrund für die gute Stimmung in der Fischereiwirtschaft ist einerseits die bessere Fanglage, die mit Managementplänen und zuletzt niedrigeren Fangquoten erreicht worden ist. „Die Reduzierung des Fischereidrucks in den meisten Beständen ist ein Erfolg“, erklärt Rainer Froese vom Kieler Geomar-Institut. Für Aufwind in der Branche sorgt jedoch auch die allseits gefeierte Fischereireform, die die damalige griechische Kommissarin Marina Damanaki 2013 auf den Weg brachte - mit ehrgeizigen Plänen für schärfere Kontrollen, langfristigem Management und mehr Nachhaltigkeit. Die jährlichen Verhandlungen über die Fangquoten sollen nun strikt den wissenschaftlichen Empfehlungen folgen - ausgerichtet am Ziel des maximalen nachhaltigen Dauerertrags (Maximum Sustainable Yield, MSY), das spätestens bis 2020 für alle Fischer gelten wird. Wissenschaftler verstehen darunter die Fangmenge, die der regionale Fischbestand einer Art liefern kann, ohne seine Fortpflanzungsfähigkeit zu verlieren.

          Ein weiteres Reformelement ist die Dezentralisierung: Rund um Nord- und Ostsee, Mittelmeer und Nordatlantik haben sich regionale Gremien gebildet, in denen Fischer genauso vertreten sind wie Umweltverbände. Die neuen Stellen sollen die EU-Regeln lokal anpassen und auch für mehr Mitsprache der kleineren Fischer sorgen. „Das regionale Management funktioniert offenbar gut, hier greift die Reform“, lobt Christopher Zimmermann, Leiter des Thünen-Instituts für Ostseefischerei in Rostock.

          Geld für Kontrollen

          Darüber hinaus haben die EU-Organe 2014 auch die Fischereisubventionen neu geordnet. Über drei Jahrzehnte haben Europas Fischer mit den Brüsseler Geldern eine Flotte aufgebaut, die weit über der Größe liegt, die den Beständen angemessen wäre. Jetzt soll damit Schluss sein: Es gibt weniger Unterstützung für größere Motoren sowie Netze als bisher. Der Bau neuer Schiffe wird zudem nur noch für die kleine Küstenfischerei gefördert. Dafür fließt aber mehr Geld in schärfere Fischereikontrollen auf See und in die weitere Erforschung der Bestände. Denn viele Fischpopulationen in den europäischen Gewässern sind immer noch nicht berechnet; allein in Nordsee und Nordostatlantik sind 45 Prozent der Bestände unerforscht, schätzt die EU-Kommission.

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