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Klimawandel : Der Heilbutt kommt in starke Bedrängnis

  • -Aktualisiert am

Ein Prachtexemplar von einem Heilbutt aus dem Atlantik Bild: www.torsvaag.no

Steigender Säuregrad und hoher Kohlensäuregehalt: Der Klimawandel hemmt das Wachstum von Fischen.

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          Meeresbewohner sind doppelt betroffen, wenn wir Menschen weiterhin viel zu viel Kohlendioxid freisetzen. In der Atmosphäre verstärkt dieses Gas den Treibhauseffekt, im Wasser bildet es Kohlensäure. Deshalb ist absehbar, dass die Weltmeere wärmer und saurer werden. Wie Fische mit diesen Veränderungen zurechtkommen, studierten Wissenschaftler von der Universität Göteborg am Heilbutt, einem der begehrtesten Speisefische des nördlichen Atlantiks. Anders als erwartet, gerieten die Versuchstiere bei höheren Temperaturen keineswegs in Atemnot. Diese bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit hat jedoch ihren Preis: In außergewöhnlich warmem Wasser wuchs junger Heilbutt beträchtlich langsamer heran als in gewohntem Ambiente.

          Als größter Vertreter der Plattfische kann der Heilbutt (Hippoglossus hippoglossus) ein Gewicht von mehreren Zentnern erreichen. Die schwedischen Forscher um Albin Gräns und Fredrik Jutfelt hatten es freilich nicht auf solch alte Prachtexemplare abgesehen. Sie ließen sich Jungfische liefern, die für Aquakulturen herangezogen wurden und weniger als zwanzig Gramm wogen.

          Fische mit gehemmten Wachstum

          Einquartiert in von Meerwasser durchströmten und sorgsam klimatisierten Tanks, blieben die Fische gesund und munter, selbst bei 18 Grad Celsius - für jungen Heilbutt fast schon unerträglich warm. Erstaunlicherweise nahm die Leistungsfähigkeit der Tiere mit steigender Temperatur sogar zu: Wenn die Fische aufgeschreckt davonschwammen, erhöhten sie ihren Energieumsatz noch drastischer als Artgenossen in kühlerem Wasser, berichten die Forscher in der Zeitschrift „The Journal of Experimental Biology“ (Bd.217, S. 711).

          Ihr auffallend leistungsstarker Stoffwechsel geht allerdings nicht mit rasantem Wachstum einher. Im Gegenteil, nach vier Monaten bei 16 bis 18 Grad hatten die Jungfische - obwohl großzügig gefüttert - ein Viertel weniger Gewicht zugelegt als bei moderaten Temperaturen zwischen zehn und 14 Grad.

          Dass auch ein steigender Säuregehalt das Wachstum bremsen kann, lässt junger Heilbutt vermuten, der mit fünf Grad Celsius vorliebnehmen musste. War dieses kalte Wasser so sauer wie für die Ozeane im Jahr 2100 prognostiziert, so wuchsen die Jungfische dort um etwa ein Viertel langsamer heran als in neutralem Ambiente. Dass sich der Heilbutt - ohnehin als gefährdete Fischart eingestuft - so sensibel zeigt, ist für die Fischerei gewiss keine gute Nachricht.

          Zumal Fische im Larvenstadium noch empfindlicher auf Umweltveränderungen reagieren, droht der Klimawandel womöglich auch ganz unmittelbar den Nachwuchs zu dezimieren.

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