https://www.faz.net/-gwz-qdec

Klima : Nordseefische fliehen Richtung Arktis

  • Aktualisiert am

Die Nordsee ist kein Platz mehr für den Kabeljau Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Viele Fischarten der Nordsee zieht es in arktische Gewässer. In ihren angestammten Heimatgefilden wird es ihnen zu warm. Goldbarsche werden voraussichtlich bis zum Jahr 2050 die Nordsee vollkommen verlassen haben.

          1 Min.

          Die globale Erwärmung vertreibt zahlreiche Fischarten in der Nordsee aus ihren Heimatgewässern. Das hat eine Studie der britischen Universität von East Anglia in Norwich ergeben, die am Donnerstag vom amerikanischen Fachjournal „Science“ veröffentlicht wurde. Nach den Ergebnissen sind 18 Arten im Laufe der vergangenen 25 Jahre teils mehr als 100 Kilometer in Richtung Norden „ausgewandert“, 21 Arten verlegten parallel zum Anstieg der Meerestemperatur ihre Laichplätze. Den Angaben zufolge ist die Temperatur der Nordsee in diesem Zeitraum um ein Grad Celsius gestiegen.

          Das Zentrum der Kabeljau-Population etwa, eine ohnehin durch Überfischung bedrohte Art, habe sich 117 Kilometer in Richtung arktischer Gewässer bewegt, heißt es in der Studie. Und die Südgrenze des Schellfisch-Lebensraums habe sich um 105 Kilometer nach Norden verschoben. Zugleich seien Fischarten, die eigentlich in wärmeren Gewässern leben, in die Nordsee vorgedrungen. Während der untersuchten Periode habe etwa der Franzosendorsch (Trisopterus luscus) seinen Lebensraum um 342 Kilometer nach Norden ausgedehnt.

          Fische sensibler für Temperaturwechsel

          Die Forscher analysierten die geographischen Veränderungen der Populationen von 36 in der Nordsee vorkommenden Fischarten. Der Untersuchung lagen langfristige Fischereidaten zugrunde, die mit Veränderungen der Meerestemperatur, allgemeinen Klimamodellen und dem Einfluß des Golfstroms abgeglichen wurden.

          Die Studie legt die Befürchtung nahe, daß die ohnehin angegriffenen Fischbestände in der Nordsee durch die Klimaerwärmung weiter gefährdet werden und deshalb die bereits bestehenden Fischereibeschränkungen weiter verschärft werden müssen. Nach den Erkenntnissen reagieren Fische deutlicher als auf dem Lande lebenden Lebewesen wie etwa Vögel oder alpine Pflanzen auf einen Anstieg der Temperaturen.

          Goldbarsch verläßt die Nordsee

          Die Wissenschaftler kamen durch Hochrechnungen zu dem Schluß, daß Fische wie der Blaue Wittling oder der Goldbarsch bis zum Jahr 2050 gar nicht mehr in der Nordsee vorkommen werden. Die Forscher fanden auch heraus, daß Fischarten mit schnellen Lebenszyklen und geringer Körpergröße eher auf kontinuierliche Temperaturveränderungen reagieren als große. Letztere, die auch stärker von der Überfischung betroffen seien, könnten sich vermutlich schlechter an die Erwärmung anpassen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bedankt sich für die Unterstützung in den vergangenen Tagen: der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder am Dienstag in München

          Nach Rückzug in der K-Frage : Als Verlierer wird Söder in der CSU nicht gesehen

          Markus Söder zieht seine Bewerbung um die Kanzlerkandidatur der Union zurück – und zählt dabei auf, wie viele in der CDU sich für ihn ausgesprochen haben. Für CSU-Generalsekretär Blume ist er gar „erkennbar der Kandidat der Herzen“.
          Hubertus Heil

          Corona-Krise : Heil will neue Testpflicht für Betriebe schon verschärfen

          Gerade erst ist die neue Corona-Arbeitsschutzverordnung in Kraft getreten, da kündigt die SPD eine Verschärfung der umstrittenen Testangebotspflicht an. Sie wettert dabei gegen „Profitimaximierung“ in der Wirtschaft.
          Die Kuppel des Reichstagsgebäudes am 26. Juli 2008.

          F.A.Z. Einspruch : Das Parlament als Polizeibehörde

          Angeblich verfrachtet die „Notbremse“ nur in Bundesrecht, was auf Landesebene so oder ähnlich oft ohnehin schon galt. Doch dieser Formwechsel ist für den Einzelnen und auch für die Demokratie bedrohlicher, als es zunächst scheinen mag. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.