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Heuschrecken : Atlantikflug vor Jahrmillionen

  • -Aktualisiert am

Heuschrecken-Invasion auf Fuerteventura (2004) Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Molekulargenetische Untersuchungen belegen Verwandtschaften zwischen afrikanischen und amerikanischen Heuschrecken-Arten. Es gibt sogar eine Verbindung zu flügellosen Arten auf den Galapagos-Inseln.

          Schwärme gefräßiger Heuschrecken sind als biblische Plage bekannt, aber heutzutage nicht minder bedrohlich, wenn sie gierig über die Felder herfallen. Solange ihre Bevölkerungsdichte gering bleibt, sind Wanderheuschrecken ähnlich seßhaft wie gewöhnliche Feldheuschrecken. Wenn sich viele Tiere auf engem Raum drängen, zieht es den Nachwuchs jedoch in die Ferne. Erst zu Fuß, dann im Flug suchen die Wanderheuschrecken oft in riesigen Scharen nach frischem Grün.

          Die in Afrika heimische Schistocerca gregaria kann es bei günstigem Wind sogar bis nach Amerika verschlagen. Im Oktober 1988 wurden große Schwärme fernab der afrikanischen Westküste gesichtet und bald darauf etliche Tiere auf karibischen Inseln entdeckt. Weitaus folgenreicher war freilich ein Transatlantikflug vor vielen Millionen Jahren. Daß Heuschrecken der Gattung Schistocerca einst auf diesem Weg eine neue Heimat gefunden haben, entdeckten kürzlich Wissenschaftler der University of Toronto in Scarborough und der Cornell University in Ithaca (New York).

          Verwandtschaft zu Flügellosen auf Galapagos

          Zusammen mit Fachleuten des Northern Plains Agricultural Research Laboratory in Sidney (Massachusetts) und der University of Arizona in Tuscon nahmen die Forscher bei verschiedenartigen Heuschrecken einen vergleichbaren Abschnitt der Erbsubstanz unter die Lupe. Wie diese Analysen zeigen, sind die amerikanischen Vertreter der Gattung Schistocerca untereinander allesamt näher verwandt als mit der afrikanischen Wanderheuschrecke Schistocerca gregaria („Proceedings of the Royal Society“, Teil B, Bd.273, S.767). Der molekulargenetische Stammbaum der amerikanischen Arten schließt sogar einige flügellose Heuschrecken ein, die bislang als separate Gattung galten. Anscheinend stammen diese Bewohner der Galapagosinseln ebenfalls von wanderlustigen Heuschrecken ab, die vor langer Zeit den Sprung von Afrika nach Amerika geschafft haben. Daß sie im Laufe der Zeit ihre Flugfähigkeit einbüßten, ist nicht verwunderlich. Flügel sind zwar nützlich, wenn es gilt, entlegene Inseln zu besiedeln. Dort heimisch geworden, sind fliegende Insekten stets in Gefahr, vom Wind aufs offene Meer hinausgetragen zu werden.

          Auch auf dem amerikanischen Festland haben die Nachfahren der weitgereisten Heuschrecken ihre unbändige Wanderlust eingebüßt. Vermutlich stießen sie dort auf Nahrungsquellen, die ihnen eine seßhafte Lebensweise erlaubten. Von den rund fünfzig Arten der Gattung Schistocerca, die derzeit die Neue Welt bevölkern, zeigen nur einige wenige das typische Verhalten von Wanderheuschrecken. Zu ihnen zählen die südamerikanische Schistocerca cancellata und die von Mittelamerika bis Mexiko verbeitete Schistocerca piceifrons. Wie ihre afrikanischen Verwandten entwickeln sie bei hoher Bevölkerungsdichte bemerkenswerten Gemeinsinn und stürzen sich in dichten Schwärmen auf zartes Grün.

          Weniger Mobilität, mehr Varianten

          Daß sich die amerikanischen Vertreter der Gattung Schistocerca insgesamt jedoch wenig mobil zeigen, erlaubte ihnen offenbar, eine Fülle unterschiedlicher Varianten zu entwickeln. Bei ihren afrikanischen Verwandten war der Austausch zwischen den einzelnen Populationen wohl stets zu rege, als daß lokale Unterschiede entstehen konnten. Obwohl das Verbreitungsgebiet von Mauretanien bis nach Ägypten und von Saudi Arabien bis nach Namibia reicht, zählen Tiere jeglicher Herkunft zur gleichen Art. Die ausgedehnten Wüstengebiete Afrikas sind anscheinend ein besonders günstiges Terrain für Wanderheuschrecken, die rasch wechselnde Nahrungsangebote nutzen können. Neben Schistocerca gregaria treiben auf diesem geplagten Kontinent noch diverse andere Arten von Wanderheuschrecken ihr Unwesen.

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