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Glyphosat : Grünes Gift

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Einfach, billig, gründlich: Für die Bauern ist Glyphosat ein Wundermittel. Doch womöglich schadet es der Gesundheit. Bild: Prisma Bildagentur

Verursacht das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat Krebs? Darüber wird heftig gestritten. Dabei ist das längst nicht das einzige Problem: Es geht zugleich um die Zukunft der Landwirtschaft.

          Ein heißer Wind streift durch den Denzlinger Rebberg an diesem Hochsommermorgen. Die Sonne glüht, Autolärm dringt aus dem Tal hinauf, im Nachbarort Glottertal steht die Schwarzwaldklinik. Überhaupt, diese Aussicht: In der Ferne glitzert der Kaiserstuhl, dahinter tauchen im Dunst die Vogesen auf. Vorne stehen stolz die Weinreben am Hang. Reihe für Reihe. Rebstock für Rebstock. In einem Weinberg sieht die Welt immer etwas nach Heimatfilm aus. Es ist eine geordnete, behütete, ja friedfertige Welt. Vinum vita est. Wein ist Leben.

          Oben am Hang hat Bauer Martin Schlegel, 47, das Leben im Blick. Einmal pro Woche schaut er im Weinberg nach dem Rechten. So auch heute. Schlegel - Muskelshirt, Schnäuzer, Schildkappe - hat siebzig Hektar Land und ein paar Reben. Er prüft, ob die Trauben gedeihen, ob Schädlinge unterwegs sind. Und ob nicht schon wieder dieses verdammte Unkraut wuchert. Das ist das Leben, das am Weinberg nicht erwünscht ist.

          Aber gegen dieses Problem spritzen die Bauern ein Wundermittel. Es heißt Glyphosat. Der Unkrautvernichter wird weltweit so häufig verwendet wie kein anderer. Er gehört zu den sogenannten Totalherbiziden, weil es alles tötet, was grün ist. Er rafft auch Problemunkräuter wie Ackerwinden und Disteln dahin. Wie es wirkt, kann man im Weinberg gut erkennen. Schlegel deutet auf den Boden um die Rebstöcke. Alles verdorrt. Als ob jemand mit dem Flammenwerfer durch die Reihen gelaufen wäre.

          Krebserregend oder nicht? Darüber wird heftig gestritten

          Seit März wird über das Spritzmittel heftig gestritten. In der Fachzeitschrift „Lancet Oncology„ stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung die Gefährlichkeit des Pestizids neu ein: Es sei „wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen“. Die Einrichtung in Lyon unter dem Dach der Weltgesundheitsorganisation WHO begründete ihre Einschätzung mit aktuellen Untersuchungen aus Schweden, Kanada und den Vereinigten Staaten. Personen, die direkt mit der Chemikalie in Berührung gekommen waren, hätten im Vergleich zu Menschen ohne Glyphosatkontakt ein erhöhtes Risiko, an Lymphdrüsenkrebs zu erkranken. Zudem zeigten Versuche bei Mäusen und Ratten „ausreichende Belege“ für die Krebsgefahr.

          Ein Spritzmittel, das Krebs auslösen kann? Eigentlich wäre dieses Urteil das Ende von Glyphosat. Viele Baumärkte in Deutschland haben das Mittel bereits aus dem Regal genommen. Doch die Bewertung ruft heftigen Widerstand hervor. Beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin wundert man sich sehr über die Kollegen in Lyon. Der Pressesprecher reagiert am Telefon gereizt und wettert schließlich gegen eine „effekthascherische Journaille“.

          Per E-Mail teilt das Institut schließlich mit: „Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft ist bei bestimmungsgemäßer Anwendung von Glyphosat kein gesundheitliches Risiko für den Menschen zu erwarten.“ Alle Bewertungsbehörden in der EU und in Nordamerika kämen zur gleichen Einschätzung wie das BfR. Selbst das bei der WHO beheimatete Gremium „Joint Meeting on Pesticide Residues“ teile diese Auffassung, schreibt das BfR. Zudem habe man die fragliche Studie in einem vorläufigen Bericht an die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bereits berücksichtigt. Jetzt warte man auf den umfassenden Bericht aus Lyon.

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