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Glosse : Ins rechte Ohr

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Robert Redford als „Pferdeflüsterer“ im gleichnamigen Film von 1998 Bild: dpa

Was ist das Geheimnis der Pferdeflüsterer und ihrer Therapieerfolge? Die Studie einer britischen Psychologin deutet die Gabe, mit Pferden zu kommunizieren, jetzt neu.

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          Die beste Zeit der Pferdeflüsterer scheint vorbei. Ende der neunziger Jahre hatte ihr kometenhafter Aufstieg begonnen: Rauhe Kerle mit mutmaßlich weichem Kern, die jedes noch so widerspenstige Huftier dazu brachten, ihnen zu folgen wie ein Hündchen - gern auch vor großem Publikum. 1998 entstand der Film „Der Pferdeflüsterer“ mit Robert Redford in der Titelrolle, danach schossen Flüsterer-Schulen aus dem Boden wie Unkraut auf der Pferdekoppel. Schnell wurden charismatische, meist männliche Experten zu Gurus mit ausgebuchten Wochenendseminaren. Noch heute erzählt man sich in der Pferdeszene, wenn die Abende spät und die Gläser leerer werden, gern von den Ranches der Flüsterer in tiefer deutscher Provinz, wo oft eine Entourage weiblicher Fans die Vorstellungen atemlos verfolgte. Von Anfang an standen die Zauberkünste der Redford-Nacheiferer aber unter Verdacht, vielleicht doch nur Taschenspielertricks zu sein.

          Das lag wohl auch daran, dass immer umstritten war, worin ihr Geheimnis bestand. Einige glauben, dass es sich bei den Kult-Flüsterern schlicht um besonders dominante Alpha-Männer handelte, in deren Dunstkreis selbst der wildeste Mustang sich vorsichtshalber den Regeln beugt. Andere vermuten eine hohe nonverbale Begabung, die den Flüsterern die Kommunikation mit Pferden erlaubte - der Triumph einer eleganten Körpersprache also. Wieder andere halten die Stars der Pferdekommunikation schlicht für virile Blender, deren Stunde gekommen war, als der Redford-Film das Thema in die Schlagzeilen brachte. In der vergangenen Woche kam nun „Buck“ in die Kinos, ein Dokumentarfilm, der ein solches Wunder ganzheitlich interpretiert: Buck Brannaman überwindet das Trauma einer von Gewalt geprägten Kindheit, indem er ebenso traumatisierte Pferde therapiert - und ihre Besitzer gleich mit.

          Kappe mit Ohren

          Hin und wieder kam allerdings auch der Eindruck auf, dass die Flüsterer das Geheimnis selbst nicht so genau kannten - und sich deshalb kurzerhand als Pferd verkleideten. So soll sich einer der Gurus einst eine Kappe mit Pferdeohren konstruiert haben. Neben seinem Kinn baumelte eine Schnur. Zog er daran, klappten die Ohren zurück – für das Pferd bedeutete das Signal: Der Meister ist not amused. In der Welt der Wissenschaft hat sich die britische Psychologin Leanne Proops schon mehrfach um die Erforschung der Kommunikation mit Pferden verdient gemacht. Jetzt zeigt sie in den „Proceedings of the Royal Society B“, dass Pferde bekannte und unbekannte Menschen anhand der Stimme unterscheiden können (doi: 10.1098/rspb.2012.0626). Die Stimme kam vom Tonband, die Menschen standen vor dem Pferd. Die Pferde konnten die Zuordnung besser treffen, wenn sich die bekannte Person rechts in ihrem Blickfeld befand, was darauf hindeutet, dass die linke Gehirnhälfte an dieser Verarbeitung beteiligt ist. Ein Teil des Geheimnisses läge also in der richtigen Seite, von der aus man sich dem Vierbeiner nähert. Die rechte wäre dabei durchaus eine Revolution, schließlich macht der Reiter nach europäischer Tradition alles links: Führen, Satteln, Auf- und Absitzen. Von rechts zu flüstern, würde deshalb die sensationellen Therapieerfolge zumindest teilweise erklären: Die Pferde waren schlicht erleichtert, dass endlich jemand von den eingeschliffenen Regeln Abstand nahm, die zuvor wohl oft für Irritationen gesorgt hatten.

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