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Gewässerverschmutzung : Die Spur der Pillen

  • -Aktualisiert am

Dieses Reservoir in München kann 13.000 Kubikmeter Trinkwasser speichern Bild: AP

Die Liste der Gifte in Bächen und Flüssen wächst beständig: Statt Schwermetallen finden sich dort unter anderem immer mehr Hormone. Das macht es den Wasserwerken schwer.

          Um die Aalmutter haben sich Fischer bisher nicht groß gekümmert. Das kleine Tier, das in der Nord- und Ostsee heimisch ist und lebende Larven gebiert, ist für professionelle Fangflotten uninter-essant. Trotzdem wird dem Fisch seit ein paar Jahren systematisch nachgestellt, dient er doch als Indikator für die Umweltbelastung der See. An ihm zeichnet sich etwas Gravierendes ab: Erstmals scheint eine gesamte Art von organischen Veränderungen durch künstliche Stoffe betroffen zu sein. Die Aalmutter-Weibchen vermännlichen, die Männchen verweiblichen.

          Wissenschaftler werten das als Indiz für eine Belastung des Organismus mit hormonartig wirkenden Stoffen, eingespült durch Flüsse und Bäche - aus Gewässern also, die auch zur Trinkwassergewinnung genutzt werden. Immerhin unterliegen in Deutschland die zulässigen Grenzwerte für Stoffe im Trinkwasser strengen Regeln. Nachdem beispielsweise die gesundheitsgefährdende Wirkung bestimmter Substanzen wie Hexachlorbenzol nachgewiesen wurde, durften sie nur noch stark eingeschränkt oder gar nicht mehr verwendet werden. Ihre Konzentration in Mensch und Umwelt nahm daraufhin rapide ab (siehe „Zeigt her eure Haare“).

          Trinkwasserschutz

          Doch von vielen Substanzen kennt man die umweltrelevante Wirkung nicht, und ständig kommen neue hinzu. Die größte Herausforderung für die Wasserversorger ist gegenwärtig die Filtration sogenannter organischer Spurenstoffe. Schwermetalle waren gestern - heute geht es beim Trinkwasserschutz eher um Hormone und Medikamente, um Flammschutzmittel und Weichmacher.

          Die Liste der Substanzen, die Forscher im Wasser finden und für den Menschen als schädlich klassifizieren, wächst. Für die Wasserversorger heißt das, auch für das Auftreten bis dato unbekannter Stoffe gewappnet zu sein. Ein Mittel ist dabei die Entwicklung besserer Filter. So lief neben dem Wasserwerk des Ruhrstädtchens Echthausen bis Ende vergangenen Jahres eine Pilot- und Versuchsanlage. In vier parallel betriebenen Wasseraufbereitungsstraßen untersuchten die Techniker Verfahrenskombinationen der Ultrafiltration und der Mehrschichtfiltration, immer in Verbindung mit Aktivkohlefiltern. Aktivkohle wird aus Steinkohle, Holz, Nussschalen oder ähnlichen Materialien hergestellt und besitzt durch ihre äußerst feine Porenstruktur eine große innere Oberfläche, an der sich vor allem organische Verbindungen festsetzen können. Kennt man die Molekülgröße einer zu eliminierenden Substanz, können solche Aktivkohlefilter durch unterschiedlich große Porenräume gezielt angepasst werden, sagt die Verfahrenstechnikerin Anja Möhrke.

          Vorbeugender Gewässerschutz

          In zwei Aufbereitungsstraßen wurde in der Versuchsanlage Echthausen außerdem mit Membranen experimentiert: Durch weiße Kunststoffrohre - sie erinnern an Makkaroni mit sieben Löchern - wurde das zu reinigende Wasser gesaugt. Die Membranen in den Löchern sind für Wasser durchlässig, größere Substanzen können sie nicht passieren. Die Schadstoffe verbleiben also im Rohr. Ein weiteres, für die Reinigung des Wassers wichtiges regulatives Element ist die Durchflussgeschwindigkeit. Zusätzlich testeten die Wasserexperten Oxidationsmethoden und UV-Bestrahlung, um die Spuren von Medikamenten, Hormonen, Röntgenkontrast- oder Flammschutzmitteln zu zerstören.

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