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Genetik : Genetische Vielfalt der Arbeitselefanten

  • -Aktualisiert am

Nach getaner Arbeit will auch ein Elefant eine Abkühlung. Bild: dapd

Der asiatische Elefant ist weit verbreitet. Entsprechend groß sind die regionalen Unterschiede. Seine Ursprünge liegen aber in Afrika. Über die Evolution der Dickhäuter liefert eine genetische Analyse von Fossilien neue Kenntnisse.

          Der Asiatische Elefant zählt zu den gefährdeten Tierarten. Zwar scheinen sich noch mehr als vierzigtausend Exemplare in freier Wildbahn zu tummeln, sie verteilen sich aber auf viele kleine und weit verstreute Populationen. Denn obwohl das Verbreitungsgebiet auf wenige Prozent seiner einstigen Größe geschrumpft ist, erstreckt es sich noch immer von Indien und Sri Lanka über Birma, Thailand und Vietnam bis zur Malayischen Halbinsel, Sumatra und Borneo. Entsprechend groß sind die regionalen Unterschiede. Das zeigten Wissenschaftler um Raman Sukumar vom Indian Institute of Science in Bangalore und Don J. Melnick von der Columbia University in New York mit molekulargenetischen Analysen ("Proceedings of the Royal Society" Teil B, Bd. 276, S. 893). Ihre Studie liefert nicht nur Grundlagen für einen Artenschutz, der die genetische Vielfalt berücksichtigt. Sie erlaubt auch Einblicke in die Evolution der Asiatischen Elefanten.

          Dunghaufen liefern den Schlüssel

          Wie Fossilfunde bezeugen, stammen die Vorfahren dieser Rüsseltiere aus Afrika. Mit dem Afrikanischen Elefant (Loxodonta africana) ist der Asiatische (Elephas maximus) allerdings weniger eng verwandt als mit dem Mammut. Die Entwicklungslinie, die zu dieser Elefantenversion für arktisches Klima führte, trennte sich erst vor etwa sechs Millionen Jahren von den Urahnen der Asiatischen Elefanten. Das belegen Untersuchungen, für die gut erhaltene Mammuts aus sibirischen Permafrostböden aufschlussreiche Gewebeproben lieferten. Fossile Überreste der Gattung Elephas bezeugen mehrere Einwanderungswellen nach Asien. Der Asiatische Elefant scheint sich jedoch vor Ort entwickelt zu haben.

          Um seine genetische Ausstattung zu erkunden, griffen die Forscher auf Dunghaufen aus freier Natur zurück. Anhaftende Darmzellen enthalten ausreichend Erbsubstanz für entsprechende Analysen. Dabei ging es um die Erbsubstanz der so genannten Mitochondrien, die in einer Zelle gewissermaßen als Kraftwerke dienen und ausschließlich über die weibliche Linie vererbt werden.

          Migration der Dickhäuter

          Nach Einschätzung der Wissenschaftler spiegelt die genetische Vielfalt der Asiatischen Elefanten das wechselhafte Klima während des Eiszeitalters wieder. Am Südrand des Himalaya begann es vor knapp zwei Millionen Jahren ungemütlich kühl zu werden. Anscheinend sind die Elefanten damals zum Teil nach Osten ausgewichen, in das Gebiet des heutigen Birma oder sogar bis in den äußersten Süden von China. Andere fanden ihr Refugium wohl im Süden des Indischen Subkontinents. Während der anschließenden Warmzeit konnten beide Populationen wieder nach Norden und Westen vordringen, mussten zu Beginn der nächsten Kaltzeit jedoch erneut zurückweichen.

          Elefanten, deren Urahnen vermutlich aus Südindien und Sri Lanka stammten, kehrten teils dorthin zurück. Teils fanden sie aber auch Zuflucht in der Sunda-Region, und bildeten dort genetische Eigenarten heraus. Weitere Warmzeiten, die den Elefanten wieder größere zusammhängende Lebensräume eröffneten, führten dann zu einer partiellen Überlappung und Vermischung dieser alten Abstammungslinien. Der Handel mit Arbeitselefanten, der erst in jüngster Zeit eine Rolle spielte, hat bei den frei lebenden Populationen dagegen keine merklichen Spuren hinterlassen.

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