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Gefiederter Dino : Zwei-Meter-Koloss mit Stummelarmen

  • -Aktualisiert am

Vor 125 Millionen Jahren streifte dieser gefiederte Dino durch die Urwälder Chinas. Bild: Chuang Zhao

Der bisher größte bekannte Dinosaurier mit vogelartigen Flügeln, der in China gefunden wurde, gibt den Forschern Rätsel auf.

          2 Min.

          Im Nordosten Chinas sind Wissenschaftler auf ein Fossil gestoßen, das Paläontologen noch einiges Kopfzerbrechen bescheren dürfte. Es handelt es sich um einen gefiederten Dinosaurier, der die ohnehin schon verwirrende Vielfalt solcher Funde noch steigert. Das Exemplar aus der wegen ihres Fossilienreichtums berühmten Provinz Liaoning ist rund 125 Millionen Jahre alt. Es besteht aus einem gut erhaltenen Skelett mit Überresten von Federn und lässt sich den Dromaeosauriern zuordnen.

          Das allein könnte aufgrund der vielen anderen Funde solcher befiederter Echsen, die aus den Gesteinsschichten der sogenannten Yixian-Formation seit den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts schon geborgen wurden, kaum noch größere Aufmerksamkeit erregen. Das neue Fossil weist aber ganz besondere Merkmale auf.

          Gut erhaltene Versteinerung von Zheyuanlong suni
          Gut erhaltene Versteinerung von Zheyuanlong suni : Bild: Junchang Lü

          Wie Junchang Lü von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking und Stephen Brusatte von der Universität Edinburgh in den „Scientific Reports“berichten, stammt das Skelett wohl von einem noch nicht ganz ausgewachsenen Tier. Dennoch ist es mit gut 120 Zentimeter Länge recht stattlich. Zusammen mit dem fehlenden hinteren Teil des Schwanzes ergeben sich geschätzte 165 Zentimeter. Auch das Federkleid von Zhenyuanlong suni - wie die Forscher die Spezies benannt haben - lässt sich weitgehend rekonstruieren.

          Größter Dino mit vogelartigen Flügeln und Federn

          Demnach war der Körper größtenteils von daunenartigen, einfach strukturierten Federn umhüllt. Die - recht langen - Beine indessen dürften nackt gewesen sein. Ganz anders aber die Vorderextremitäten und der Schwanz: Diese trugen lange, kräftige Konturfedern, wie man sie von anderen Dromaeosauriern her kennt. Vor allem an den Armen und am Schwanz ähneln sie in Größe und Form denjenigen von Vögeln.

          Die Schwanzfedern mitgerechnet, dürfte Zhenyuanlong ungefähr zwei Meter lang gewesen sein und den Titel „Größter bekannter Dinosaurier mit vogelartigen Flügeln und Federn“ verdienen. Dazu kommt ein weiterer Superlativ in den Skelettproportionen: Die Arme sind nur knapp halb so lang wie die hinteren Extremitäten. Bei keinem anderen Dromaeosaurier aus Liaoning finden sich derartige Stummelflügel. Der bekannte, etwa katzengroße Microraptor zum Beispiel konnte mit Flügeln aufwarten, die ebenso lang waren wie seine Beine, was ihn wohl zum Gleitflug befähigte. Sogar der etwa taubengroße „Urvogel“ Archaeopteryx, der sowohl als Vogel als auch als Dinosaurier gelten darf, war schon vor 150 Millionen Jahren zumindest zum Gleitflug in der Lage. Dem viel jüngeren Zhenyuanlong mit seinen kurzen Armen dürfte das Fliegen verwehrt geblieben sein, zumal er schätzungsweise 20 Kilogramm wog.

          Das wirft wieder einmal die Frage nach der Evolution der Federn auf. Diskutiert wird zum Beispiel eine Funktion im Wärmehaushalt und beim Ausbrüten der Eier. Konturfedern, vielleicht auffällig geformt und gefärbt, könnten auch zum Imponieren bei der Balz oder bei Kämpfen gedient haben. Lange Schwanzfedern halfen möglicherweise beim Manövrieren im schnellen Lauf oder während eines Sprungs. Solche Funktionen könnten nach Ansicht von Paläontologen auch bei Zhenyuanlong suni im Vordergrund gestanden haben - aber der Nebel der Jahrmillionen lässt vieles im Ungewissen.

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