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Galapagos-Archipel : Reptilien mit Resistenzen

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Bild: $image.photoCredit

Auf Galapagos breiten sich veränderte Keime aus, die gegen Antibiotika resistent sind. Man fand sie im Kot von Meerechsen, Schildkröten und im Meer.

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          Nicht zu Unrecht gilt der Galapagos-Archipel als natürliches Laboratorium der Evolution. Viele Tier- und Pflanzenarten dieser Inselwelt kommen nirgendwo sonst vor. An solchen endemischen Spezies hat Charles Darwin wichtige Erkenntnisse zur Entstehung der Arten gewonnen. Doch inzwischen greift der Mensch zunehmend in das natürliche Gefüge ein, sei es durch Besiedelung und Tourismus, sei es durch eingeschleppte Tiere und Pflanzen. Anthropogene Einflüsse auf Fauna und Flora sind gut dokumentiert.

          Doch es gibt auch unsichtbare Veränderungen. Neuen Forschungsergebnissen zufolge haben Bakterien, die resistent gegen verschiedene Antibiotika sind, einen Weg in den Verdauungstrakt von Reptilien und in das Meerwasser gefunden.

          Resistenzen vor allem in Touristen-Regionen

          Rückschlüsse auf die Darmflora wildlebender Tiere lassen sich verhältnismäßig leicht gewinnen - anhand des Kots. Diese Möglichkeit haben auch Forscher um Roderick Mackie von der University of Illinois in Urbana-Champaign genutzt. Auf vier Inseln sammelten sie an verschiedenen Stellen frischen Kot von Riesenschildkröten und zwei Leguanarten - der Meerechse sowie des Drusenkopfes. Alle diese Spezies kommen nur auf dem Galapagos-Archipel vor. Auch Meerwasser wurde untersucht. Die Forscher isolierten und kultivierten zwei Arten von Darmkeimen, und zwar Kolibakterien (Escherichia coli) und Salmonellen (Salmonella enterica). Diese prüften sie dann auf Resistenzen gegen insgesamt zehn gängige Antibiotika verschiedener Klassen.

          Wie die Gruppe um Roderick Mackie im "Journal of Wildlife Diseases" (Bd. 48, S. 56) berichtet, fand sich an zwei von insgesamt sechs untersuchten Stellen eine Resistenz gegen mindestens ein Antibiotikum. Die entsprechenden Kotproben stammten von Reptilien aus Gegenden, die von Touristen frequentiert werden. Knapp ein Drittel der geprüften Kolibakterien erwies sich als unempfindlich gegen Ampicillin, Doxycyclin, Tetrazyklin und Trimethoprim/Sulfamethoxazol. Auch im Meerwasser nahe einem Badestrand wurde man fündig.

          Zusammenhang mit Nutztierhaltung

          Ein anderes Bild ergab sich bei den Salmonellen. Eine echte, klinisch bedeutsame Resistenz war bei diesen Keimen nicht nachzuweisen, sondern allenfalls eine etwas erhöhte Widerstandsfähigkeit gegenüber Doxycyclin und Tetrazyklin. Die Forscher hat das überrascht, sind doch Kolibakterien und Salmonellen eng verwandt. Möglicherweise, so ihre Erklärung, unterscheide sich die Ökologie der beiden Keime im Verdauungstrakt der Reptilien und in der Umwelt deutlich. Es bedürfe eines tieferen Verständnisses dieser Zusammenhänge, ehe man weitreichende Schlüsse über den Austausch von Mikroben zwischen Mensch und Tier ziehe. Nachweisbare Veränderungen wie die Antibiotikaresistenz könnten jedoch helfen, durch geeignete Maßnahmen das Risiko einer Krankheitsübertragung zu verringern.

          Dass man gegen Antibiotika resistente Mikroben gehäuft bei Wildtieren findet, die in der Nähe des Menschen leben, haben auch andere Untersuchungen gezeigt. Schon vor zwei Jahren sind italienische Forscher bei Studien an dem auf der Galapagos-Insel Santa Fé heimischen Drusenkopf zu diesem Ergebnis gekommen. "Kein Mensch, keine Resistenz", lautete ihr Resümee. Auch Nutztiere kommen als Quelle für resistente Keime in Frage. Das haben Berliner Forscher bei einer Untersuchung in Deutschland herausgefunden: Nager aus Gegenden mit Tierhaltung wiesen häufiger entsprechende Kolibakterien auf.

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