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Hilft ein Notfallplan? : Killerpilze im Froschparadies

Der Madagaskar-Frosch Boophis quasiboehmei Bild: Miguel Vences / TU Braunschweig

Er ist der Tod der Frösche: Ein parasitischer Pilz, der massenhaft die Haut der Lurche befällt, hat auf seinem Feldzug durch die Kontinente das Froschparadies Madagaskar erreicht. Hilft ein Notfallplan?

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          Nun also auch Madagaskar. Die Insel, wenngleich groß, bevölkerungsreich und längst alles andere als ein Hort unberührter Natur, schien mit ihrem ungeheuren Reichtum an einmaligen und seltenen Organismen bis vor kurzem noch verschont von einer Seuche, die wie keine zweite die Artenvielfalt des Planeten bedroht. Infektiöse Pilze sind regelrechte Killer im Tierreich. Immunologisch ohnehin geschwächt von den Belastungen rasend schneller Umweltveränderungen, sind viele Arten - Bienen, Korallen, Fledermäuse und Lurche - den infektiösen Pilzparasiten ausgesetzt. Besonders dramatisch ist das in den vergangenen Jahren bei den Amphibien zu beobachten. Batrachochytrium, der Chytridpilz, zieht wie ein tödlicher Sturm um den Globus. Er zerstört die Mikroflora auf der Haut, mit der die Lurche atmen. Anfang des Jahrtausends war er noch in wenigen Ländern zu finden. Inzwischen wütet er quasi auf jedem Kontinent.

          Eine weitere Art aus der Gattung Boophis: Mehr als zweihundert Froscharten wurden auf Madagaskar entdeckt
          Joachim Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Nachdem der gefährliche Pilz B. dendrobatidis in Süd- und Mittelamerika einfiel, sind mehr als 110 Stummelfußfrosch-Arten - zwei Drittel der Gattung - aus ihrem Verbreitungsgebiet verschwunden; das Hochland Panamas hat 41 Prozent seiner Froscharten durch die Pilzinfektion eingebüßt. Und nun also Madagaskar. Dort sind 290 bekannte und vermutlich nochmal fast ebenso viele unentdeckte Froscharten bedroht. Wie eine Forschergruppe um Miguel Vences und Molly Bletz von der TU Braunschweig sowie Dirk Schmeller vom Umweltforschungszentrum in Leipzig in „Scientific Reports“ (doi: 10.1038/srep /08633) berichten, ist der gefährliche Pilz erstmals bei Analysen von mehr als viertausend Amphibien in fünf Regionen Madagaskars nachgewiesen worden. Wie anderswo sind vor allem Arten in Hochlagen befallen - aber eben auch in abgelegenen Regionen. Wie die Parasiten dorthin kommen, ob mit Krebsen, Zugvögeln oder eingeschleppten Kröten, ist noch unklar. Auch, was die Folgen betrifft. In Brasilien waren immerhin Frösche beschrieben worden, die resistent gegen den Pilz sind. Ein Hoffnungsschimmer. Damit nicht der schlimmste Fall eintritt und die seltenen Arten rasch verschwinden, planen die deutschen Wissenschaftler zusammen mit der Regierung einen Notfallplan aufzustellen und mehrere Frosch-Zuchtstationen auf der Insel einzurichten.

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