https://www.faz.net/-gwz-8csv4

Europas Arktis : No-go-Zone für Eisberge und Windparks

  • -Aktualisiert am

Und auch im fernen Oslo, in dem sich noch am ehesten kritische Stimmen finden, träumen viele Politiker mit - was sie von schönen Sätzen zum Klima-Abkommen von Paris nicht abhält. Zufrieden nahm die Politik gerade die Mitteilung von Statoil zur Kenntnis, die Kosten für die geplante Erschließung des nächsten arktischen Ölfelds, „Johan Castberg“, halbiert zu haben, so dass das Projekt trotz der ungünstigen Marktsituation wieder vorstellbar scheint. Bürgermeister Jakobsen zeigt eine Karte, auf der das Johan -Castberg-Feld und die vielen neuen Gebiete in der Barentssee eingezeichnet sind, über die bereits intensiv nachgedacht wird, und dass eine weitere Konzessionsrunde ansteht, weiter im Norden, weiß er wohl auch. Im Gespräch betont er freilich auch, dass der Rückhalt der Lokalbevölkerung für solche Aktivitäten an erkennbare Gegenleistungen der Industrie gebunden ist. „Man muss den Firmen gegenüber selbstbewusst auftreten, was manche Leute unterschätzen, und sehr deutlich sagen, was wir als Gesellschaft erwarten.“ Hohe Sicherheitsstandards zum Beispiel, Engagement für die lokale Gemeinschaft und eine offene, Sorgen und Anregungen ernstnehmende Kommunikation.

An diesem Eisberg könnte manches zerschellen: Bei Arte kommen wir aber elegant und in 3D um alle Tiefkühlklippen herum

Ist das nicht naiv? Nein, sagt Jakobsen. Die Industrie sei gerade jetzt, beim Aufbau ihrer Infrastruktur im Norden, von der Unterstützung der örtlichen Gesellschaft stark abhängig. Allerdings müsse man den Kontakt zu den beteiligten Firmen früh suchen und intensiv pflegen - und den richtigen Ton finden: „Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, solche Themen im direkten respektvollen Gespräch statt indirekt über die Presse zu klären.“

Man wird sehen, wie das langfristig läuft. Und ob die Stimmung nach den Pilotprojekten Snöhvit und Goliat nicht doch irgendwann umschlägt. Zu den über 1500 Forschern, Politikern, Geschäftsleuten und Diplomaten, die auf der zehnten „Arctic Frontiers“-Konferenz in Tromsö über das Thema „Industrie und Umwelt“ nachdenken (das Sekretariat des Arktischen Rats hat in der Forschungsstadt seinen Sitz) zählen jedenfalls auch Kritiker der Ölförderung in der Arktis wie die Juristin Beate Sjaafjell, die verfassungsrechtliche Bedenken gegen neue Projekte weiter nördlich in der Barentssee.

Gibt es nicht vielleicht auch in Finnmarken, der nur 75 000 Einwohner zählenden Provinz, zu der Hammerfest zählt, mehr skeptische Stimmen als vor einigen Jahren? Schon. Im Rathaus von Hammerfest findet sich neuerdings sogar ein grünes Ratsmitglied. Beim Umbau der modernen Promenaden nebenan sollen die Stadt-Planer auch darüber gesprochen haben, wie sich der prognostizierte Anstieg des Meeresspiegels auf die Stadt auswirken könnten. Der Plan eines Onshore-Windparks zerschlug sich unterdessen, weil die umherziehenden Rentiere der Sami von den Windmühlen, Versorgungsstraßen und Überlandleitungen gestört worden wären.

Weitere Themen

Heiß, wie in der Arktis

FAZ Plus Artikel: Sommerhitze : Heiß, wie in der Arktis

Die erste landesweite Hitzeperiode des Sommers ist da. Neue Temperaturrekorde gibt es in diesem Jahr allerdings woanders. Und sie lassen inzwischen keinen vernünftigen Zweifel mehr zu, dass zwischen ihnen und dem globalen Klimawandel ein Zusammenhang besteht.

Warum fällt die ISS nicht auf die Erde? Video-Seite öffnen

Erklärvideo : Warum fällt die ISS nicht auf die Erde?

Warum fällt die Internationale Raumstation ISS nach all den Jahren, die sie bereits in ihrer Erdumlaufbahn verweilt nicht irgendwann vom Himmel? Und was, wenn es doch passieren sollte? Unser Erklärvideo gibt Antworten.

Topmeldungen

Präsident Wladimir Putin nimmt am Freitag von seiner Residenz Nowo-Ogarjowo aus an einer Kabinettssitzung teil.

Proteste in Belarus : Droht eine Intervention Moskaus?

Für den Kreml ist die Lage in Belarus ambivalent – das zeigen auch die Reaktionen aus Moskau. Die große Frage ist, was Putin macht, wenn Lukaschenka ernstlich gefährdet ist.
Ermittlungen: Apotheker und Ärzte werfen dem Angeklagten vor, Verfahren gegen sie aufgebläht zu haben (Symbolbild).

Frankfurter Korruptionsaffäre : Mediziner erheben schwere Vorwürfe

In der Korruptionsaffäre um einen Frankfurter Oberstaatsanwalt sollen Ermittlungen nur geführt worden sein, um Geld zu generieren. Das könnte sich noch zu einem weitaus größeren Skandal auswachsen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.