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Europas Arktis : No-go-Zone für Eisberge und Windparks

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Wohl deshalb steht auch ein Abstecher zur Erdgas-Verflüssigungsanlage auf Melköya auf dem Programm. Während draußen, im Zwielicht der Anlage, die Arbeiter mit Mountain-Bikes von einem Rohr zum anderen flitzen, spricht Produktions-Direktor Knut Gjertsen aufgeklärt vom Energiehunger und den Emissionen der Welt. Um dann breitbeinig zu erklären, dass man hier, im „Snöhvit“-Projekt, einen Großteil des anfallende Kohlendioxid in den Meersboden hineinpumpen kann. Die großen Tanker, die mit Gas für die Kundschaft in Ländern wie Spanien beladen werden, führen mit Gas. Und bei der Installation der Unterwasser-Anlagen zwischen Feld und Fabrik habe man Rücksicht auf die Interessen der Fischer genommen.

Ein imposanter Auftritt. Statoil versucht sich als klimabewusster Konzern zu positionieren. Beim Zuhören vergisst man beinahe, dass es beim Treck in die Arktis nicht nur um Gas geht, sondern auch um Öl. Was gab es da nicht schon für Schlagzeilen aus Grönland, Russland, Alaska: Greenpeace protestierte 2010 gegen die (erfolglosen) Probebohrungen von „Cairn Energy“ nahe der Disko-Bucht, 2013 gegen die (mittlerweile produzierende) Gazprom-Plattform Prirazlomnoya in der Petschorasee, und Shell versenkte bei umstrittenen Probebohrungen in Alaska 2015 viel Geld.

Um „Goliat“ ist es vergleichsweise ruhig. „Man kann das ja auch nicht vergleichen.“ Kjartan Mikalsen vom Industri-Inkubator „Pro Barents“ in Hammerfest ist etwas genervt, wenn man Goliat (71.3 Grad Nord) beim Abendessen mit anderen arktischen Projekten nennt: „Sehen Sie hier irgendwo Eisberge? Hier gibt es dank des Golfstroms kein Eis.“ Außerdem sei Norwegens Industrie ebenso gut reguliert wie technisch versiert, seit der Entdeckung des Nordsee-Öls habe es dort keine großen Umweltkatastrophen gegeben. Er redet, als sei das arktische Ökosystem nicht auch vor Norwegens Küste verwundbar.

Die moderne LNG-Anlage in Hammerfest

Trotzdem hat der Mann recht: Vor Hammerfest gibt es keine Eisberge. Es gibt es nicht einmal Eisbären, obwohl der Eisbär im Stadtwappen zu sehen ist. Aber Fische gibt es, und Fischer damit auch. Sollte es nach der Betriebsaufnahme der Goliat-Plattform zu einem Unfall kommen, sagen sie in Hammerfest, stünden einige dieser Fischer recht schnell parat. Sie zählen zu einer rund dreißig Boote starken Bereitschaftstruppe, die mit der Ölbranche kooperiert, auf Materialdepots zurückgreifen kann und den Ernstfall, die Eindämmung einer Ölpest, der ihre wirtschaftliche Grundlage bedrohen würde, mithilfe von ausgestreutem Popcorn auf den Wellen übt. Bürgermeister Jakobsen sagt: „Unter den hiesigen Fischern gab es keinen Protest gegen das geplante Öl, wie es in der Diskussion um etwaige Öl- und Gasprojekte vor den Lofoten und Vesteraalen der Fall ist.“

Die Fischer, die sich für den Fall einer Ölpest trainieren lassen, sagen das ähnlich. Allerdings fügen sie hinzu, dass es doch besser sei, mit den Leuten an einem Tisch zu sitzen und im Ernstfall reagieren zu können, als laut zu protestieren und dann ausgeklammert zu werden. Das könnte bedeuten: Die Industrie kommt so oder so. Sie ist ja für den Norwegen gut. Die Lokalpolitiker an der Nordküste träumen von ihr seit vier Jahrzehnten, als das Oljeeventyret im Südwesten begann.

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