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Forschungsreise : Palmwein aus Ganymeds Hand

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Für Haeckel war Affenfleisch eine Delikatesse

In Weligama, an der Südspitze der Insel, wo er ein „zoologisches Laboratorium“ aufbaute, unternahm er neben kleineren Ausflügen, bei denen er Getier von der Meeresoberfläche abfischte, auch eine längere Exkursion mit einem traditionellen ceylonesischen Boot. Nach vierstündiger Fahrt, in vierzig bis fünfzig Seemeilen Entfernung, sammelte er diverse Quallen und Larven ein, die verfügbaren Glasgefäße waren im Nu voll. So reich die Ausbeute war, bestärkte sie ihn doch in seiner Auffassung, dass sich die Meeresbewohner der verschiedenen Ozeane nicht so sehr unterscheiden wie die Landbewohner der verschiedenen Kontinente.

An der Küste begegnete er wieder den Flederfüchsen, diesmal allerdings als Speisenzutat. Im Reisebericht beschrieb er die verschiedenen süßen und scharfen Speisen, das „Cörry“ und seine Zutaten: „Bald erschien dieses undefinirbare ragoutförmige Mixtum compositum mehr vegetabilisch, in manngfaltigster Weise aus Cocosnuß und verschiedenen Früchten oder Gemüsen zusammengesetzt; bald mehr animalisch, mit Fleisch verschiedener Art aufgestattet.“ Vorbehalte gegen Affenfleisch - geröstet oder in Essig eingelegt - hatte Haeckel keine und fand sogar, dass „Cannibalismus eigentlich zur raffinirten Gourmandie“ gehöre.

Von solchen Entdeckungen einmal abgesehen, entspricht die Tierwelt der Insel seinen hohen Erwartungen nicht. Er tröstet sich damit, „daß alle Zoologen, welche früher diese Insel besucht hatten, in ähnlicher Weise enttäuscht wurden“.

Hier sind die himmelblauen Regenwürmer 1,50 Meter lang

Moderne Taxonomen rechnen Sri Lanka dagegen zu den biologischen Hotspots der Erde. Die Insel weist rund 3900 Pflanzen- und 123 Säugetierarten auf - gut ein Viertel der Pflanzen und jedes zehnte Säugetier ist dort endemisch. Die Ursache ist das lange Eigenleben der Insel, die sich vor etwa 12 Millionen Jahren vom indischen Subkontinent löste, was die Herausbildung besonderer Formen ermöglichte. Heute geht man davon aus, dass die Zusammensetzung der Pflanzenwelt bis etwa 500 v. Chr. vom Menschen unbeeinflusst blieb.

Den letzten Monat seines Aufenthaltes hatte sich Haeckel für das Hochland vorbehalten. Die „wildesten und ursprünglichsten Theile“ wollte er besuchen, dorthin gelangen, wo die menschliche Zivilisation aufhört. An einem Frühlingsmorgen bestieg er durch dichten Wald und an rauschenden Bergbächen und Wasserfällen vorbei den Pidurutalagala, die mit 2500 Metern höchste Erhebung der Insel. Es gibt dort einige Überraschungen: die eineinhalb Meter langen himmelblauen Regenwürmer etwa, den prächtigen Waldhahn und einen aschgrauen Affen. Auf den meist mit Urwald bedeckten Horton Plains, die heute ein Nationalpark sind, signalisierten frische Dunghaufen die Nähe wilder Elefanten. Die nächsten Tage bewegte sich Haeckel mit seinen Begleitern auf sogenannten Elephantenstrassen durch das Dickicht. Einer Herde begegneten sie dort aber nicht - vielleicht zu ihrem Glück.

Haeckel ist vor allem an Pflanzen und Tieren interessiert. Allerdings sind es gerade seine Beschreibungen der einheimischen Menschen, die sich leitmotivisch durch die „Indischen Reisebriefe“ ziehen. Schon bei seinem Zwischenstopp in Indien nimmt Haeckel die nackten braunen Körper wahr, die „meistens nur mit einem weißen Schurze, oder einem weißen Lappen bekleidet sind“.

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