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Forschungsreise : Palmwein aus Ganymeds Hand

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Typisch für die Gewattas ist der Jackfruchtbaum, dessen Früchte bohnenförmige Kerne enthalten, die im reifen Zustand einen stechenden Geruch verbreiten, aber essbar sind, etwa als Ersatz für Reis. Die Nutzung des Baumes endet nicht bei den Früchten. Aus dem Holz werden Möbel gefertigt, denn es ist mindestens genauso hart wie Teak und unempfindlich gegenüber Wasser. Früher verwendete man das Sägemehl und die Wurzeln, um die Gewänder der Mönche mit einem satten Goldton zu versehen. Menschen allerdings sind in den Gewattas gar nicht so oft anzutreffen, sie kommen nur, wenn sie sich Früchte oder Kräuter holen. Auch Nutztiere gibt es kaum, weil die meisten der buddhistischen Bauern Vegetarier sind.

Das Pflanzenchaos entwirren? Unmöglich!

Noch heute existiert auf der Insel eine überraschende Vielfalt an Lebensräumen: von dichten tropischen Regenwäldern bis hin zu Korallenriffen, von Watten bis zu Savannen, von Mangrovenwäldern bis zu Sanddünen. Mit fast allem darin machte sich Haeckel nun vertraut. Besonders beeindruckten ihn die Palmen, die „Fürsten des Pflanzenreiches“. Im Hügelland, dessen tiefer gelegene Teile mit Wiesen und Reisfeldern bedeckt sind, entdeckte er den dichten Buschwald, über den er schreibt, dass er auch als „Dschungel“ bezeichnet wird - mit Bäumen „ohne alle Ordnung und frei von allem menschlichen Einfluß emporgeschossen und dergestalt wild durcheinander gewachsen, von den mannigfaltigsten Schling- und Kletterpflanzen überwuchert und bedeckt, mit parasitischen Farnen, Orchideen und anderen Schmarotzern überhäuft, ihre Lücken dergestalt mit einem bunten Gewirre der verschiedensten anderen Pflanzen ausgefüllt, daß es ganz unmöglich ist, den dichten Knäuel zu entwirren und die einzelnen durcheinander geflochtenen Gestalten voneinander abzulösen“. Bereits wenige Schritte ins Dickicht erforderten äußerste Vorsicht. Im Nu, so berichtet Haeckel, war er von Moskitos zerstochen, von Ameisen zerbissen und von all den Stacheln und Dornen gepiesackt, mit denen die Pflanzen „jeden Versuch abwehren, in ihr geheimnisvolles Labyrinth einzudringen“. Hier offenbarte sich ihm die Pracht von Gloriosa superba, der giftigen Kletterlilie Ceylons mit ihrer goldroten Krone, hier war er umgeben von großen schwarzen Affen und Schwärmen grüner Papageien. Eine über 1,80 Meter lange Rieseneidechse, die - vom Kopf einmal abgesehen - eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Krokodil aufweist, erlegte er mit einem Schuss in den Kopf. Hier lernte er auch die Talipot-Palme kennen, den „Hundertjahresbaum“, dessen riesiger Stamm an eine schlanke Marmorsäule erinnert und der nur ein einziges Mal blüht, meist zwischen dem 50. und 80. Lebensjahr. Dann bringt die Palme oberhalb ihres Blätterschopfes einen pyramidenförmigen Busch aus Millionen von kleinen, gelblich-weißen Blüten hervor.

Im Botanischen Garten von Peradeniya, wo er vier Tage blieb, erkannte Haeckel „ein natürliches Riesentreibhaus ersten Ranges“, das er als das Herz des botanischen Paradieses Ceylon ansah. Als er das, was er für die großen braunen Früchte eines Banyanbaumes hielt, pflücken wollte, stellte er verdutzt fest, wie sich die vermeintlichen Früchte schlagartig lösten und in alle Richtungen davonflogen - es handelte sich um Flederfüchse, Früchte fressende Fledermäuse oder „Fliegende Hunde“. Er feuerte einige Schüsse ab. „Diejenigen herabgefallenen Thiere, welche nicht tödtlich getroffen waren, wehrten sich auf das Heftigste mit ihrem scharfen Gebiß und den spitzen Krallen, und es kostete einige Mühe, ehe ich sie mit Hilfe meines Jagdmessers vollständig bewältigt hatte.“

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