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Kannibalismus : Ein Lurch zum Fressen

  • -Aktualisiert am

Eingewanderter nordamerikanischer Ochsenfrosch frisst einen einheimischen brasilianischen Frosch. Bild: Julia Tolledo

Warum wir uns vom Bild des Mücken fressenden Teichbewohners verabschieden sollten. Frösche vergreifen sich immer mal wieder an Artgenossen - und die Schlimmsten kommen von draußen.

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          Denken wir an Frösche, erscheint vor dem geistigen Auge sofort ein kleiner Trupp friedfertiger, im Wasser wogender Lurche, die gelegentlich mit der langen Zunge nach einem Insekt schnappen. Doch dieses Bild ist kaum noch zeitgemäß. Dass die glitschigen Tiere auch manchmal Artgenossen auf dem Speiseplan stehen haben, zeigt eine Studie von Wissenschaftlern aus Südafrika.

          Frösche oder Amphibien im Allgemeinen kann man als Allesfresser bezeichnen - Hauptsache, die Beute lebt. Von Mücken über Käfer und anderem Kleingetier ist die Speisekarte sehr umfassend. Doch in bestimmten Fällen verirrt sich auch mal ein eigener Verwandter im Magen der grünen Hüpfer. Dass Frösche zu Kannibalismus neigen, sei zunächst keine Neuigkeit für Forscher, sagt Miguel Vences, Herpetologe am Zoologischen Institut der TU Braunschweig. „Wir haben des Öfteren schon Überreste von Artgenossen in den Innereien von Fröschen gefunden.“ Doch warum genau die Tiere dazu neigen und ob es nur bestimmte Gruppierungen sind, konnte bisher nicht genau festgestellt werden. Um dies herauszufinden, haben südafrikanische Forscher Übereinstimmungen aus über 1300 Publikationen und Analysen zu diesem Thema in einer Studie zusammengetragen. Daraus ergaben sich 355 Dokumente die zum Suchschema passten. Die Studie mauserte sich so zu einer echte Fleißarbeit, und die Forscher mussten Untersuchungsergebnisse von über 40.000 Frosch-Mägen auswerten.

          Intention oder Zufall?

          Die Zahl scheint zunächst enorm hoch, doch in nur rund einem Fünftel der 355 gefundenen Untersuchungen wird Kannibalismus unter Fröschen erwähnt. Jedoch handelte es sich bei den gefundenen Rückständen meist um Eier oder Larven.  „Es scheint, dass Frösche alles fressen was sich bewegt, sofern sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind“, sagt Hauptautor der Studie John Measey von der Stellenbosch University in Südafrika. Der gleichen Ansicht ist auch Miguel Vences: „Solange etwas kleiner ist als der Frosch selbst, wird es automatisch zur potentiellen Mahlzeit, unabhängig davon ob es sich um einen Artgenossen handelt oder nicht“.

          Auf die Größe kommt es an

          Eine Erkenntnis der Studie hebt Miguel Vences allerdings hervor. Es sei sehr interessant, dass offenbar hauptsächlich bestimmte Gruppen von Fröschen hin und wieder kannibalisch unterwegs sind. Die Forscher um John Measey haben herausgefunden, dass besonders eingewanderte, also „invasive“ Froscharten dazu neigen, andere Frösche zu fressen. Tatsächlich sei die Wahrscheinlichkeit, dass Frösche andere Frösche fressen, vierzig mal höher, wenn die Tiere in einer fremden Umgebung leben.  Das läge wohl vor allem daran, dass eingewanderte Exemplare meistens größer sind als die Einheimischen.

          Trotz dieser Ergebnisse drängt sich im Fazit wieder die Behauptung des „Allesfressers“ auf: In Gebieten, in denen viele verschiedene Froscharten leben, sind die Tiere eher dazu geneigt, Artgenossen zu fressen als in Arealen mit wenigen Arten. Das Ergebnis sei eine Warnung für Naturschützer, zu reagieren, sobald Frösche einwandern und Lebensräume unterwandern, meint Measey.

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