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Die Welt der Raubtiere : Was einen Rekordläufer ausmacht

  • -Aktualisiert am

Stets bereit zum großen Sprung: der Gepard Bild: dpa

Biegsames Rückgrat und schlanke Beine: Das Bewegungswunder Gepard jagt damit sogar bei Mondschein.

          4 Min.

          Raubtiere auf der Jagd nach Beute müssen sportliche Höchstleistungen liefern. Doch was heißt das für ihren kleinsten Vertreter, das Mauswiesel, oder für die Großen, die Afrikas Steppengebiete bevölkern wie Löwe, Leopard, Gepard oder Windhund? Drei Forschergruppen haben nun das Jagdverhalten der Raubtiere näher untersucht und dabei überraschende Beobachtungen machen können.

          Dass Wildhunde und Geparde etwa gerne bei Mondschein jagen, haben Wissenschaftler um Gabriele Cozzi von der Universität Zürich und Femke Broekhuis von der Oxford University bei einem Forschungsaufenthalt in Botswana herausgefunden (“Ecology“, Bd. 93, S. 2590). Diese flinken, aber eher grazil gebauten Raubtiere galten bisher als hauptsächlich tagaktiv. Nach gängiger Ansicht sollten sie die Dunkelheit strikt meiden, um stärkeren Konkurrenten nicht in die Quere zu kommen. Im Okavango-Delta zum Beispiel, einem einzigartigen Mosaik aus Sumpf und Steppe nördlich der Kalahari, leben Wildhunde und Geparde in enger Nachbarschaft mit Löwen und Gefleckten Hyänen. Alle vier haben es dort auf ein ähnliches Sortiment von Beutetieren abgesehen.

          Den Tag zur Nacht gemacht

          Um den verschiedenartigen Raubtieren rund um die Uhr auf der Spur bleiben zu können, bestückten die Forscher jeweils einige mit kleinen Sendern und Bewegungssensoren. Diese lieferten bis zu zwanzig Monate lang kontinuierlich Informationen über ihre Träger und ergänzten so die unmittelbaren Beobachtungen. Dass Löwen und Hyänen vor allem nachts auf die Pirsch gehen, bestätigte sich. Die Löwen suchen sich tagsüber ein schattiges Plätzchen, um ausgiebig auszuruhen. Hyänen verkriechen sich in ihren Bau, der auch als Kinderstube dient. Wildhund und Gepard sind dagegen auch noch lange nach Sonnenaufgang aktiv. Selbst in der Mittagshitze, wenn sich Löwen und Hyänen nicht aus der Reserve locken lassen, stellen sie bisweilen ihrer Beute nach. Ob sie sich dafür in der Nacht Ruhe gönnen, kommt auf die Mondphase an. Wenn der Mond kaum Licht ins Dunkel bringt, überlassen Wildhund und Gepard das Terrain tatsächlich den Löwen und Hyänen. Bei hellem Mondschein werden sie jedoch munter. Etwa 40 Prozent der täglichen Aktivität verlagern sich dann auf die Nachtstunden.

          Die unleidliche Konkurrenz

          Sich unbemerkt anzuschleichen ist nachts zweifellos einfacher als am helllichten Tag. Allerdings sind Wildhund und Gepard auf halbwegs gute Sicht angewiesen, denn bei der Jagd setzen sie auf Schnelligkeit. Wildhunde hetzen ihre Beutetiere mit einer Geschwindigkeit von bis zu sechzig Kilometern pro Stunde. Geparde können sogar auf mehr als hundert Kilometer pro Stunde beschleunigen. Dabei gilt es, die Füße präzise zu plazieren, um fatale Fehltritte zu vermeiden. Dass in Vollmondnächten auch Löwen und Hyänen unterwegs sind, müssen die flinken Jäger in Kauf nehmen. Stets auf der Hut, gehen sie den gefährlichen Nachbarn weiträumig aus dem Weg.

          Training der Windhunde in der Windhund Arena.

          Der Wildhund ist ein geborener Langstreckenläufer. Der Gepard versucht dagegen, seine Beute möglichst schnell einzuholen. Zuverlässige Messungen in freier Wildbahn ergaben, dass er in knapp sieben Sekunden zweihundert Meter zurücklegen kann. Für diese Strecke braucht selbst ein Usain Bolt mehr als 19 Sekunden. Vierbeiner bleiben ebenfalls weit abgeschlagen hinter dem schnellsten Säugetier zurück. Und das, obwohl sich Hundezüchter große Mühe gegeben haben, Windhunden wie den Greyhounds die Statur eines Gepards zu verleihen. Warum die eleganten Raubkatzen trotzdem viel flinker sind, haben Perry Hudson, Sandra Corr und Alan Wilson von der University of London versucht herauszufinden (“The Journal of Experimental Biology“, Bd. 215, S. 2425).

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