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Die Ursprünge des Niederschlags : Der Regen hat viele Quellen

  • -Aktualisiert am

Überflutetes Dorf in Punjab Bild: REUTERS

Europa erhält sein Nass nur aus dem Atlantik, während der indische Subkontinent praktisch mit Wasser aus allen Richtungen überschüttet wird. Die Analyse einer Forschergruppe offenbart überraschende Ergebnisse.

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          Woher stammt eigentlich der Regen? Die Antwort auf diese Frage erschient in unseren mitteleuropäischen Breiten eher banal. Eingezwängt vom Azorenhoch, das sich im Uhrzeigersinn dreht, und dem Islandtief, das gegenläufig rotiert, bewegen sich große Tiefdruckgebiete, also Regengebiete vom Atlantik kommend in Richtung Festland. An anderen Regionen der Erde sind die Quellen des Regens längst nicht so leicht zu identifizieren. Eine Forschergruppe aus Spanien und Portugal hat nun versucht, die Frage nach den Ursprüngen des Niederschlags weltweit zu beantworten, und kommt dabei zu überraschenden Ergebnissen. Danach wird vor allem der jüngst von schweren Überflutungen heimgesuchte indische Subkontinent gleichsam von allen Seiten beregnet.

          Insgesamt fallen auf der Erde pro Jahr etwa 500.000 Kubikkilometer Niederschlag. Diese Menge reicht aus, ganz Deutschland unter 1,4 Kilometer Wasser versinken zu lassen. Fast 90 Prozent des Regens gehen über den Meeren nieder, und nur ein Zehntel erreicht das Festland, wenngleich regional in äußerst unterschiedlichen Mengen. Während in der Atacamawüste im Durchschnitt nur zwanzig Millimeter Niederschlag pro Jahr fallen, ist es über dem Zentrum der zu Hawaii gehörenden Insel Kauai nahezu die tausendfache Menge. Ähnliche regionale Unterschiede gibt es auch bei den Verdunstungsraten der Meere und Kontinente.

          Die wichtigste Quelle: der subtropische Nordatlantik

          Der hohe Nordatlantik, der Nordpazifik und das Südpolarmeer rund um die Antarktis tragen so gut wie gar nicht zur Steigerung der Feuchtigkeit der Atmosphäre bei. Aus den tropischen und subtropischen Ozeanen verdampft dagegen Wasser in großen Mengen. An Land sind das Amazonasgebiet sowie die Sahelzone jene Gebiete, aus denen die größten Mengen an Feuchtigkeit verdampfen.

          Die Forschergruppe um Luis Gimeno von der Universidade de Vigo in der spanischen Stadt Ourense hat aus den Verdunstungsraten über den einzelnen Meeres- und Landgebieten und den jeweils dort vorherrschenden Winden ein globales Transportmodell für Wasserdampf und Wolken entwickelt. Mit einem Computer konnten die Wissenschaftler damit nachvollziehen, woher der über den verschiedenen Landmassen niedergehende Regen stammte und wie groß die entsprechenden Mengen waren. Es stellte sich heraus, dass das als Niederschlag fallende Wasser nur selten länger als zehn Tage in der Atmosphäre verbracht hatte. Meistens ist das Regenwasser nur wenige Tage alt.

          Wie Gimeno und seine Kollegen jetzt in der Zeitschrift „Geophysical Research Letters“ schreibt, ist der subtropische Nordatlantik weltweit die wichtigste Quelle für Regen über den Landmassen. Es handelt sich dabei um das Gebiet zwischen den Kleinen Antillen im Westen und den Kanaren und Kapverden im Osten. Das dort verdampfende Wasser geht je nach Jahreszeit über dem östlichen Nordamerika, über Südamerika östlich der Anden sowie über Europa und Nordafrika als Regen nieder. Das entsprechende atlantische Meeresgebiet südlich des Äquators ist die zweitwichtigste Quelle für Landregen. Es liefert den größten Teil des Niederschlages über dem Amazonasbecken.

          Über den subtropischen Regionen des Pazifiks verdampft zwar ebenfalls außerordentlich viel Wasser. Da dieser Ozean aber wesentlich größer als der Atlantik ist, erreicht nur ein kleiner Teil davon das Land. Vor allem im Nordwinter bezieht das westliche Nordamerika praktisch seinen gesamten Niederschlag aus dem Pazifik, und auch in Mittelamerika regnet es dann Pazifikwasser.

          Über Meeresgebieten verdampfen riesige Mengen Wasser

          Nach den Modellrechnungen ist die Situation über dem Indischen Ozean und seinen angrenzenden Gebieten erheblich komplexer. Dort gibt es insgesamt vier wichtige Wasserdampfquellen. Neben dem tropischen, zentralen Teil des Indik trägt hauptsächlich das Arabische Meer zur Steigerung der Feuchtigkeit in der Luft bei. Überraschend ist, dass auch über zwei relativ kleinen Meeresgebieten riesige Mengen Wasser verdampfen. Es sind die Regionen, die von den beiden entlang Ostafrika fließenden Küstenströmen - dem Agulhasstrom und dem Sansibarstrom - dominiert werden. Wasser, das über diesen vier Regionen des Indischen Ozeans verdampft, fällt im Nordwinter als Niederschlag über Ost- und Südafrika und über der Arabischen Halbinsel.

          Im Sommer trägt der Südwestmonsun diesen Wasserdampf in Richtung Indien, Pakistan und Bangladesh. Den Modellrechnungen zufolge bezieht der indische Subkontinent während der gegenwärtigen Monsunmonate zusätzlich noch Regen, der ursprünglich als Wasser aus dem Roten Meer sowie über der Sahelzone verdampft ist. Nirgendwo sonst auf der Erde gibt es derart viele Quellen für den Niederschlag wie während der Monsunzeit in Indien.

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