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Ozeanversauerung : Die Riesen schrumpfen

  • -Aktualisiert am

Tridacna maxima: Riesenmuschel Bild: CC BY-SA 3.0

Die gute Nachricht: Riesenmuscheln können auch in etwas saureren Meeren überleben. Die schlechte: Sie brauchen mehr Licht. Wie viel Lebensraum bleibt ihnen künftig?

          Die Versauerung der Weltmeere, die von der Kohlendioxidanreicherung in der Luft forciert wird, macht insbesondere jenen Meeresbewohnern zu schaffen, die sich ein Skelett oder eine Schale aus Kalk zulegen. Je saurer das Wasser, desto schwieriger wird es, ausreichend Kalziumkarbonat herauszuholen. Davon betroffen sind die Riesenmuscheln der Gattung Tridacna, die allesamt auf der Roten Liste der International Union for Conservation of Nature (IUCN) stehen. Wenn diese imposanten Muscheln einen Platz an der Sonne finden, könnten sie jedoch vor dem Schlimmsten bewahrt bleiben. Das berichtet Sue-Ann Watson von der James Cook University in Townsville, Queensland in der Online-Zeitschrift „Plos One“ (doi: 10.1371/journal.pone.0128405).

          Ähnlich wie die Korallen, die tropische Riffe aufbauen, setzen auch die Riesenmuscheln auf Solarenergie: Sie beherbergen einzellige Algen, von denen sie sich unmittelbar mit Produkten der Photosynthese versorgen lassen. Junge Schuppige Riesenmuscheln wurden von den Forschern acht Wochen lang in Aquarien einquartiert. Einige erhielten dort in etwa so viel Licht wie in klaren tropischen Gewässern in ungefähr zehn Meter Tiefe. Andere mussten mit einem Fünftel dieser Lichtintensität vorliebnehmen. Sie wuchsen zwar erwartungsgemäß langsamer, doch alle überlebten, wenn die Luft über dem Aquarium nicht mehr Kohlendioxid als rund 400 ppm - dem aktuellen Messwert in der Luft - enthielt. Gegen Ende dieses Jahrhunderts könnten es 650 bis 950 ppm werden. Wenn die Kohlendioxidkonzentration über den Aquarien solche Größenordnungen erreichte, bekam das den schwach beleuchteten Muscheln schlecht. Je mehr Kohlendioxid in der Luft war, desto höher war die Sterberate. Die überlebenden Exemplare wuchsen bei einem Kohlendioxidanteil von 650 ppm kaum noch. Wenn sie 950 ppm ausgesetzt waren, schrumpften sie sogar. Weitaus härter im Nehmen zeigten sich die gut beleuchteten Muscheln. Alle überlebten, selbst bei einem Kohlendioxidanteil von 950 ppm. Allerdings konnten sie dann deutlich weniger Gewicht zulegen.

          Wie eine steigende Kohlendioxidkonzentration den Stoffwechsel von Riesenmuscheln verändert, ist unklar. Plausibel scheint, dass es zunehmend mehr Energie kosten wird, die Auswirkungen der Meeresversauerung zu kompensieren und eine Kalkschale aufzubauen. Muscheln, die mangels Licht ohnehin am Existenzminimum leben, sind damit wohl überfordert. Für Riesenmuscheln, die noch lichtbedürftiger sind als Tridacna squamosa, ist die Kombination von Verschmutzung und Versauerung wahrscheinlich noch fataler. Zu ihnen zählt auch Tridacna gigas - mit bis zu 130 Zentimetern und 500 Kilogramm die größte unter allen Muscheln. Geschlechtsreif wird sie erst im Alter von zehn Jahren, kann dann aber noch viele Jahrzehnte lang wachsen und gedeihen. Ob das auch den jugendlichen Exemplaren gelingen wird, die heutzutage sesshaft werden? Das dürfte davon abhängen, wie rasch sich Temperatur und Chemie in den Ozeanen verändern.

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