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Das Rätsel Hahnenschrei : Die innere Uhren der Gockel

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Manche Hähne glauben ja, dass die Sonne ihretwegen aufgeht. Falsch gedacht. Was aber animiert die Hähne, wenn nicht das Licht? Jetzt hat man beobachtet: Es ist die Zeit.

          Ehe der Hahn krähte, hatte Petrus dreimal geleugnet, Jesus zu kennen. Von dieser vorösterlichen Begebenheit berichten alle vier Evangelisten im Neuen Testament. Offen bleibt indes, wann genau der Hahn krähte und warum. Zwar gilt ein frühmorgendliches „Kikeriki“ allgemein als Zeichen dafür, dass bald der Tag beginnt, aber Biologen fragen sich, wie diese Lautäußerung gesteuert wird. Ist die anbrechende Dämmerung der Auslöser, spielen Geräusche eine Rolle, oder regelt eine innere Uhr das Krähen? Tsuyoshi Shimmura und Takashi Yoshimura von der Nagoya-Universität sind dem Phänomen jetzt auf den Grund gegangen. Sie hielten Hähne abgeschirmt von Tageslicht und Umweltgeräuschen unter kontrollierten Bedingungen.

          Der Gockel braucht Konkurrenz

          Krähen dient normalerweise als Warnung an Artgenossen, nicht in das angestammte Revier einzudringen. Daher verstummten die Hähne zusehends, als sie in den Versuchskammern einzeln gehalten wurden. Die japanischen Forscher stellten daraufhin jeweis vier Käfige zusammen in einer Kammer auf, so dass die Vögel sich zwar gegenseitig sehen und hören, aber nicht verletzen konnten. Insgesamt drei solcher Gruppen wurden gebildet, alle überwacht mit Mikrofonen sowie mit Kameras. Wurden die Tiere einem Tag-Nacht-Rhythmus mit je zwölf Stunden Licht und Dunkelheit ausgesetzt, begannen sie etwa zwei Stunden vor dem künstlichen Sonnenaufgang zu krähen. Schon dieser Befund, der sich mit Beobachtungen an wildlebenden Hähnen deckt, spricht für eine innere Uhr als maßgeblichen Taktgeber. Noch deutlicher trat deren Rolle zutage, als die künstliche Sonne überhaupt nicht mehr aufging. Auch unter diesen düsteren Bedingungen erklang im Abstand von 23,7 Stunden der morgendliche Hahnenschrei, wie die Forscher in der Zeitschrift „Current Biology“ (doi: 10.1016/j.cub. 2013.02.015) berichten.

          Wer kräht da drüben?

          Der Einfluss des körpereigenen „Weckers“ ebbte allerdings mit der Zeit ab. Ohnehin ist die innere Uhr zwar ein wichtiger, aber keineswegs der einzige Auslöser für das Krähen. Plötzlich aufflammendes Licht oder das Krähen anderer Hähne - auch aus dem Lautsprecher - wirkte ebenfalls als Stimulus. Stets aber war die Bereitschaft, das Kikeriki erschallen zu lassen, während des subjektiven Morgens am größten. Das ist ganz offensichtlich der inneren Uhr geschuldet. So darf man sich durch die moderne Forschung in der Überzeugung bestärkt fühlen, dass auch der biblische Hahn schon in aller Herrgottsfrühe krähte.

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