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Biodiversität & Ökonomie : Was kostet die Welt?

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Die Schutzwürdigkeit und damit der Wert eines Ökosystems hängt von zahllosen weiteren Faktoren ab, unter anderem von dem jeweiligen Grad an „Resilienz“, also der Fähigkeit, Störungen zu tolerieren. Ein Brand in der Savanne kann deren Regeneration sogar fördern, ein Feuer in einem Regenwald kann ihn unwiederbringlich zerstören.

Häufig wird der Begriff Biodiversität auch mit „Artenvielfalt“ (species richness) übersetzt. Doch das trifft es ebenfalls nicht. Ein Biotop, etwa ein Strandabschnitt auf den Westindischen Inseln, kann Dutzende Arten und Unterarten von Schnecken beherbergen, die nur noch der Fachmann zu unterscheiden weiß. Besonders divers würde man das nicht nennen. Genauso wenig wie eine Ansammlung verschiedener Weihnachtstannen in einer dänischen Baumplantage.

Muss man Biodiversität sehen?

„Variabilität“ forderte die Convention on Biological Diversity 1992 in Rio de Janeiro. Gemeint ist damit die ganze Bandbreite der Vielfalt des Lebens, angefangen von Genen und Genomen über Arten und Populationen bis hin zu kompletten Biomen. Aber selbst das reicht bei näherer Betrachtung noch nicht aus. Denn in Wahrheit gilt es ja, die Interaktionen zwischen allen diesen Elementen zu betrachten, beispielsweise die Art und Weise, wie der Bestand einer Mäusepopulation mit dem Vorkommen bestimmter Gräser oder Raubkatzen zusammenhängt, inklusive der damit verbundenen Stoff- und Energiekreisläufe.

Damit immer noch nicht genug: Will die Ökologie Anspruch erheben, eine exakte Wissenschaft zu sein, muss sie solche Einheiten nicht nur beschreiben, sondern zum Beispiel auch verlässlich vorhersagen können, wie sich die Lebensgemeinschaft eines Kalktrockenrasens in absehbarer Zukunft entwickeln wird, und zwar sowohl dann, wenn er regelmäßig gemäht oder beweidet wird, wie auch dann, wenn er sich selbst überlassen bleibt.

Die Hoffnung, eine klar definierte Größe für „Biodiversität“ zu finden, hat sich jedenfalls nicht erfüllt. Bis auf weiteres kann man nur sagen: Biologische Vielfalt ist wie Pornographie. Nicht zu definieren, aber am ehesten intuitiv zu begreifen, wenn man sie unmittelbar vor Augen hat.

Nachhaltiges Forstwirtschaften

Dem Schnorchler am Korallenriff leuchtet das sofort ein. Den Anwohnern der Sahelzone schon weniger. Ein noch näher liegendes Beispiel sind Deutschlands Buchenwälder. Nach herrschender Lehrmeinung sind sie der Lebensraum, der hierzulande dominieren würde, wenn nicht schon unsere Vorfahren dafür gesorgt hätten, dass in Germanien anderes und mehr wächst als Fagus sylvatica samt den zugehörigen, im ökologischen Weltmaßstab eher bescheiden zu nennenden Beständen an Waldschwingel, Hasenlattich oder Hainsimse.

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